Roos Cherek und Irene Jung haben viel Zeit für Kinder

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Roos Cherek malt mit den Kindern.

Bergkamen - „Alle Vögel sind schon da“ schallt es durch die Städtische Kindertageseinrichtung Mikado. Ein Junge will „das Lied mit den Blumen“ singen. Irene Jung weiß sofort, was er meint und beginnt zu singen. Alle 18 Kinder stimmen mit ein: „Es war eine Mutter, die hatte vier Kinder…“ Textsicher sind die Kleinen, selbst bei schweren Worten wie „tirilieren“ kommen sie nicht ins Stocken und bei „Froh zu sein bedarf es wenig“ schlagen sie mit Inbrunst die Triangel und andere Instrumente.

Irene Jung ist eine von vielen Zeitpaten in der Stadt, die sich im Kindergarten oder dem Offenen Ganztag an Grundschulen engagieren. Sie selbst widmet sich altem Liedgut – und die 18 Kinder hängen an ihren Lippen, wenn sie einen neuen Text vorsagt oder Interessantes zu den darin vorkommenden Vögeln erzählt. Andernorts wird gemalt. Roos Cherek, bekannt als Künstlerin der sohle 1, übt mit drei Kindern die Grundlagen der Malerei. Diesmal geht es um Farbverläufe – und begeistert sausen Mika, Celine und Klemens mit den Pinseln übers Blatt. „Nicht schrubben“, schreitet Roos Cherek ein, „malen“. Sonst, so lernen die Kinder, geht der Pinsel kaputt. „Das ist Kuddelmuddel“, bremst sie einen aufstrebenden Künstler wenig später ein, „wir wollen doch kein Braun.“

Regenbogen ist angesagt

 Mika malt gerne Häuser und Autos, aber heute ist der Regenbogen angesagt. Eine Sonne lässt Roos Cherek gerade noch zu. „Es geht um die elementaren Sachen der Malerei“, erklärt sie. Spielerisch sollen die Kinder lernen, wie sich die Farben vermischen. Drei Mal arbeitet sie mit einer Mini-Gruppe, dann beginnt sie mit anderen Kindern von vorn. Im Mikado heißt es „Bürgerschaftliches Engagement“, in anderen Einrichtungen „Zeitpaten“, bei wieder anderen „Gäste-Stunde“ – hinter allem verbirgt sich jedoch das Gleiche: Erwachsene mit einem besonderen Faible für eine Sache verbringen regelmäßig Zeit im Kindergarten oder im Offenen Ganztag einer Schule, um ihr Wissen an interessierte Kinder weiterzugeben. Ob Verkehrserziehung durch pensionierte Polizisten, Englisch for Kids mit engagierten Teenagern, naturwissenschaftliche Experimente, hauswirtschaftliche Angebote oder Gartenarbeit: Das Angebot ist wirklich breit gefächert. 

Eine absolute Bereicherung

„Das ist eine absolute Bereicherung“, sagt Martina Müller, Leiterin der Einrichtung „Mikado“. „Wir machen auch viel, aber diese Leute sind fachspezifisch und können das mit einer ganz anderen Begeisterung vermitteln.“ Selbst die Erzieher lernten viel und erhielten Anregungen. Deshalb sind diese ehrenamtlichen Helfer in den Einrichtungen sehr gefragt. „In Rünthe und Oberaden fehlen sie derzeit“, weiß Irene Jung. Sie koordiniert den Einsatz der Zeitpaten über den Runden Tisch der Stadt Bergkamen. „Vor allem die Kindertagesstätten Traumland und Sonnenblume in Rünthe haben Bedarf angemeldet, ebenso die Oberadener Einrichtungen mittendrin und Funkelstein.“ Fachkraft ist stets dabei Die Aktion Zeitpaten sei eine schöne Sache für Menschen, die etwas tun wollten, aber nicht wüssten, wie. Denn die Zeitpaten bleiben mit den Kindern nicht allein, stets ist eine Fachkraft dabei und auch sonst müssen die Paten nicht viel organisieren. „Der Zeitpate geht einfach in die Einrichtung, wo der Betrieb ohnehin läuft“, sagt Irene Jung. „Wenn sie einmal nicht können, reicht ein Anruf.“ Das einzige, was die Zeitpaten mitbringen müssen, ist ein erweitertes Führungszeugnis, das es für diesen Zweck kostenlos ausgestellt wird. Dieser Sicherheitsaspekt muss einfach gewährleistet sein. An einem Engagement interessierte Zeitpaten können sich an Irene Jung oder die Einrichtungen wenden.

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