Prozess in Bergkamen

86mal um Urlaub betrogen: Nur der Strohmann bestraft

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Bergkamen/Dortmund – Drei Jahre nach einer Aufsehen erregenden Betrugsserie um ein Bergkamener Reisebüro wurde mit einem milden Urteil endgültig der juristische Schlussstrich unter die betrügerischen Machenschaften eines Tatbeteiligten gezogen.

Wegen Betrugs und Untreue in 86 Fällen wurde ein mittlerweile 38-jähriger Türke zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und zehn Monaten sowie einer Geldbuße von 1200 Euro verurteilt. 

Die Dortmunder Berufungsrichter milderten damit das erstinstanzliche Urteil des Amtsgerichts Unna deutlich ab – hier war der geständige Angeklagte im August vergangenen Jahres zu einer Gefängnisstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten verurteilt worden. Zusammen mit einem mit Haftbefehl gesuchten und für die Justiz offenbar nicht greifbaren Komplizen hatte er in dem Bergkamener Reisebüro überwiegend Landsleute um ihre Reisekosten geprellt.

Auffällig günstiger Preis - doch keine Buchung

Die ahnungslosen Kunden zahlten den auffällig günstigen Preis für eine Flugreise und erhielten als letztlich völlig wertlosen Buchungsbeleg einen Computerausdruck. Oftmals erst auf dem Flughafen mussten die geprellten Urlauber feststellen, dass beim Reiseveranstalter überhaupt keine Flugreise gebucht worden war – die Betrugsopfer mussten auf dem Absatz umkehren und direkt wieder die Heimreise antreten oder auf eigene Kosten neu buchen. 

Strohmann für ähnliche Tatserie

Für die Richter beider Instanzen steht fest, dass der flüchtige Komplize der eigentliche Ideengeber der Betrugsserie war. Nachdem er wegen ähnlicher Machenschaften im Rheinland insolvent geworden war, brauchte er einen Strohmann für eine ähnliche Tatserie. Von den ursprünglich von den Kunden erbeuteten 156.000 Euro finanzierten sich Beide teure Mietwagen und einen aufwendigen Lebensstil. Die Berufungsrichter reduzierten die Schadenshöhe und die Anzahl der Betrugstaten, weil mit den erbeuteten Geldern nach dem Schneeballsystem tatsächlich auch einige Reisen bezahlt und später auch einzelne Opfer entschädigt worden waren. 

Trotzdem sitzt der nun rechtskräftig verurteilte Betrüger auf einem Berg von Schulden. Da sein Hintermann für die Justiz nicht greifbar ist, bleibt er auf dem errechneten Gesamtschaden von rund 90.000 Euro sitzen. Sichtlich reuig und zerknirscht erklärte er zum Ende der Berufungsverhandlung: „Ich hatte Zeit, über das, was ich gemacht habe, nachzudenken. Ich habe meine Fehler erkannt und bedaure sie außerordentlich!“

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