Weniger Straftaten

Probleme mit Trickbetrügern trüben positive Jahresbilanz der Polizei im Kreis Unna

Polizei Kreis Unna
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Die Präsentation der Kriminalitätsstatistik übernahmen Kriminaldirektor Christoph Strickmann, Leiter Direktion Kriminalität, Landrat Michael Löhr und Peter Schwab, Leiter der Abteilung Polizei (von links).

So niedrig wie seit Jahren nicht mehr sind die Zahlen der Kriminalitätsstatistik des Kreises Unna für das vergangene Jahr, und mehr als jede zweite Straftat wird dabei aufgeklärt. Grund zur Freude bei der Kreispolizeibehörde Unna, die die Jahresbilanz am Montag im Rahmen einer Pressekonferenz vorstellte.

Kreis Unna - Im Kreis Unna lebe man sicherer als im Landesdurchschnitt und in vergleichbaren Kreisen, bilanzierte der Leiter der Direktion Kriminalität, Christoph Strickmann.

Weniger Straftaten

Der Kriminelle im Kreis Unna ist meist immer erwachsen, männlich – und deutscher Staatsbürger. Rund dreiviertel aller Straftaten fallen auf Menschen mit dieser Beschreibung zu. Insgesamt gab es im Kreis Unna im vergangenen Jahr 16 610 Straftaten (2019: 17063). „Viel weniger geht nicht“, sagt der Leiter der Direktion Kriminalität, Christoph Strickmann. Denn wo Menschen zusammenlebten, gäbe es immer ein kriminelles Potenzial. 8638 Fälle und damit 52 Prozent wurden 2020 auch aufgeklärt (2019: 8861 Fälle und 51,93 Prozent).

Folgen von Corona

Die Corona-Pandemie färbte die Statistik an einigen Stellen deutlich: So mangelte es den Tätern an Gelegenheiten, weshalb vor allem Raubdelikte (- 40) zurückgingen, aber auch Körperverletzungen (-72) und Diebstähle (-255). Doch Täter, die auf Einkommen über Straftaten angewiesen sind, suchten sich andere Bereiche: Zugenommen haben Straftaten im Bereich Betrug (+ 225), Taschendiebstahl (+ 95) – und vor allem Internetkriminalität.

Viele Betrugsversuche

Einzelne Bereiche bereiten noch Kopfzerbrechen. Darunter vor allem die Straftaten zum Nachteil älterer Menschen, sprich Enkeltrick-Betrug oder Betrügereien durch falsche Polizisten. Zwar bleibt es hier in 92,79 Prozent der gemeldeten Fälle beim Versuch. Die Leute bemerkten den Betrug, legten den Hörer auf und informierten die Polizei. Doch zum einen ist unklar, wie hoch die Dunkelziffer ist, zum anderen ist die Schadenshöhe bei den verbleibenden 7,21 Prozent exorbitant. Mehr als 950 000 Euro und damit eine knappe Million Euro erbeuteten die Täter im vergangenen Jahr allein im Kreis Unna. Und die Aufklärungsquote liegt bei 1,52 Prozent, weil es sich um überörtlich handelnde Täter handelt, die meist im Ausland sitzen.

Neue Strategie

Die Kreispolizeibehörde Unna hat daher vor einem Jahr ihre Behördenstrategie verändert und setzt die vorhandenen Kräfte nun verstärkt ein, um gegen solche Betrugsmaschen vorzugehen. Zum einen in der Prävention, sprich Aufklärung und Warnung vor solchen Maschen, zum anderen aber auch in der Fallbetreuung. Dazu wird das vorhandene Personal entsprechend eingesetzt. „Wenn also jemand angerufen wurde und dann die 110 wählt, dann kommt sofort jemand heraus und betreut die Leute. Nicht der Streifenwagen erst dann, wenn der Verkehrsunfall abgewickelt ist“, erklärt Schwab das Prozedere.

