Aleviten schaffen viel Platz für Begegnungen

+
Auf drei Etagen können sich die Aleviten demnächst treffen, versammeln und Seminare abhalten.

Bergkamen – Strahlend weiß leuchtet die Fassade an der Buchfinkenstraße. In den vergangenen Wochen und Monaten ist die neue Begegnungsstätte der Alevitischen Gemeinschaft Kreis Unna emporgewachsen, seit ein paar Tagen ist innen nun auch der Estrich trocken. Bis Ende des Jahres soll das rund zwei Millionen Euro teure Gebäude fertig sein. „Wenn wir gut sind“, sagt der 1. Vorsitzende Ismail Koc vorsichtig optimistisch.

Während die Trockenbauer und Elektriker im Inneren dafür sorgen, dass es weiter vorangeht und alles so langsam Struktur annimmt, führt Koc mit seinem Stellvertreter Dursun Karaman durch die drei knapp 2000 Quadratmeter – schon jetzt sichtlich mit Stolz erfüllt. „Wir haben viele soziale Projekte, aber wir hatten ja keine Räume“, sagt Koc. Ab 2006 hatte die Gemeinschaft das leer stehende Konsum-Gebäude genutzt, das nur über eine Etage verfügte.

Das Alevitische Zentrum an der Buchfinkenstraße in Bergkamen Baustellenbesichtigung

Das Alevitische Zentrum an der Buchfinkenstraße in Bergkamen Baustellenbesichtigung

"Wir haben unsere Türen geöffnet"

Jetzt wird viergeschossig gebaut. In der ersten Etage entstehen allein fünf Seminarräume zuzüglich der Büros für die organisatorischen Aufgaben. „Die kann jeder nutzen. Wir haben unsere Türen geöffnet“, lädt Koc auch Politik, Vereine und Bürger in die Begegnungsstätte ein. Das Gebäude bietet auch Übernachtungsmöglichkeiten für Dozenten, die eine längere Anreise haben.

Das Erdgeschoss wird fast vollständig von einem Konferenzraum eingenommen. Etwas kleiner liegt im Obergeschoss wiederum das religiöse Herz des Baus. Das Cem-Haus, in dem die Andachten und andere religiöse Handlungen vonstattengehen werden. Koc zeigt auf einen Kabelstrang, dass auf der Nordseite auf dem Boden ragt. „Ganz modern mit schnellem Internet“, erklärt der Vorsitzende der Glaubensgemeinschaft, die im Kreis Unna nach Angabe von Koc etwa 7000 Mitglieder zählt.

Zuschuss von der Wohlfahrtspflege

Im Keller wiederum sollen Jugend- und Sporträume sowie eine kleine Kantine zum Verweilen einladen. Richtig schön wird es allerdings erst möbliert. Zur Finanzierung hat die alevitische Gemeinschaft, die auch Mitglied im Paritätischen Wohlfahrtsverband ist, einen Zuschuss bei der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW beantragt, die diesen nun auch bewilligte. 83 000 Euro haben Koc und Co. für die Ausstattung erhalten. „Die andere Hälfte müssen wir bezahlen“, sagt der Vorsitzende. Alles wird behindertengerecht. Neben einem Fahrstuhl wird es auch auf jeder Etage eine Behindertentoilette geben.

„Die Zuschüsse der Stiftung Wohlfahrtspflege sind eine tolle Nachricht für Bergkamen. Die Fördermittel kommen genau dort an, wo ein echter Beitrag für die Unterstützung sozial benachteiligter Menschen geleistet wird“, meinte der SPD-Landtagsabgeordnete Rüdiger Weiß, der vor ein paar Tage ebenfalls den Rohbau besichtigte.

Die Begegnungsstätte nimmt Formen an. Im Cem-Haus im zweiten Obergeschoss, dem Gebetsraum der Aleviten, überprüfen Ismail Koc (links) und Dursun Karaman den Baufortschritt. Ende des Jahres könnte alles fertig sein.

Container verschwinden wegen Corona

Neben dem Gebäude wird in den nächsten Tagen übrigens Platz frei geräumt. Sieben Container, die die Gemeinschaft für die Übergangszeit angemietet hatte, werden wieder abgeholt. Der Grund sind die Schutzmaßnahmen im Rahmen der Corona-Krise. Wegen der Abstandsregelungen kann der Gebets- und Begegnungsraum nicht mehr genutzt werden. Die Aleviten sparen sich so eine knapp vierstellige Summe pro Monat.

Die Bauarbeiten am Buchfinkenweg hat die Krise seit der Grundsteinlegung nur unwesentlich verzögert. Probleme gab es bei der Lieferung von Materialien wie zum Beispiel Fenstern. Koc macht sich wenig Sorgen, was den weiteren Fortschritt betrifft. Dafür treiben ihn die Schutzmaßnahmen im Rahmen der Pandemie an anderer Stelle um.

Viele Besucher zur Eröffnung erwartet 

Ein solches Mammutprojekt will schließlich auch feierlich eröffnet werden. Das könnte in Corona-Zeiten schwierig werden, denn die Aleviten rechnen für diese Veranstaltung mit „ein paar 1000 Leuten“, so Koc. Der Vorsitzende hat in den kommenden Wochen noch Zeit, sich darüber den Kopf zu zerbrechen. Währenddessen wird der Ehrenamtler auf der Baustelle immer wieder nach dem Rechten sehen und den Bau beaufsichtigen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare