Neuer Bote entschuldigt sich

"Post hat wirklich ein dickes Fell" - Wut nach dem Brief-Skandal in Bergkamen

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64 Kisten mit Post wurden in der Wohnung, im Keller und einer Garage des Zustellers gefunden.

Bergkamen-Overberge - Ein Großteil der in Overberge verschwundenen Post ist inzwischen bei den Adressaten angekommen. Die Betroffenen erhielten die auf einem Oberadener Grundstück aufgefundenen Sendungen mit einem Begleitschreiben der Post.

Bei den meisten hielt sich der materielle Schaden in Grenzen, doch über die Vorgehensweise der Post sind viele erbost. 

„Ich finde es unverschämt von der Post, dass die im Brief nicht sagen, dass ein Teil gestohlen wurde“, sagt zum Beispiel Gerhard Gitzen. Der Overberger sammelt Postkarten und hatte diverse alte Schätze erwartet. 

Acht Briefsendungen und ein Päckchen hatte er im Laufe des vergangenen Jahres vermisst. „Ich hatte mich dann gefreut, als es hieß, die Briefe seien gefunden worden, denn diese alten Karten sind ja nicht mehr zu ersetzen.“ Doch Gitzen freute sich zu früh: „Zwei Briefe habe ich nun komplett zugestellt bekommen, drei waren offen und die Karten entnommen und drei weitere Briefe sowie das Päckchen fehlen noch immer“, ärgert er sich. „Sogar die beiliegenden Briefmarken waren weg.“ 

Neuer Postbote rät Anwohner, Anzeige zu erstatten

Der neue Postbote riet ihm, Anzeige zu erstatten. „Aber ich habe einen echten Verlust von 45 Euro“, sagt er mit Blick auf seine Ausgaben und dass der Wert der Karten selbst eher ein ideeller sei. „Bei dieser geringen Summe würde das Verfahren wohl ohnehin eingestellt. Das lohnt den Aufwand nicht.“ 

Die Anwohner der Landwehrstraße, die ihre Eventim-Karten vermissten, erhielten diese nun ebenfalls. „Wir haben drei dicke Umschläge für mich, meinen Mann und unseren Sohn mit der verschwundenen Post bekommen“, erklärt die Betroffene. „Was wir vermisst haben, ist nun da. Aber die Post hat ein wirklich dickes Fell: So einen unpersönlichen Brief wie das Begleitschreiben hätte ich nicht für möglich gehalten. Mit dieser Art des Umgangs bin ich nicht zufrieden.“ 

Das schrieb die Post den Anwohnern

Das Schreiben der Post hat folgenden Inhalt: „Sehr geehrte Kundin, sehr geehrter Kunde. Leider können wir Ihnen die beigefügten Briefsendungen erst heute zustellen. Die für Sie bestimmten Sendungen wurden während der Beförderung entwendet und nun aufgefunden. Bitte entschuldigen Sie die dadurch entstandenen Unannehmlichkeiten. Wir bedauern diesen Vorfall sehr und hoffen, dass Sie uns auch weiterhin Ihr Vertrauen schenken. Mit freundlichen Grüßen Ihr Kundenservice.“ 

Dreimal, so die Anwohner der Landwehrstraße, hätten sie gemeldet, dass Post nicht angekommen sei, doch nichts passierte. Irgendwann habe der neue Postbote vor der Tür gestanden, um sich persönlich zu entschuldigen. 

Post bleibt Dorfgespräch

„Von diesem Mann war aber doch nie die Rede“, ärgert sich der Anwohner. „Und ich wollte auch keine sieben Euro in Briefmarken. Ich habe mit einer vernünftigen Entschuldigung gerechnet, und nicht mit dem Satz, dass ich der Post doch hoffentlich weiterhin das Vertrauen schenke. Was habe ich als Privatmann denn sonst für andere Chancen? Die sind doch nahezu Monopolist.“ 

Privatrechtlich will die Familie aber nicht gegen den unzuverlässigen Zusteller oder die Post vorgehen. „Das ist nur nervenaufreibend und die Sache dann nicht wert. Es ist ja kein großer materieller Schaden entstanden.“ Dorfgespräch bleibt das Thema Post aber dennoch.

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