Prozess gegen Post-Mitarbeiter

Post-Skandal: Briefe nicht ausgeteilt und geöffnet - das erwartet den Postboten und seinen Komplizen

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Über 60 Kisten mit Briefen wurden im Januar 2019 in einer Garage an der Jahnstraße in Oberaden gefunden. Der Post-Mitarbeiter, der diese Kisten gehortet hatte, wurde nun in Abwesenheit verurteilt.

Scheinbar spurlos verschwundene Post sorgte in Bergkamen und Umgebung im vergangenen Jahr für Aufsehen und Unmut. Weniger spektakulär fiel nun der Prozess gegen den Post-Mitarbeiter, der kistenweise Briefsendungen bei sich „einlagerte“, und einen Freund, der Umschläge öffnete, aus. Dennoch wird es für einen von ihnen teuer.

Unna/Bergkamen – Die Aufregung war verständlicher Weise groß, als zwischen Anfang Oktober 2018 und Ende Januar 2019 in Bergkamen und Lüdinghausen vermehrt Briefe nicht ankamen. Für ihre Zustellung war ein 27-jähriger Bergkamener zuständig.

Er, so ist es in der Anklageschrift formuliert, war überfordert. Aus diesem Grund landeten in den typischen gelben Plastikboxen Sendungen, die er dann in zwei Garagen und in einem Geräteschuppen im Bereich der Jahnstraße lagerte. Dort wurden sie schließlich entdeckt. Bis dahin allerdings öffnete der Freund des Postboten, ein 30-Jähriger aus Bergkamen, in 30 Fällen Umschläge. Ihm wurde daraufhin Verletzung des Postgeheimnisses zur Last gelegt. Seinem Kumpel, der die Briefe nicht austeilte, wurde Unterschlagung vorgeworfen.

Angeklagter geständig, aber nicht anwesend

Das Schöffengericht in Unna befasste sich nun mit dem Fall. Allerdings saß auf der Anklagebank lediglich der 30-Jährige, der die Briefe geöffnet hatte. Sein Verfahren wurde schließlich mit Blick auf ein leeres Strafregister und die Tatsache, dass ihm lediglich Neugier und keine Diebstahlsabsicht unterstellt werden konnte, ohne Auflagen eingestellt.

Der ehemalige Postbote, mittlerweile nach Ostdeutschland verzogen, erschien nicht zum Termin, obgleich er seine Schuld offenbar bereits im Vorfeld der Verhandlung eingeräumt hatte. In seinem Fall erging ein Strafbefehl. Konkret wurde der 27-jährige Mann mit zwei Vorstrafen wegen Betrugs und Verstoßes gegen das Waffengesetz in Abwesenheit zu 2000 Euro Geldstrafe verurteilt.

Teile des Inhalts fehlen

Damit endete ein Fall, der vor allem bei Betroffenen für große Empörung sorgte. Zwar wurden die gelagerten Sendungen nach dem Fund noch mit einem Begleitschreiben der Post nachträglich zugestellt. Dennoch beklagte ein Teil der Betroffenen, dass nicht immer der komplette Inhalt der Briefe wieder aufgetaucht war.

Die Post wollte sich auf Anfrage zu dem konkreten Fall gestern nicht mehr äußern. Generell habe das Unternehmen aber Mechanismen und eine Security-Abteilung, die solche Fälle verhindern sollen. Hunderprozentige Sicherheit gebe es aber nicht. „Wir sind ein Querschnitt der Gesellschaft und vor krimineller Energie auch nicht gefeit“, erklärte Pressesprecher Rainer Ernzer.

Gewöhnliche Sendungen nicht versichtert

Wenn Briefe verschwinden, lägen aber meist andere Gründe wie fehlende Nachsendeaufträge vor. Der Anteil von kriminellen Vorgängen sei verschwindend gering. Wenn es doch zu Vorfällen wie in Bergkamen komme, würden den entsprechenden Mitarbeitern sofort gekündigt und Anzeige erstattet. Dies geschah auch nach dem Fund der Briefkisten in Bergkamen.

Zu möglichen Regressforderungen von Bergkamener Kunden wollte sich Ernzer nicht äußern, verwies aber darauf, dass gewöhnliche Sendungen nun einmal nicht versichert seien. Betroffene hatten auch kritisiert, dass die Post ihnen lediglich Briefmarken angeboten habe. Dies sei allerdings, erklärte Ernzer, lediglich eine Geste der Wiedergutmachung gewesen und habe nichts mit einer Entschädigung zu tun.

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