Fraktionschef Heinzel mutmaßt heimliche Absprache

Bestattungswald für Bergkamen - RVR-Vorstoß bringt die CDU in Rage

Bestattungen im Wald sind ein Trend in der Abkehr von der klassischen Gruft auf dem Friedhof. Das Bild zeigt die Einweihung des Ruheforstes Cappenberg.
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Bestattungen im Wald sind ein Trend in der Abkehr von der klassischen Gruft auf dem Friedhof. Das Bild zeigt die Einweihung des Ruheforstes Cappenberg.

Der RVR hat einen Bestattungswald für Bergkamen in den Blick genommen. Die CDU-Fraktion sieht deswegen schon Rot:

Bergkamen – Der Wandel der Bestattungskultur wird Rat und Verwaltung absehbar vor eine Grundsatzentscheidung stellen: Wird Bergkamen die Möglichkeit eröffnen, die Urnen eingeäscherter Verstorbener in einem Wald zu bestatten? Das gibt es im Stadtgebiet nicht, die nächstgelegene Möglichkeit stellt der Ruheforst in Cappenberg dar. Der RVR hat der Kommune aber angetragen, einen Bestattungswald zu schaffen.

Thema im RVR-Betriebsausschuss

Die CDU-Fraktion bringt der bloße Umstand auf die Barrikaden. Der Vorsitzende Thomas Heinzel argwöhnte gar, die Verwaltungsspitze habe mit dem Regionalverband Ruhr insgeheim Standorte ausgekungelt, um die Politik vor vollendete Tatsachen zu stellen. Dass in RVR-Gremien dazu erste Weichenstellungen erfolgt sind, in Bergkamen das Thema aber noch nicht aufgerufen wurde, brachte die CDU in Harnisch.

Parteichef Pufke sitzt an der Quelle

Dazu muss man wissen, dass der CDU-Ratsherr und Parteivorsitzende Marco Morten Pufke als Mitglied des Ruhrparlaments nahe an der Quelle sitzt. Das erklärt, warum die CDU am 10. September beantragt hat, für den Haupt- und Finanzausschuss den Punkt „Berichterstattung Friedwald“ vorzusehen. Verbunden mit dem Hinweis, dass der RVR-Betriebsausschuss am 3. September entsprechende Schritte in Bergkamen eingeleitet habe.

Bürgermeister weist Vorwurf zurück

Und so ging Heinzel Bürgermeister Bernd Schäfer (SPD) sogleich mit dem Unterton an, was er denn da hinter dem Rücken schon verabredetet habe. „Da ist nichts beschlossen“, wies Schäfer den Vorwurf zurück. Der Verband habe „angefragt, ob es in Bergkamen dafür Bereitschaft gibt. Dazu soll aber geprüft werden, ob und an welcher Stelle das möglich ist.“

Nichts konkretes auf dem Tisch

Solange erübrige sich die Diskussion. „Falls dafür Flächen in Frage kommen, wird sich der Rat selbstverständlich mit dem Thema befassen“, verstand Schäfer die Aufregung nicht. Heinzel führte dagegen gleich drohende finanzielle Verluste ins Feld: „Wenn das kommt, müssen wir die Frage beantworten, was das mit den Kosten und Gebühren auf unseren Friedhöfen macht“, weil der Bestattungswald eine Konkurrenz darstelle. „Gleiches gilt für die kirchlichen Friedhöfe.“ Die Ruhestätten sind meist kaum noch ohne Verluste vorzuhalten.

Schäfer: Was wünscht wohl der Bürger?

Dieser Punkt sei selbstverständlich Teil der zu treffenden Abwägung, entgegnete Schäfer. Und: „Es stellt sich neben den finanziellen Aspekten aber doch auch die Frage, ob wir Bergkamener Bürgern diese Bestattungsform nicht ermöglichen wollen, damit sie nicht in die weitere Umgebung ausweichen müssen.“

RVR Ruhr Grün möchte Geld verdienen

Der für die Wälder zuständige Eigenbetrieb RVR Ruhr Grün hat dafür zwei Areale im Schatten der Halde Großes Holz ausgemacht. Die Umwandlung in einen Bestattungswald verspreche in Kooperation mit einem Verwalter – vergleichbar den Modellen „Ruheforst“ oder „FriedWald“ – dem RVR Einnahmen bis zu knapp einer Million Euro. Zudem erleichtere es die Pflege, wenn pietätvolles Verhalten die Waldbesucher ausmache.

Stadtverwaltung prüft Eignung der Flächen

Wie es sich mit der am Kartentisch beim RVR ausgemachten Eignung verhält, soll nun am Forstgesetz, der Kampfmittelsuche und Einschätzung der Wasser- und Gesundheitsbehörden bemessen werden. Zudem ist die Infrastruktur bezüglich Verkehrsanbindung, Parkplätzen und dergleichen zu bewerten. All dies wird übrigens die Stadt Bergkamen übernehmen, der RVR die Arbeiten aber unterstützen.

CDU ist schon mal strikt dagegen

Für die ausstehende Entscheidung, ob trauernde Angehörige und Freunde in einer Waldbestattung in Bergkamen Trost finden können, hat sich Heinzel schon mal festgelegt: „Ich sehe gar nicht ein, dass hier eine Mittelbehörde einfach irgendetwas plant, was ich hier gar nicht haben will. Und schon gar nicht mit diesem Betreiber.“

„Wir sollten erst mal die Fakten abwarten“, riet Bürgermeister Schäfer. „Noch sind die Verhältnisse völlig ungeklärt.“

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