Rolf Pause, Initiator des WA-Shantychor-Festivals, feiert seinen 80. Geburtstag

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Rolf Pause 80 liebt die Shanty-Musik, mit der Seefahrerei hat er allerdings nur wenig zu tun.

Bergkamen – Ein Unikat wird am Samstag 80 Jahre alt: Rolf Pause, Initiator und Moderator des WA-Shantychor-Festivals beim Hafenfest in der Marina Rünthe, feiert einen runden Geburtstag, den man ihm bei weitem nicht ansieht. Dabei blickt Pause auf ein bewegtes Leben voller Arbeit und Engagement zurück, zum Teil auch mit Reue.

„Meiner Familie habe ich Zeit gestohlen“, sagt Rolf Pause nachdenklich. An erster Stelle stand für ihn immer der Beruf, dann kam das Singen. Weil Pause ein Mann der Worte und Taten war, mischte er schnell in Chor-Vorständen und an deren Spitze mit, investierte viel Zeit und Energie in Chöre und Projekte. Vor allem bei der Gründung des Shantychors „Die blauen Jungs vom Kuhbachstrand“ im Jahr 1980 war Pause eine treibende Kraft und managte den Chor über Jahre. Er stielte auch die Fusion mit dem Shanty-Chor „Kömschen Bleier“ Kamen ein. Heute treten die Sänger als Shanty Chor MK Kamen/Bergkamen auf.

Eher eine Landratte

Dabei ist Rolf Pause selbst eine echte Landratte, wie er sagt. Als Schüler fuhr er bei einer Klassenfahrt mit der Wappen von Hamburg – und wurde seekrank. Später wagte der Nichtschwimmer, bei dem aller Schwimm-Unterricht nichts brachte, mit Sangesbrüdern im Plattboot über das Ijsselmeer – „das soll ja angeblich so ruhig sein“, sagt Pause und verdreht dabei die Augen.

Hat er jedoch festen Boden unter den Füßen, dann geht das Herz des Weddinghofeners für Meer, Shanty-Musik und Lebensgefühl der Seemänner auf. „Diese Art der Kameradschaft, wie sie auch in den Chören gepflegt wird, gefällt mir einfach“, sagt er – auch wenn seine Zeit in einem Shanty-Chor beendet ist.

Pauses direkte, oft bestimmende Art und das Herz, dass er stets auf der Zunge trägt, kamen nicht bei allen gut an. Pause zog sich zurück, und zieht nun eine zum Teil ernüchternde Bilanz. „Es gibt drei Phasen im Leben: Die Jugend, dann die des Schaffens, Raffens und der Familienbildung – und dann auf einmal mit 65 wird der Motor abgestellt und man sitzt ohne Arbeit zuhause und denkt über sein Leben nach. Dabei hätte ich nie gedacht, dass ich dabei einmal sentimental werden würde.“

Oft zu wenig Zeit für die Familie

Denn viel hat Pause im Leben abseits der Musik verpasst. „Es war nicht gut, meiner Frau und meinen Kindern so wenig Beachtung zu schenken“, sagt der Vater von zwei Töchtern und einem Sohn. Zeit, die sich nicht nachholen lässt, da seine Frau vor einigen Jahren verstarb. Auch vom Chor-Engagement blieb Pause kaum etwas – im September 2015 zog er sich komplett von der Chor-Musik zurück – außer, dass er noch immer Musikalischer Leiter, Cheforganisator und Moderator des WA-Shanty-Chor-Festivals ist.

Wenn er dort mit sonorer Stimme, viel unterhaltendem Seemannsgarn, vor allem aber Wissen um die Shanty-Musik durch das Programm führt, merkt niemand, dass Pause hier nur eine Rolle spielt.

Der Mann, der im heute polnischen Kolberg geboren wurde und im Alter von vier Jahren mit seiner Mutter vor dem Krieg über das Haff floh und im Ruhrgebiet landete, hatte nicht mal bei der Bundeswehr etwas mit der Marine zu tun. „Ich war im Versorgungsbataillon und bei den Sanitätern“, verrät der examinierte Krankenpfleger, ein „Fußlatscher“ gewesen zu sein. 

Die angestrebte Offizierslaufbahn brach er ab, versuchte sich als junger Vater in verschiedenen Berufen, bis sein Bruder, der sein Talent erkannte, ihm eine Stelle im Möbelhaus besorgte. Da war Pause in seinem Element und spezialisierte sich auf Stilmöbel. Selbst nach dem möglichen Renteneintritt blieb er, weil es ihm Spaß machte. Das macht ihm auch nach wie vor das Hafenfest mit dem Shanty-Chor-Festival. Ein- bis zweimal würde er das gerne noch machen, wenn die Corona-Situation es erlaubt.

Seinen heutigen runden Geburtstag feiert er nicht besonders, auch wenn natürlich Gratulanten kommen. „Aber mein Geburtstag“, so erklärt Pause, „liegt genau zwischen dem Todes- und dem Beerdigungstag meiner Frau. Da ist mir nicht nach Feiern zumute.“

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