Startschuss nach den Sommerferien

Projektkurs am Städtischen Gymnasium plant antifaschistischen Stadtführer

Stadtführer Udo Nüsken, Lehrer Jan Groesdonk, die scheidende Schulleiterin Bärbel Heidenreich und Arne Vogt vom Streetwork (von links) wollen die Schüler bei ihrer Projektarbeit unterstützen.
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Stadtführer Udo Nüsken, Lehrer Jan Groesdonk, die scheidende Schulleiterin Bärbel Heidenreich und Arne Vogt vom Streetwork (von links) wollen die Schüler bei ihrer Projektarbeit unterstützen.

Elf Schüler des Städtischen Gymnasiums werden einen antifaschistischen Stadtführer entwickeln. Unter dem Titel „Erinnern. Ermutigen. Handeln.“ widmen die Schüler sich dem Nationalsozialismus in Bergkamen. Der Startschuss für den Projektkurs fällt nach den Sommerferien.

Bergkamen - Ein Schuljahr lang haben die elf geschichtsinteressierten Jugendlichen dann Zeit, sich intensiv mit der nationalsozialistischen Zeit in Bergkamen auseinanderzusetzen. Am Ende soll ein Werk entstanden sein, das Neugierige zu vielen geschichtsträchtigen Orten leitet. „Verteilt im Stadtgebiet werden wir QR-Codes anbringen, über die Interessierte weitere Informationen zu den verschiedenen Punkten in der Stadt bekommen“, kündigt Lehrer Jan Groesdonk an.

Der Stadtführer soll die Einwohner und Besucher der Stadt aber nicht nur unterwegs mit Informationen versorgen, sondern auch von daheim aus nutzbar sein. „Wir planen es in der Art von Google Maps“, erklärt der Pädagoge. Die Schüler werden die unterschiedlichen Orte innerhalb der Stadt auf einer Karte eintragen und mit Infos versehen, sodass Geschichtsinteressierte sich ihre eigenen Stadttouren zusammenstellen können – und das nicht nur nach geografischer Lage, sondern auch nach Themengebieten sortiert.

Stadtführer als Ansprechpartner

So sei beispielsweise eine Tour zum Thema Zwangsarbeit angedacht, die dann unter anderem zum Ehrenfriedhof in Bergkamen-Mitte führen wird. Dass rund 3500 Zwangsarbeiter in Bergkamen unter menschenunwürdigen Bedingungen arbeiten und leben mussten, können die elf Schüler, die den Projektkurs gewählt habe, unter anderem von Udo Nüsken erfahren. Er hat in akribischer Vorarbeit eine Stadtführung zum Nationalsozialismus in Bergkamen erarbeitet, die er im vergangenen Jahr erstmalig anbot. Eine der Führungen gab es für Groesdonk und einen Pädagogik-Leistungskurs, der sich mit der Erziehung in der NS-Zeit beschäftigte. „Dabei sind wir ins Gespräch gekommen und haben die Idee für das Projekt gehabt“, erzählt der Lehrer. Auch jetzt möchte Nüsken den Schülern mit seinem Wissen zur Seite stehen. „Ich kann jederzeit dazukommen, wenn Fragen aufkommen“, verspricht er.

Recherchen auch im Stadtarchiv

Den Großteil der Inhalte des antifaschistischen Stadtführers sollen die Elftklässler aber natürlich selbst erarbeiten. Dabei bekommen sie auch Unterstützung von der Stadt. „Die Schüler können für ihre Recherche zum Beispiel das städtische Archiv nutzen“, sagt Groesdonk. Dabei sollen sie sich nicht nur auf die Zeit von der Machtergreifung der Nazis bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs beschränken, sondern darüber hinaus gehen. „Wir starten im Jahr 1918 und arbeiten den Weg in den Nationalsozialismus auf“, kündigt der Pädagoge an. Auch das, was nach dem Zweiten Weltkrieg geschehen ist und der „moderne“ Nationalsozialismus sollen in dem Projekt eine Rolle spielen.

Neben Nüsken hat die Schule weitere Helfer ins Boot geholt. Ein Grafik- und Webdesigner hilft bei der optischen Umsetzung des Projekts, für das die Schüler Noten bekommen, die in die Abiturnote einfließen. Mit dabei sind auch ein Rechtsextremismusforscher und ein Historiker, die ein Auge auf die Arbeiten der Schüler haben, damit sich keine Fehler in den Stadtführer mogeln können. „Dafür ist das Thema einfach zu sensibel“, betont Groesdonk.

Beiträge erwünscht: Auch die Bergkamener können den Schülern beim Erstellen des Stadtführers helfen. Wer beispielsweise noch alte Fotos aus der NS-Zeit hat oder Geschichten oder Erzählungen beisteuern kann, kann mit dem Städtischen Gymnasium Kontakt aufnehmen. Möglich ist das über das Sekretariat des Städtischen Gymnasiums, Telefonnummer 0 23 07/96 44 40 oder per E-Mail an Erinnern.Ermutigen.Handeln@gmx.de.

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