Lernen in den Ferien

Bergkamener Schüler holen pandemiebedingt Versäumtes nach

Extrazeit zum Lernen an der Sonnenschule in Beckum
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An vielen Schulen in NRW wird den Ferien gelernt. Bergkamen hat dazu ein eigenes Programm aufgestellt.

Sechseinhalb Wochen dauern die Sommerferien. Genug Zeit für die Kinder und Jugendlichen, möglichst jeden Gedanken an die Schule beiseitezuschieben. Weil aber durch die Corona-Pandemie vieles zu kurz gekommen ist, kommen nun etliche Bergkamener Schüler dennoch freiwillig in die Schulen. Sie wollen Stoff nachzuholen und besser vorbereitet ins nächste Schuljahr gehen.

Bergkamen - So wenig Unterricht wie in den vergangenen 16 Monaten hatten sie schließlich noch nie. Die Osterferien 2020 wurden erst vorgezogen und dann auch noch verlängert. Ähnlich war es später bei den Weihnachtsferien. Dazwischen und danach gab es mal Präsenz-, mal Distanz- und mal Wechselunterricht – bis zu den diesjährigen Sommerferien. Manche Klassen mussten in Quarantäne, einige Schüler waren selbst von einer Infektion betroffen. Klar, dass bei all dem Lernlücken entstanden sind. Und während einige Mädchen und Jungen Versäumtes sehr gut allein zu Hause aufgeholt haben, fiel es anderen schwer, sich den Stoff anzueignen.

Das Land NRW möchte ihnen helfen. Bis zu 60 Millionen Euro stellt es bis August kommenden Jahres für außerschulische Lernangebote zur Verfügung. Extrazeit zum Lernen heißt das Programm. Die Förderrichtlinien sind allerdings nicht ganz so einfach und schon gar nicht kurzfristig umzusetzen. Die Kommunen müssen die Angebote organisieren, koordinieren und vor allem genügend Lehrkräfte engagieren. Zudem müssen sie 20 Prozent der Kosten aus eigener Kasse zahlen.

Schulen informieren Schüler und Eltern

Die meisten Lehrer stehen trotz der zusätzlichen Ferien im vergangenen Jahr nicht zur Verfügung. Dennoch müssen sich auch die Schulen auf die Extrazeit vorbereiten. Sie sollen die Schüler und Eltern auf die Angebote aufmerksam machen, Anmeldungen aufnehmen, passende Gruppen bilden und festlegen, welche Themen vorzugsweise in den Ferien nachgearbeitet werden sollen. Die müssen dann mit den Dozenten abgestimmt werden.

Die Stadt Bergkamen hat sich am Ende erst mal gegen einen Förderantrag entschieden und stattdessen selbst ein „Qualitätsangebot“ auf die Beine gestellt, wie es Andreas Kray nennt. „Die Bedingungen für die Förderung passten nicht“, erklärt der Schulamtsleiter der Stadt.

Gemeinsam mit den Grundschulen und den Offenen Ganztagsschulen (OGS) hat die Verwaltung als Schulträgerin ein Konzept erarbeitet, das den Mädchen und Jungen zusätzliches Lernen in den Ferien ermöglicht. „Bis auf die Preinschule sind alle Bergkamener Grundschulen mit dabei“, berichtet Kray.

Jeweils zwei Wochen lang – parallel zur Betreuung durch die OGS an den Schulen – werden dort elementare Kenntnisse in den Bereichen Schreiben, Lesen und Rechnen vermittelt. „Aber auf spielerische Weise“, macht er deutlich. Die Kinder sollen zwar Wichtiges lernen, ihre Ferien aber dennoch genießen. Schließlich liegt hinter ihnen ebenfalls eine anstrengende und fordernde Zeit. Angemeldet werden konnten alle Erst- bis Viertklässler für das Angebot, unabhängig davon, ob die Kinder auch sonst die OGS besuchen. Dass das zusätzliche Lernen während der OGS-Öffnung stattfindet, hat praktische Gründe: Die Hausmeister müssen die Schulen nicht extra aufschließen, die Reinigungskräfte sind ohnehin im Haus.

Angebot bei der VHS

Unterrichtet werden die Grundschüler jeweils drei Stunden am Vormittag von Lehrern, die sich dafür freiwillig gemeldet haben, von Referendaren, Lehramtsstudenten aus den höheren Semestern oder Vertretungslehrern. Die Kosten, die nun komplett die Stadt Bergkamen trägt, werden über die Volkshochschule abgerechnet. Die hat entsprechende Honorarvereinbarungen mit den Lehrkräften getroffen, erläutert Kray.

Ähnliches gilt für die älteren Schüler in der Sekundarstufe eins. Für sie begann vor rund einer Woche ein zweiwöchiger Deutschkursus an der VHS. Der ist vor allem für diejenigen gedacht, für die Deutsch nicht die Muttersprache ist und die noch Schwierigkeiten damit haben. An dem Kursus nehmen Schülerinnen und Schüler von allen weiterführenden Schulen in der Stadt teil, von den Realschulen, der Gesamtschule und dem Städtischen Gymnasium.

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