Parkour-Sportler fallen auf

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Beim Parcours wird eifrig trainiert.

Bergkamen - Saltos von hohen Stufen, Hechtsprünge über Mauern, Kunststücke an Wänden sowie Sprünge, Rollen oder Drehungen, wo immer es geht: Wer "Parkour" oder Freerunning in der Öffentlichkeit betreibt, fällt definitiv auf. Die Jugendkunstschule Bergkamen hat diese Trendsportart schon vor langer Zeit ausgemacht.

In regelmäßigen Abständen gibt es Workshops, doch an jedem Donnerstagabend wird in der Halle 1 des Städtischen Gymnasiums auch zu festen Zeiten trainiert. „Hier können wir üben, was wir dann draußen zeigen“, sagt Guido Grebing. Der 21-jährige Unnaer kommt schon lange zum Training nach Bergkamen. „Hier in der Halle haben wir das sichere Umfeld, um Dinge auch mal ausprobieren zu können, ohne uns gleich weh zu tun.“ 

Tipps von Könnern

Neben Sascha Wolfrath und Kamil Sowa fungiert Grebing als Trainer. Doch Parkour und Freerun sind Freistilsportarten – und so können die Cracks nur Tipps geben, wie das eine oder andere trainiert werden kann oder welche Muskelpartien gezielt gestärkt werden sollten. Derzeit trainieren rund 25 Leute bei der Jugendkunstschule, doch nicht alle kommen regelmäßig jede Woche von 20 bis 22 Uhr. „In der Halle sind wir meist so 16 Leute“, erklärt Grebing. Und die teilen sich auf in unterschiedliche Leistungsgruppen. Neu dabei sind Tim Bonde (18) und Nico Mohr (13). Beide kamen durch Internet-Videos auf den Geschmack und wollen es einmal ausprobieren. „Es lernt sich recht schnell“, freut sich Nico und setzt erneut zum Unterschwung über den unteren Holm des auf Stufe gestellten Barrens an. „Saltos ziehen können, das ist mein Ziel“, erklärt er. Im Wasserpark hat er schon so manches Mal Dinge ausprobiert. „Wenn die Leute komisch gucken, stört mich das nicht“, sagt er zwar, doch: „Es hier in der Halle anständig zu lernen bevor man sich draußen große Ziele setzt, das macht schon Sinn.“

Auch der 18-jährige Tim fühlt sich pudelwohl in der Truppe. „Ich find es toll. Man lernt megaschnell“, sagt der Werner, der lange gesucht hat. Schwimmen, Tischtennis, Fußball, all das überzeugte ihn nicht. Bei Parkour, so ist er sicher, wird das anders sein. Jeder sucht sich seine Herausforderung Auch die Könner in der Halle sind vom Miteinander begeistert: „Hier trainiert jeder auf seinem eigenen Niveau, jeder sucht sich seine Herausforderungen“, sagt der Oberadener Max Weinreich. „Hier trainiert jeder gegen sich selbst, aber im miteinander mit den anderen“, versucht er den Teamgeist zu erklären, der deutlich spürbar ist. Mit „Cool“ wird oft kommentiert, was ein anderer beim Sprung über zwei Kästen zeigt. Ein weiterer läuft eine Wand hinauf und nutzt den Schwung für einen Rückwärtssalto. Wieder ein anderer springt vom großen Kasten herunter - und dreht sich dabei mehrfach um beide Achsen. 

Draußen trainieren

Die vielen Möglichkeiten, sich über die Bewegung ausdrücken zu können, begeistert Mario Vogt (24) aus Methler. Lange haben die jungen Männer nach Trainingsmöglichkeiten in der Halle gesucht, bis sie auf das Angebot der Jugendkunstschule aufmerksam wurden. „Das ist großartig“, findet Nils Menne aus Unna. „Natürlich ist der Grundgedanke, dass man es draußen macht und draußen trainiert. Aber das kommt auch auf die Witterung an – und die eigene Motivation.“ Und dass die zum Großteil jungen Männer donnerstags in der Halle trainieren, hält sie nicht davon ab, an anderen Tagen nach draußen zu gehen. Das macht jeder in seiner Stadt, aber manchmal fahren sie auch in Gruppen zu speziellen Strecken in Hamm, Wuppertal oder Bochum. Und zu Parkour-Festivals geht es gemeinsam: Nach Bremen, Kassel oder Karlsruhe. Eine Route durch die Stadt hat noch keiner entwickelt. „Das würde viele lange Laufstrecken bedeuten“, erklärt Guido Grebing. „Und wir Parkourläufer sind keine Ausdauersportler“, gesteht Max Weinreich. 

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