Zahlen für den Kreis Unna

Viele Reiserückkehrer mit Corona im Kreis Unna - Ein Land sticht heraus

Seit Beginn der zurückliegenden Sommerferien haben 43 Reiserückkehrer aus  der Türkei das Virus mitgebracht, aus Spanien (Bild) waren es 15.
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Seit Beginn der zurückliegenden Sommerferien haben 43 Reiserückkehrer aus der Türkei das Virus mitgebracht, aus Spanien (Bild) waren es 15.

Im Kreis Unna war zuletzt jeder vierte neue Corona-Fall auf Reiserückkehrer zurückzuführen. Der überwiegende Teil der Betroffenen reiste aus der Türkei ein, die mittlerweile als Hochrisikogebiet eingestuft wurde. Das geht aus einer Übersicht hervor, die die Kreisbehörde auf Bitten von wa.de erstellt hat.

Kreis Unna – Demnach sind in den Sommerferien insgesamt 392 Neuansteckungen registriert worden (Stand 17. August, 11 Uhr). 98 betrafen Menschen, die nach einem Urlaub oder einer Geschäftsreise wieder in eine der zehn Kreis-Kommunen zurückkehrten. Bei einem Großteil seien ganze Familien beziehungsweise gemeinsam Reisende betroffen, teilt der Kreis mit.

Aus der Türkei brachten seit Ferienbeginn 43 Personen das Virus mit; für Reisende von dort galt da noch keine zehntägige Quarantäne-Pflicht. 15 der neu Infizierten verbrachten ihre Zeit in Spanien. Bis zu vier infizierte Rückkehrer kamen jeweils aus Algerien, Griechenland, Russland, Bulgarien, Frankreich, Italien, Kasachstan, Kroatien, Polen, Niederlande, Libanon, Großbritannien, Marokko, Ägypten, Albanien, Kosovo und Serbien.

Hochrisikogebiete und Impfdurchbrüche

Russland und Ägypten etwa gelten schon seit Längerem als Hochrisikogebiete. Eine der Auflagen für Rückkehrer ist die digitale Einreiseanmeldung. Nicht in jedem Fall seien die Betroffenen dieser Auflage auch nachgekommen, heißt es beim Kreis. Wie hoch die Dunkelziffer sei, sei nicht zu beziffern.

Angesteckt haben sich im Urlaub sowohl Ältere als auch Jüngere. „Wir beobachten, dass alle Altersgruppen betroffen sind“, so der Kreis. Aus der Statistik des Landeszentrums Gesundheit geht hervor, dass es im Kreisgebiet zuletzt vor allem bei den 20- bis 39-Jährigen vergleichsweise viele Ansteckungen gab. Davor traf es mal verstärkt Menschen bis 19 Jahre, mal die 40- bis 59-Jährigen.

Auch Impfdurchbrüche verzeichnete der Kreis, also Fälle von Neuinfektionen bei bereits geimpften Menschen. Eine genaue Auswertung liege hier nicht vor, heißt es. Gewöhnlich verläuft eine Erkrankung bei Personen mit Impfschutz deutlich milder als bei Ungeimpften.

Erleichterung für Teenager-Impfung

Unterdessen gibt es Änderungen, nachdem das Impfzentrum für den Kreis auf die neuen Empfehlungen der Ständigen Impfkommission reagiert und das Impfangebot für Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ausgeweitet hat. Ein neuer Erlass des Landes lasse jetzt zu, dass nicht nur Kinder-, sondern auch Hausärzte die Impfwilligen aufklären dürften, heißt es. Zudem müsste nur noch die Einwilligung eines einzigen Sorgeberechtigten vorliegen.

Ab sofort können Kinder und Jugendliche ab zwölf Jahren ohne Termin zu den allgemeinen Öffnungszeiten des Impfzentrums (täglich von 8 bis 13 Uhr und von 14 bis 20 Uhr) eine Impfung erhalten. Wer das Gespräch mit einem Kinderarzt bevorzugt, dem stehen nach wie vor die Termine am Freitag und am Samstag ohne Anmeldung sowie sonntags mit Terminbuchung jeweils zwischen 14 und 18 Uhr zur Verfügung.

Keine Begleitung mehr nötig

Neu ist nach Auskunft des Kreises zudem, dass kein Sorgeberechtigter mehr den Impfling persönlich begleiten muss. Eine schriftliche Einverständniserklärung eines Erziehungsberechtigten sei ausreichend, der impfende Arzt bzw. die Ärztin habe sich lediglich von der Einsichtsfähigkeit der Minderjährigen zu vergewissern.

Für alle Impfwilligen besteht die Möglichkeit, sowohl ohne Termin zu kommen oder unter Telefon 0800/116117 und www.116117.de einen Termin zu buchen. Der letzte Einlass ins Impfzentrum ist der Terminvergabe entsprechend um 19.15 Uhr.

Inzidenz erstmals wieder über 35

Die Inzidenz im Kreis Unna liegt nach Angaben des Robert-Koch-Instituts bei 37,7 (Stand: 17. August, Vortag: 29,9) und hat somit erstmals wieder die 35 überschritten. Sollte der Kreis vier weitere Tage über diesem Schwellenwert liegen, würde er von der Inzidenzstufe 1 in 2 rutschen.

Zuvor aber, schon ab Freitag, tritt die neue Corona-Schutzverordnung in Kraft, nach der die 35er-Inzidenz einzige Kennziffer ist. Weil diese Marke landesweit längst überschritten ist, gibt es ohnehin neue Corona-Auflagen, etwa die 3G-Regel für den Besuch der Innengastronomie. Beim Wechsel des Kreises von Stufe 0 auf 1 am 5. August hatte es noch einmal strengere Vorgaben gegeben, nachdem das Land bereits „vorgelegt“ hatte.

„Ansteckungen meist im privaten Bereich“

Dass die Corona-Schutzverordnung gelockert und durch den Wegfall von Inzidenzstufen vereinfacht wird, komme vor allem Bewohnern zugute, die nahe an der Kreisgrenze lebten und diese regelmäßig überschreiten würden, meint Kreissprecher Max Rolke. Künftig gelte hüben wie drüben das Gleiche, das sei leicht zu verstehen.

In der Kontaktverfolgung beim Kreis arbeiten aktuell 33 Kräfte, laut Rolke wird je nach Bedarf aufgestockt oder abgespeckt. Dass mit der neuen Schutzverordnung Restaurants und Gaststätten keine Gäste-Daten mehr zur Rückverfolgung erheben müssen, werde kaum Auswirkungen auf die Arbeit haben, sagt Rolke. „Ansteckungen gibt es zumeist im privaten Bereich.“

Derweil bereitet sich der Kreis auf die Einrichtung einer Koordinierungsstelle vor, die nach geplanter Schließung aller Impfzentren in NRW Ende September weitere Impfangebote wie etwa Auffrischungsimpfungen organisieren soll. Wie diese Stelle ausgestattet sein soll, dazu habe das Land aber noch keine Vorgaben gemacht, berichtet Rolke: „Auf diese warten wir noch.“

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