Spaziergang gegen Straßenbau

"Protest"-Feuer brennt noch: Überraschendes im Widerstand gegen L821n

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Spaziergang mit politischem Zweck: Die Protestierenden der Bürgerinitivative „L821n NEIN“ geben nicht auf – 3049 Unterschriften haben sie bereits gesammelt.

Bergkamen – Bei den Rodungsarbeiten für die Trasse der geplanten Umgehungsstraße L821n im Frühjahr hatten sie nur zusehen können: Trotzdem geben die Protestler der Bergkamener Bürgerinitiative „L821n NEIN“ nicht auf.

Nach zweiwöchiger Pause versammelten sich am Sonntag rund 60 der Protestierenden zu einem Oster-Protestspaziergang.

Mit Blick auf die anstehende Stadtratssitzung am 6. Juni zeigten sich die Demonstranten rund um BI-Sprecher Rolf Humbach siegessicher. Im März hatten sie einen Bürgerantrag mit insgesamt 3049 Unterschriften an Bürgermeister Roland Schäfer übergeben. „Dieser Antrag wird ein zentraler Punkt der Ratssitzung sein – und ich denke, es wird eine faustdicke Überraschung geben“, kündigte Humbach an. Mehr dürfe er zu diesem Zeitpunkt noch nicht verraten. „Aber Verkehrsminister Wüst hat bekanntlich versprochen, dass die Umgehungsstraße nicht gebaut wird, wenn sich die politische Mehrheit in Bergkamen dagegen ausspricht.“ 

Bauarbeiten müssten auf unbestimmte Zeit verschoben werden

Abgesehen davon müssten die Bauarbeiten für die L821n ohnehin auf unbestimmte Zeit verschoben werden. Im Juli diesen Jahres werde am Kuhbach sicher noch nichts passieren. Der Grund: Nicht alle Flächen im ersten Bauabschnitt an der Lünener Straße gehören Straßen.NRW.

„Zwei Eigentümer stehen dem Bauvorhaben noch im Weg“, so Humbach. Einer davon sei der Bergkamener Landwirt Friedrich Mertin. Mitten in seiner jetzigen Apfelplantage soll eben jener Kreisverkehr entstehen, der die Lünener Straße und die L821n später verbinden wird. „Dagegen will er sich gemeinsam mit uns zur Wehr setzen. Mertin hat bereits das Mandat an unseren Rechtsanwalt übertragen.“ Straßen.NRW werde nicht damit durchkommen, die jetzigen Pächter mit sogenannten Bauerlaubnisverträgen unter Druck zu setzen.

Unterstützung für den Protest bekam die Bürgerinitative um Sprecher Rolf Humbach (links) von Grünen-Bundestagsabgeordneten Friedrich Ostendorff (rechts).

Ermutigende Worte zu Ostern fand auch Diakon Michael Wolf aus Oberaden. Er war dieses Mal als eine Art „Sonderredner“ zum Protest-Spaziergang entlang der 1,8 Kilometer langen L821n-Route eingeladen. „Die Kirche soll sich zu Recht aus politischen Angelegenheiten heraushalten“, befand der Geistliche, „aber gerade die Osterzeit lehrt uns, auf- und für unsere Interessen einzustehen.“ Nicht immer werde Gott es schon richten. „Manchmal müssen wir auch selber aktiv werden.“

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Dass sie bereit sind, weiter für ihr Vorhaben zu kämpfen, bewiesen die Demonstranten bereits allein durch ihre Anwesenheit an Ostersonntag. Teilweise mit Kinderwagen marschierten sie gemeinsam über die Felder; viele trugen Banner, Schilder oder Warnwesten. „L821n Nein“ oder „Stoppt den Wahnsinn“ stand auf diesen. 

Nächste Ratssitzung im Juni

Ein nächster Protest-Spaziergang sei jedoch erst einmal nicht geplant, so Bürgerinitiativen-Sprecher Gerhard Dastig. „Am ersten Mai werden wir aber bei der Kundgebung des IG BCE-Regionalforums an der Römerberg-Sporthalle präsent sein und ebenso donnerstags auf den Wochenmärkten.“ Bis zur Ratssitzung im Juni gelte es nun vor allem, „das Protest-Feuer nicht erlöschen zu lassen.“

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