Rund 11000 Bergkamener können am Sonntag den Integrationsrat wählen

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Im Februar fand der Zukunftstag „Bergkamen for all“ statt. Daraus entwickelte sich die Liste „Vielfalt ist unsere Stärke“ mit fünf Kandidierenden.

Bergkamen – Bei den Kommunalwahlen am Sonntag wird auch ein neuer Integrationsrat gewählt. Neun Sitze sind zu vergeben, es gibt aber nur sechs Kandidierende – fünf Frauen und ein Mann. Auffällig: Kein aktuelles Mitglied strebt eine Weiterarbeit in dem Gremium an.

Von den insgesamt rund 39 000 Wahlberechtigten in Bergkamen sind etwa 11 000 auch bei der Wahl zum Integrationsrat stimmberechtigt. Es sind Menschen mit und ohne deutsche Staatsangehörigkeit, die einen Migrationshintergrund haben. Asylbewerber sind nicht zugelassen. Bei der Wahl 2014 lag die Wahlbeteiligung bei mageren 13,25 Prozent.

Der Integrationsrat ist das Fachgremien für die kommunale Integrationspolitik, soll eine chancengleiche Teilhabe der Einwohner mit internationaler Familiengeschichte ermöglichen und fördert im besten Fall das Miteinander der unterschiedlichen Kulturen. Auch entsandte Ratsmitglieder arbeiten hier mit. In der Stadt Bergkamen leben Menschen aus nahezu hundert verschiedenen Nationen.

In den zurückliegenden Jahren ist der Integrationsrat öffentlich teils weniger durch inhaltlicher Arbeit aufgefallen denn durch Beschäftigung mit sich selbst. So beklagte der Vorsitzende Aydin Ayyildiz 2017 fehlendes Engagement der Mitglieder. 2019 stand die Frage an, ob der Integrationsrat ein Rat bleiben oder zu einem Ausschuss werden soll, was durch Änderung der Gemeindeordnung möglich wäre.

Ayyildiz hatte den Vorsitz des Rates im Oktober 2015 übernommen, nachdem der 2014 gewählte Vorsitzende seinen Rück- und auch Austritt aus dem Gremium erklärt hatte. Eine Kontaktaufnahme für ein Gespräch über die Bilanz nach sechs Jahren Integrationsratsarbeit gelang dem WA nicht.

Die zuständige Beigeordnete Christine Busch hält eine starke Stimme der Menschen mit Zuwanderungsgeschichte in Bergkamen für wichtig. Sie räumt ein, dass sie sich vom jetzigen Gremium mehr Einsatz gewünscht hätte. Auch in den Fraktionen sei oft bedauert worden, dass vieles von dem, was der Integrationsrat in die Diskussionen eingebracht habe, im Ungefähren geblieben sei.

Die Neubesetzung des Gremiums biete nun neue Chancen, sagt Busch. Der Stadt sei an guten Beziehungen zu allen Bevölkerungsgruppen gelegen, etwa auch zu den hiesigen Moscheevereinen.

Junge Kandidaten bei "Vielfalt ist unsere Stärke"

auf der Liste "Vielfalt ist unsere StärkeVon den sechs Kandidaten für den Integrationsrat haben sich fünf zur Liste „Vielfalt ist unsere Stärke“ zusammengeschlossen. Der Liste sowie der Einzelbewerberin Elena Volkova reichen theoretisch jeweils eine Stimme aus, um in das Gremium zu gelangen.

Zwar müssen die Wahlberechtigten zum Integrationsrat einen Migrationshintergrund haben, für die Kandidaten gilt diese Vorgabe allerdings nicht. Der Liste „Vielfalt ist unsere Stärke“ gehören mit Sarah Hüsing (Geburtsort: Werne), Elif Biçak (Kamen) und Xenia Schulz (Werne) drei Schülerinnen an, die jeweils 2002 das Licht der Welt erblickten.

Angeführt wird die gemeinsame Liste vom Diplom-Informatiker Zekeriya Kalabalik (Jahrgang 1973, Geburtsort: Osmancik in der Türkei) und komplettiert durch Lejla Azimi, die 1980 in der afghanischen Hauptstadt Kabul geboren wurde. Sie ist beruflich selbstständig.

Alle Fünf auf der Liste sind deutsche Staatsangehörige. Einzelbewerberin Elena Volkova, Jahrgang 1971, selbstständig, hat einen russischen Pass. Ihre Geburtsstadt ist Puschtschino, 120 Kilometer südlich von Moskau gelegen.

Christian Scharwey vom städtischen Integrationsbüro berichtet, dass die Liste „Vielfalt ist unsere Stärke“ aus dem Beteiligungsprojekt „Bergkamen for all – Jugend gestaltet Zukunft“ entstanden ist. Das Treffen zur Weiterentwicklung des Integrationsmanagements fand Mitte Februar kurz vor Ausbruch der Corona-Pandemie im Treffpunkt der VHS statt.

Scharwey hätte sich mehr Kandidaten für die Wahl zum Integrationsrat gewünscht, zumindest mehr als neun, die Zahl der zu vergebenen Sitze. „Dies wäre für die Legitimation de Gremiums besser“, sagt er. Doch auch eine hohe Wahlbeteiligung könne die späteren Mitglieder motivieren, sich ehrenamtlich für die Integration in der Stadt starkzumachen.

Schon vor Monaten hatte das Integrationsbüro alle Vereine, Gruppen und Institutionen, in denen sich Menschen mit Zuwanderungsgeschichte organisiert haben oder die sich um das Thema Integration kümmern, mit Flyern auf die Wahl und die Möglichkeit einer Kandidatur hingewiesen – auch die Moscheevereine. Die Rückmeldungen seien spärlich gewesen. „Wir stehen vor einem Fragezeichen“, räumt Scharwey ein.

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