Bönen mit geringer Kriminalitätsrate

Bönen zählt noch immer zu den Städten des Kreises Unna mit der geringsten Gesamtkriminalität. Die Wahrscheinlichkeit, hier Opfer einer Straftat zu werden, liegt bei 4 Prozent. Die Gemeinde liegt damit gleich auf mit Holzwickede (4 Prozent) und Fröndenberg (5 Prozent). Bergkamen und Kamen liegen zum Vergleich bei 15 bzw. 16 Prozent. Dennoch steigt in Bönen die Gesamtzahl der Straftaten: von 586 im Jahr 2019 auf 680 im vergangenen Jahr. Immerhin konnte mehr als die Hälfte der Fälle aufgeklärt werden. Zehn Straftaten gab es gegen die sexuelle Selbstbestimmung, Exhibitionistische Handlungen wurden zweimal gemeldet, mit fünf Raubdelikten gab es eins mehr als im Jahr 2019. Gestiegen ist die Zahl der Diebstahlsdelikte von 202 auf 284. Konstant bleibt die Zahl der Betrugsfälle, die Straßenkriminalität stieg jedoch von 142 Fällen auf 165. 28 davon konnten aufgeklärt werden.

Bislang hatte die Schwerpunktarbeit der Kreispolizei auf Wohnungseinbrüchen gelegen – und die hatte Erfolg. Weniger als einen Einbruch pro Tag hat es im vergangenen Jahr im gesamten Kreis Unna gegeben. Solch eine überschaubare Zahl kann vom zuständigen Fachbereich allein bearbeitet werden. Die gesamte Behörde kann sich daher getrost dem nächsten Schwerpunktthema widmen: den Verbrechen zum Nachteil älterer Menschen. „Ein Grund dafür ist für mich die hohe Sozialschädlichkeit“, erklärte der Leitende Kriminaldirektor Peter Schwab. „Da geht es nicht nur um finanziellen Schaden. Da verlieren Menschen oft auch ihren Lebensmut, weil sie sich um ihr Lebenswerk gebracht sehen“, sagte Schwab. „Und die Opfer schämen sich zudem vor der eigenen Familie, darauf hereingefallen zu sein.“ Doch die Täter gingen so hochprofessionell ans Werk, setzten ihre Opfer so sehr unter Druck, dass diese gar nicht anders könnten.

Bergkamen gegen den Trend

In Bergkamen gab es im Jahr 2020 insgesamt 2432 Straftaten – und damit 107 Taten mehr als im Vorjahr. Eine plausible Erklärung, warum es hier gegen den Trend geht, hat Kriminaldirektor Christoph Strickmann nicht. Vor allem gab es Zunahmen im Bereich Verbreitung pornografischer Schriften (17 Fälle), Zwangsheirat, Stalking und Freiheitsberaubung (117 Fälle) und Diebstahl (834 Fälle). Auch Vermögens- und Fälschungsdelikte nahmen zu (+62 auf 484 Fälle) und Betrugsfälle (398 Fälle, 334 in 2019). Rauschgiftdelikte und Straßenkriminalität wurden ebenfalls häufiger registriert. Die Gewaltkriminalität nahm jedoch ab (-15 Fälle). Die Statistik für 2020 weist zudem keine Straftaten gegen das Leben aus.

Die Polizei setzt daher auf eine doppelte Strategie: Zum einen warnt sie vor den Maschen der Betrüger und sensibilisiert die Bankhäuser, zum anderen will man die Täter fassen. Doch Schwab warnt davor, zum Hobby-Ermittler zu werden. „Auflegen und die Polizei rufen, das ist das einzig Richtige“, appelliert Schwab. Vor allem das Auflegen sei wichtig. „Wenn 100 Prozent der Angerufenen das tun, haben die Täter keinen Erfolg.“

Denn bei aller Täterjagd ist der Polizei am wichtigsten, dass es den Betroffenen gut geht und ihr Geld sicher ist. „Das ist mehr wert als jeder gefasste Täter“, sagt Schwab. Doch wer Anrufe erhalte, sollte in jedem Fall die Polizei verständigen, damit diese über die Telefonnummern Ermittlungsansätze bekomme.

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