IHK-Wirtschaftsgespräch bei der Herbert Heldt KG

Poco und Erdemli möchten wachsen – doch in Bergkamen ist kein Platz mehr

Die Poco Einrichtungsmärkte GmbH hat am Stammsitz in Rünthe bereits die früheren Steilmann-Gebäude übernommen, aber angesichts stetigen Wachstums weiterhin Platzbedarf.
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Die Poco Einrichtungsmärkte GmbH hat am Stammsitz in Rünthe bereits die früheren Steilmann-Gebäude übernommen, aber angesichts stetigen Wachstums weiterhin Platzbedarf. Zudem will das Unternehmen ein neues Logistikzentrum für die Region Ruhrgebiet errichten. In Bergkamen steht dafür aktuell keine ausreichend große Fläche zur Verfügung – und die wird es so schnell wohl auch nicht geben.

Die heimischen Betriebe benötigen Fläche zur Expansion. Das wurde beim IHK-Wirtschaftsgespräch am Montag deutlich. So würde Möbel-Discounter Poco lieber heute als morgen ein neues Logistikzentrum bauen, „Golden Feinkost“ einen zweiten Erdemli-Markt in Bergkamen eröffnen. Aber so einfach ist das nicht.

Bergkamen – Poco wächst und erfährt nach dem Corona-Lockdown eine nie da gewesene Nachfrage, erläuterte Geschäftsführer Thomas Stolletz. Was binnen sechs Wochen an Umsatz verloren gegangen sei, habe man angesichts des Trends zum Cocooning, zum Rückziehen in die Privatsphäre, fast schon aufgeholt. Mit dem neuen Logistikzentrum solle der Markt im gesamten Ruhrgebiet bedient werden. Stolletz: „Wir brauchen ein Grundstück zwischen 50 000 und 70 000 Quadratmeter.“

Mit weit weniger Fläche, nämlich zwischen 1500 und 1800 Quadratmeter für den Verkauf, würde sich „Golden Feinkost“ begnügen, machte Geschäftsführer Fevzi Erdemli deutlich. Einen Erdemli-Supermarkt gibt es bereits in Bergkamen, er versuche seit drei Jahren, einen weiteren zu eröffnen. In Dortmund ist ihm das jüngst gelungen, darüber hinaus ist Erdemli mit zwei Lebensmittelläden in Hamm präsent.

Ampel zum A2-Logistikpark ein Ärgernis

Stolletz und Erdemli waren nicht die einzigen Unternehmer, die am Montag von ihren Vorhaben berichteten. Auch Roland Klein, Geschäftsführer der Herbert Heldt KG, war dabei. In seinem Haus fand das Wirtschaftsgespräch statt, das wegen Corona ohne Besucher auskommen musste und mit aufwändiger Technik live im Internet übertragen wurde.

Klein ist wie Stolletz und Erdemli bei der IHK zu Dortmund engagiert. Auch er äußerte in einer abschließenden Diskussionsrunde eine Hoffnung: dass die Ampel zum A2-Logistikpark verschwindet, damit es für die Lkw des Fachgroßhändlers für Sanitär, Heizung, Elektro, Klima und Lüftung nicht so lange Wartezeiten gibt.

Derlei Wunsch dürfte einfacher nachzukommen sein als jener nach mehr Fläche. So hatte zuvor bereits Bürgermeister Roland Schäfer in einem Rückblick auf die wirtschaftliche Entwicklung der Stadt nach Ende des Bergbaus von einem Mangel an Gewerbefläche in Bergkamen gesprochen. Zehn Hektar seien der Stadt im Zuge der Regionalplanungen zugestanden worden, erläuterte Schäfer. Die aber müssten erst einmal gefunden werden – „eine Aufgabe für die Zukunft“. Was mit dem 48 Hektar großen Kraftwerksgelände in Heil passiere, wenn die Kohleverstromung dort ein Ende finde, liege zuvorderst in der Hand des Betreibers Steag. Gleichwohl habe man die Fläche als Kooperationsstandort angemeldet.

IHK-Hauptgeschäftsführer Stefan Schreiber (r.) bedankt sich bei Bürgermeister Roland Schäfer, der letztmalig am IHK-Gespräch teilnahm.

Auch für weitere größere Einzelhandelsstandorte zur Nahversorgung sieht es eher schlecht aus. Damit sei die Stadt in der aktuellen Situation gut versorgt, meinte Bernd Schäfer, Bergkamens frisch gewählter nächster Bürgermeister. Kurzfristig sei auch hier kaum etwas zu machen, was er sehr bedauere.

Die Teilnehmer des Gesprächs blickten auch auf das Erreichte zurück, die wirtschaftlichen Erfolge. Stefan Schreiber, Hauptgeschäftsführer der IHK, lobte die hiesigen Mitgliedsbetriebe etwa für ihre hohe Bereitschaft zur Ausbildung neuer Fachkräfte. Zwar liege die Zahl der neuen Azubi-Verträge wegen Corona insgesamt unter den Vorjahreswerten, in Bergkamen aber nur geringfügig. 109 neue Verträge seien abgeschlossen worden, vielleicht folgten weitere.

Lob an den neuen Ausbildungsjahrgang

Schreiber berichtete von den Anstrengungen der IHK, die Betriebe in der Pandemie beratend zu begleiten. Mit den anderen Teilnehmern war er sich einig, dass die durch Corona notwendig gewordenen Digitalisierung große Chancen auch für die weitere Entwicklung der Betriebe birgt, diese deutlich flexibler macht, und dass der Breitbandanschluss zu einem der wichtigsten Standortfaktor geworden ist.

Was vor allem junge Menschen gerne hören dürften: Dem aktuellen Ausbildungsjahrgang wurde vonseiten der Unternehmen eine hohe Qualitäten bescheinigt. Und: Nach wie vor kämen die Führungskräfte von morgen „aus dem eigenen Stall“.

Die Verfügbarkeit von Fläche war einst Anlass für den Umzug der Herbert Heldt KG von Dortmund nach Bergkamen. Und es ist der Grund, warum „Golden Feinkost“ im April in Dortmund expandierte. Poco will mit Hauptsitz in Rünthe bleiben, hier sogar noch erweitern, nachdem schon alle Immobilien der insolventen Steilmann-Gruppe übernommen wurden. Stolletz geht davon aus, dass das Logistikzentrum nicht in Bergkamen wird errichtet werden können.

IHK-Regionalbetreuer Dominik Stute hatte das Wirtschaftsgespräch moderiert. Es ist online unter www.dortmund.ihk24.de/wgbergkamen abrufbar.

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