Rünthe fehlt eine Rettungswache, um schnelle  Notfallhilfe zu gewährleisten

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Ohne eigenen Rettungswagen im Ortsteil ist den Rünthern nicht gewiss, dass im Notfall Sanitäter innerhalb der gesetzlichen Frist von acht Minuten zur Stelle sind. Es soll eine Wache eingerichtet werden, um die Wege zu verkürzen. Ein Standort wird noch gesucht.

Rünthe – Acht Minuten, solange darf es in städtischen Wohnlagen dauern, bis Retter zur Stelle sind, weil jemand medizinische Hilfe braucht. Zwölf Minuten gestattet der Gesetzgeber für die Anfahrt in ländliche Gegenden. In Bergkamen ist diese schnelle Hilfe nicht mehr überall im notwendigen Maß gewährleistet.

Das hat die Fortschreibung des Rettungsdienstbedarfsplans für den Kreis Unna an den Tag gebracht. „Schnellstmöglich“, so heißt es darin, müsse Bergkamen zwei Rettungswachen schaffen: eine neue in Rünthe, das bisher von der Wache an der Bambergstraße aus versorgt wird, und eine zweite in Oberaden. 

Die Versorgung außerhalb der Siedlungskerne ist in dieser Stadt nicht das Problem. Der in Kooperation mit Bönen und der Stadt Kamen als ausführender Kommune organisierte Rettungsdienst erreicht die Norm „auf dem Land“ zu 96,19 Prozent, das geht für die Experten in Ordnung. 

Auf städtischem Gebiet sind es aber nur 60 Prozent, das ist weit unter der Toleranzgrenze: In mindestens 90 Prozent der Notrufe sollen die Retter spätestens nach acht Minuten da sein. Für die etwa 6700 Einwohner von Rünthe lässt sich das laut der vom Kreistag beschlossenen Expertise nur lösen, indem im Ortsteil eine eigene Wache geschaffen wird. 

Für die 12 000 Oberadener muss ein zweiter Rettungswagen samt Mannschaft her, der übergangsweise „irgendwo“ stationiert wird. Solange nämlich, bis der geplante Ausbau der Feuerwache den Platz für die Kapazitätsverdoppelung bietet. Weil dafür erst die Jahnschule in den projektierten Neubau umziehen muss, um Platz für die Feuerwehr zu schaffen – was nun mal dauert – wird es hier eine Übergangslösung geben. 

Nicht zu übersehen ist an den Rettungswagen, hier ein RTW an der Hauptwache Bambergstraße, dass die Stadt Kamen in Kooperation für die Hilfe in Bergkamen sorgt.

„Der Kreis Unna unterstützt uns in der Sache. In Frage käme hier auch ein Appartment, das Platz genug für die Bereitschaft bietet“, berichtete Christine Busch, Dezernentin für derlei Angelegenheiten im Rathaus. Nach Geschlechtern getrennte Schlafräume, Sanitäranlagen, Küche, ein Aufenthaltsraum und etwas Lagerplatz für Verbrauchsmittel (Busch: „Keine Medikamente oder was Einbrecher anlocken könnte“) müssten her. Dazu eine passende Garage. 

In Rünthe hatte es schon so ausgesehen, als sei ein passender Standort für all dies gefunden. Eine Industriehalle schien für einen Umbau geeignet. „Das hat sich leider zerschlagen“, so Busch. Über taugliche eigene Grundstücke verfüge die Stadt dort nicht. Eine Erweiterung der Feuerwache sei ausgeschlossen: „Da ist kein Millimeter Platz mehr.“ 

Wenn das passende Grundstück gefunden ist, kann es hier eigentlich sehr schnell gehen. „Wir haben über die Errichtung der Wache schon nachgedacht, sie wird in Modulbauweise erstellt“, so Busch. Eine Zufahrt, Strom und Wasser – viel mehr brauche es nicht, um in den Containern die Wache ans Laufen zu bringen. Dort soll ein RTW mit Rund-um-die-Uhr-Besetzung in Bereitschaft gehen. Bisher rückten an der Hauptwache Bambergstraße die Sanitäter nach Rünthe aus. 

Doch das war zuletzt in acht Minuten immer schlechter zu schaffen. Luft für die schnelle Reaktion auf Herzinfarkte, Stürze und Unfälle aller Art verschafft sich der Rettungsdienst, indem Kapazitäten aus dem Krankentransport dem Rettungsdienst zugeteilt werden. Im Zuge einer internen Systemtrennung werden dafür vorgehaltene Mehrzweckfahrzeuge zum Rettungstransportwagen aufgerüstet. Für Rünthe bedeutet das die Verlegung eines Fahrzeugs mit Personalkapazitäten von 168 Wochenstunden (24 Stunden/7 Tage pro Woche in Bereitschaft). 

Dieser Umfang ist auch für den dann dritten Bergkamener RTW im Ortsteil Oberaden vorgesehen, der beschafft werden muss. Weil in der Branche Personal knapp und begehrt ist, und mit der höheren Qualifikation des Notfallsanitäters als höchste Stufe nach Rettungssanitäter und -assistent die Anforderungen und Vorgaben gestiegen sind, wird die Nachwuchsgewinnung immer bedeutender. 

In Kamen treten daher in Kürze zehn junge Leute ihre Ausbildung an, damit sie in drei Jahren die Mannschaft an allen Standorten im Verbund mit Bergkamen und Bönen unterstützen können. Zudem werden Rettungssanitäter und -assistenten nach festem Zyklus fortgebildet, um genug Notfallsanitäter zu haben.

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