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Rünther Aktionskreis stößt Gründung einer Energiegenossenschaft an

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Von: Bernd Kröger

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 Karlheinz Röcher (rechts) und Rainer Schmidt mit Windrad
Mit dem nötigen Schuss Humor haben sich Karlheinz Röcher (rechts) und Rainer Schmidt auf dieses symbolische Foto fürs Thema eingelassen. Sie wollen politisch Wind für die Energiewende entfachen, durch Bürgerengagement etwa in Zechensiedlungen alternativ heizen. © WA

„Wir brauchen die Hilfe von oben!“ Gern sagt Karlheinz Röcher das sicher nicht, gehört es doch zu seinem Politikverständnis im „Aktionskreis Wohnen & Leben“, dass von unten angeschoben und (mit-)bestimmt wird, wie sich ein Gemeinwesen entwickelt, dank bürgerschaftlichem Engagement. Schließlich geht es um die Gründung einer Energiegenossenschaft, die in Bürgerhand klimagerechte Energiequellen erschließt: Windkraft, Sonnenstrom, Solarthermie.

Rünthe – Gerade jetzt, da Klimakrise und Ukrainekrieg in unheimlicher Allianz vermeintliche Gewissheiten im Alltag als brüchiges Konstrukt entlarven, die Notwendigkeit der Kurskorrektur in der Energiepolitik schonungslos offenbaren. Weg vom Gas – jetzt erst recht, muss die Gesellschaft sich eingestehen, da die grassierende Furcht vor dem kalten Wohnzimmer das zuvor weit verbreitete Achselzucken über die fossil befeuerten Klimawandel-Szenarien ins Gegenteil verkehrt.

„Da muss man doch etwas machen“, ist Röcher geradezu konsterniert, „und die Bürger konkret beteiligen.“ Das vermisst der langjährige Streiter für ein Windrad auf der Halde Großes Holz in dieser aufgewühlten Zeitenwende und will mit dem Rünther Verein einen Vorstoß machen: Die Gründung einer Energiegenossenschaft, die in Bürgerhand klimagerechte Energiequellen erschließt: Windkraft, Sonnenstrom, Solarthermie. Letzteres als Nahwärmekonzept etwa für die Kolonien alter Zechenhäuser, wie Röcher und Vorstandskollege Rainer Schmidt selbst eines bewohnen.

 Lichtstele in den Farben der Ukraine
Die Lichtstele (neuerdings in den Farben der Ukraine) ist Blickfang und höchstes Bauwerk auf der Vorzeige-Halde. Kommt bald Energiegewinnung hinzu? © Klaus-Dieter Hoffmann

Am Donnerstag soll es los gehen: Info-Stand und Unterschriftensammlung auf dem Markt. Von den Unterstützern erhofft sich der Aktionskreis zugleich die Interessensbekundung, bei Gründung der Genossenschaft einzusteigen. Gesucht werden so nicht nur Geldgeber – etwa für das bisher umstrittene Windrad auf der Halde –, sondern auch engagierte Kräfte für die Führung der Genossenschaft.

„Wir kommen doch nur weiter, wenn wir mit vielen anderen sagen: ,Wir machen da jetzt mal mit’“, sieht Röcher die Gesellschaft in der Verantwortung. „Dafür müssen wir Leute finden. Und dabei muss uns der Bürgermeister helfen, wir brauchen die Parteien, speziell die Grünen.“ Ohne die helfende Hand „von oben“ werde das nicht gelingen, resümieren die beiden Kämpen ernüchtert. „Es muss doch möglich sein, in Bergkamen so etwas auf die Beine zu stellen. Woanders klappt das doch auch“, entrüstet sich Röcher und verweist auf Beispiele in Ostwestfalen. Da ist er selbst ein Energiegenosse.

Verdruss, als „Schmuddelkinder“ abgestempelt zu sein

In den Appell, offen an neue Versorgungsmodelle heranzuziehen, mischen sich so auch Verdruss und der alte Vorwurf, in Bergkamens Politik als „Schmuddelkinder“ abgestempelt zu sein: per se ohne Chance, für die Anliegen „bei der Stadt“ Gehör zu finden, weil der Aktionskreis als Störenfried gelte.

Die Initiatoren formulieren aber beharrlich die Erwartung, doch noch untergehakt und samt Bürgerschaft mitgenommen zu werden bei dem, was für sie so klar auf der Hand liegt. Gepaart mit der Hoffnung, den Generationswechsel anzustoßen, Jüngere als Wasserträger für das Projekt zu gewinnen. Geburtshelfer für die Genossenschaft will der Verein sein, dann sollen andere ins Geschirr: „Wir brauchen drei, vier, fünf eher Junge, die sagen: ,Die nächsten zehn Jahre mache ich das.’ Ein bisschen verrückt muss man schon sein“, räumt Röcher ein.

Rückenwind verspricht sich der Aktionskreis vom RVR als Hüter der Halden. Der hat ein Gutachten zu deren Potenzialen für Windkraft- und/oder Solarstromanlagen in Auftrag gegeben. Am 26. August soll es dem RVR-Umweltausschuss vorgestellt werden und am 7. September in einer Versammlung des Vereins in Bergkamen. Der hofft, dass dann wem ein Licht aufgeht im Kampf für Windmühlenflügel.

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