Auf dem Segelboot „Blue Horizon“

Quarantäne auf zehn Quadratmetern: Junge Weltumsegler infizierten sich mit dem Coronavirus

Wohnen auf engem Raum: Nur zehn Quadratmeter haben Jonas Manke, Leonie Maßmann und Thilo Ernst auf ihrem Segelboot Platz.
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Wohnen auf engem Raum: Nur zehn Quadratmeter haben Jonas Manke, Leonie Maßmann und Thilo Ernst auf ihrem Segelboot Platz.

Das Abenteuer ihres Lebens: Drei junge Kamener segeln aktuell um die Welt. In Lagos ist das Trio an Covid-19 erkrankt. Seit Tagen sind sie in Quarantäne - und das etwa 2500 Kilometer von Zuhause entfernt.

Kamen/Lagos – Mit ihrem Segelboot „Blue Horizon“ sind Leonie Maßmann, Jonas Manke und Thilo Ernst im August in See gestochen. Ihr Ziel: Eine Weltreise. Delfine begleiteten die Drei, Orcas griffen ihr Boot an und immer wehte der Wind durch ihre Haare. Vor knapp einer Woche wurde ihre Reise jäh gestoppt. (News zum Coronavirus im Kreis Unna)

Statt rauer Wellen oder wunderschöner Sonnenuntergänge ist ihr Horizont seit drei Wochen der Gleiche. Ihr Boot liegt in Lagos, Portugal, vor Anker. Die Weiterreise war bis heute untersagt, die drei Kamener mit dem Coronavirus infiziert. „Wir waren hier einmal in einer Bar mit relativ vielen Leuten“, sagte Jonas und verdeutlichte: „Wir haben uns aber an alle Regeln gehalten.“ Die Kontaktbeschränkungen seien in Portugal lockerer als in Deutschland. „Wir sind nicht sicher, aber es kann sein, dass wir uns dabei angesteckt haben“, so der Kamener.

Unterschiedliche Symptome

Der Verdacht auf Corona: Ein Zufall. „Eine Freundin ist drei Wochen mit uns gesegelt und als sie zurück nach Deutschland wollte, musste sie sich testen lassen“, erklärte Jonas. Der Test sei positiv ausgefallen. Thilo und Leonie ließen sich ebenfalls testen. Auch Jonas zog einige Tage später nach. Das Ergebnis: positiv. „Das war ein Schock für uns“, sagte die 22-jährige Leonie. Seit über einer Woche leben die drei in Quarantäne – auf zehn Quadratmetern. Statt blauer Wassermassen umgab der Alltag der Marina ihr Boot.

„Wir hatten ganz unterschiedliche Symptome“, sagte Jonas. Seine Erkrankung sei wie ein Schnupfen verlaufen. Leonie hingegen musste mit Fieber, Gelenk- und Kopfschmerzen im Bett bleiben. Thilo zeigte keine Symptome.

Mit Blau übers Blau: Das Segelboot „Blue Horizon“ trägt die jungen Erwachsenen während ihrer Weltreise von Hafen zu Hafen.

Gut versorgt während der Corona-Quarantäne

Nach einigen Tagen fühlten sich die Kamener wieder fit. Helfer des Gesundheitsamtes brachten Lebens- und Haushaltsmittel vorbei. „Auch wenn da – typisch Portugal – fast nur Fleisch und Fisch dabei war“, sagte Jonas und lachte. Die drei fühlten sich gut versorgt. Täglich rief eine Ärztin an und fragte, wie sie sich fühlten. „Und unser Boot hat gute Voraussetzungen für eine spontane Quarantäne“, erklärte Jonas und schmunzelte.

Strikte Regeln bestimmten ihren Alltag. Die drei jungen Segler durften ihr Boot nicht verlassen. Mehrmals am Tag kontrollierte die Polizei, ob die Weltenbummler noch an Bord waren. Viel Komfort ging verloren. Statt eines Waschraums an Land musste ein Gartenschlauch an Bord genügen.

So nah und doch so fern: „Wir liegen hier in der Marina und sehen nebenan immer Menschen in Restaurants oder auf der Straße“, sagte der 22-jährige Thilo. Die Freiheit tun und lassen zu können, was sie wollen: Ein Luxus, der dem Trio fehlte. „Es ist ein Unterschied, ob ich mich dazu entscheide, tagelang mit dem Boot auf See zu verbringen oder ob ich plötzlich eingesperrt bin und nichts dagegen tun kann“, sagte Leonie und ergänzte: „Jeden Abend wünsche ich allen Menschen, die auf irgendeine Art und Weise unter dieser Situation leiden, viel Kraft und Mut.“ Ihre Quarantäne nuzten die jungen Kamener sinnvoll.

Zeit während Corona-Quarantäne sinnvoll genutzt

„Es standen einige Arbeiten am Boot an“, so Thilo. Unter anderem bauten die Drei einen Autopiloten ein. „Jetzt muss nicht jede Nacht jemand ans Steuer“, erklärte Jonas. Nebenbei schnitten sie viele YouTube-Videos für ihre Abonnenten und schrieben an Internet-Blogs. „Eigentlich kam uns die Quarantäne gerade recht, denn sonst hätten wir uns garantiert nicht um diese Arbeiten gekümmert“, sagte Jonas lachend.

Endlich wieder auf freiem Fuß: Am Freitag endete ihre Quarantäne. Sobald der passende Wind weht, soll es dann weitergehen zu den Kanarischen Inseln. Das Abenteuer der Drei, es zählt ein Kapitel mehr.

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