Nur Fußgänger und Radler werden weiter umgeleitet

Verschub der Lippebrücke erfolgreich abgeschlossen: Ab Mittwochfrüh dürfen (fast) alle wieder drüber

Seitenwechsel vollzogen: Der Überbau ruht 15 Meter weiter westlich in der Endposition. Die Behelfswiderlager (links) können angerissen werden.
+
Seitenwechsel vollzogen: Der Überbau ruht 15 Meter weiter westlich in der Endposition. Die Behelfswiderlager (links) können angerissen werden.

In nächtlicher Millimeterarbeit ins Ziel: Bald geht’s von Rünthe wieder geradeaus nach Werne und zurück. Die neue Lippebrücke ist in Position.

Rünthe – Auf den ersten Blick sieht Rünthes interessanteste Baustelle am Freitagmorgen nicht anders aus als in den vergangenen Wochen. Am Südufer gehen vor der Lidl-Kulisse Baukolonnen in grellorangener Arbeitskluft mit Baggern, Schaufeln und allerlei anderem Gerät ihrem Werk nach. In der Rampe wird die Schotterlage glatt gezogen, der Asphaltierer steht bereit, die Rohrkolonne wärmt das Muffenstück für den Anschluss der Wasserleitung mit dem Brenner an.

2000-Tonnen-Koloss in Endposition

Ein produktives Durcheinander, nur einen Tick weiter westlich als noch am Abend zuvor. 14,98 Meter weiter, um mal ganz genau zu sein. Über diese Distanz ist der Überbau mit 60 Metern Spannweite über den Fluss ja über Nacht Millimeter für Millimeter gewandert. Nicht fröhlich pfeifend, versteht sich, sondern dank Technik und Geschick der Fachleute von Thyssen-Krupp, den Mannen von Bauleiter Daniel Lueb bei der Firma Eiffage und dem Team von Straßen.NRW als Bauherrn. Alle miteinander konnten sie keine zehn Stunden nach dem Auftakt am Donnerstagabend durchatmen: Ziel erreicht. Der 2000-Tonnen-Koloss ruht, wo er hingehört: Auf den neuen Widerlagern, die in die alte Trasse der Bundesstraße 233 gesetzt worden sind.

Abriss der Hilfskonstruktion ab Montag

Nun stehen auf der Ostseite die Träger der Behelfsbrücke frei. Nicht mehr lange. „Kommende Woche beginnen wir mit dem Abriss der nicht mehr benötigten Teile“, hatte Lueb beim Pressetermin des Landesbetriebs am Abend zuvor angekündigt. Das Treiben am Morgen lässt erkennen, dass es Schlag auf Schlag weiter geht. Die Hydraulikstempel, mit denen das Bauteil mit einem Gewicht von etwa 1500 Kompaktklassewagen hochgewuchtet wurde, werden abgebaut und verladen.

Der Gelsenwasser-Trupp macht sich daran, das unter der Brücke vormontierte Wasserrohr wieder mit dem alten Strang zu verbinden. Dann kann die „Umleitung“ über die Zechenbahnbrücke gleich nebenan auch demontiert werden. Dort haben sich zu dieser Zeit nur drei bis vier Neugierige eingefunden, am Abend hatten deutlich mehr einen Blick über den Zaun geworfen oder Handy-Fotos gemacht.

Auf der Brücke der beliebten Zechenbahntrasse werden sich Radler und Fußgänger noch eine Weile miteinander arrangieren müssen. Bis Mittwochfrüh noch müssen alle Passagiere der VKU-Linien den Weg zwischen den Ersatzhaltestellen vor der Brücke beschreiten. Das sind etwa 400 bis 500 an einem normalen Wochenende. Ab Mittwoch 5 Uhr, soll alles wieder über die Brücke rollen dürfen, was einen Motor hat.

Rad/Gehweg auf der Brücke dauert noch

Nur Radler und Fußgänger werden noch eine Weile über die alte Eisenbahnbrücke umgeleitet, weil die Brückenkappen mit beidseitigem Rad- und Gehweg noch fertiggestellt und mit Geländern versehen werden müssen. Pkw, Lkw & Co haben Mitte der Woche schon freie Fahrt. Alle miteinander wird Straßen.NRW im September ein letztes Mal für ein Wochenende aussperren, damit die neue Fahrbahn ihre Markierungen erhalten kann.

Die wird – wenig überraschend – in weiß gehalten sein, wie man es kennt. Bei der Farbgebung der Unterseite hatte der Landesbetrieb mehr Spielraum. „Was Sie hier sehen, ist das sogenannte Kölner Brückengrün“, erläuterte die Chefin der Brückenbauer. Der Farbton sei ausgewählt worden, damit sich das Bauwerk besser in die Landschaft einfüge. Auch der derzeit optisch noch dominante Beton wird demnächst verhübscht, wie Thorben Roeloffs erläuterte. Der untere Teil der Widerlager wird angefüllt, darüber eine Verblendung aus Naturstein gesetzt.

Falls der Otter kommt: Ein Weg ist da

Apropos Natur: Auch an die haben die Planer gedacht: Das Regenwasser der Rampen durchläuft eine Reinigungsstufe im Kanalsystem, damit es ohne Störstoffe in die Lippe geleitet werden kann. Wenn der Fluß, angesichts der geplanten Renaturierung durch den Lippeverband dereinst für die Rückkehr des Fischotters sorgt, ist schon für den Wassermarder gesorgt. Der mag noch so wendig schwimmen oder tauchen, wie Ahmed Karroum, Niederlassungsleiter Ruhr bei Straßen.NRW erläutert. Aber unter Brücken gehe der Jäger lieber zu Fuß.

„Wir haben daher oberhalb der Hochwasserlinie eine Berme geschaffen.“ So heißt im Fachjargon, was der Laie Trampelpfad nennt – und nicht nur für den Otter von Vorteil ist, wie Thorben Roeloffs versicherte: „Auch unsere Brückenkontrolleure sind froh, wenn sie trockenen Fußes da entlang kommen.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare