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Ein besonderer Platz für Rünthes letzten Bürgermeister und Mitgründer der Stadt Bergkamen

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Von: Bernd Kröger

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Für Begegnungen an der Beversiedlung wie geschaffen, aber selbst augenscheinlich ein wenig in Vergessenheit geraten, liegt dieser kleine Platz an der Overberger Straße an den Einmündung Zeppelinstraße. Er wird August Kühler als besonderer Rünther Persönlichkeit gewidmet.
Für Begegnungen an der Beversiedlung wie geschaffen, aber selbst augenscheinlich ein wenig in Vergessenheit geraten, liegt dieser kleine Platz an der Overberger Straße an den Einmündung Zeppelinstraße. Er wird August Kühler als besonderer Rünther Persönlichkeit gewidmet. © Kröger

Nachfolgende Generationen sollen erfahren, was August Kühler in der lokalen Politik nach 1945 für Rünthe und Bergkamen getan und wie er zuvor den Repressalien der Nazis widerstand. Ihm wird ein Platz gewidmet.

Rünthe – Die Zahl derer, die sich noch an den Mann erinnern kann, der die Gemeinde Rünthe im Amt Pelkum von Amts wegen in die Gründung der Stadt Bergkamen geführt hat, nimmt naturgemäß ab mit den Jahren und Jahrzehnten. Erstaunlich eigentlich, dass trotz dieser Rolle für die Geschichtsbücher im sonst identitätsbewussten nördlichstem Ortsteil nichts an August Kühler erinnert – zumal er zu den Aufrechten zählt, die unter der NS-Herrschaft ihre Haltung nicht verleugnet, sondern hinter Gittern bewahrt haben.

Konzept der Erinnerungskultur

Aber die Verständigung von Politik, Verwaltung und Stadtgesellschaft auf neue Linien der Erinnerungskultur rücken Geschehnisse und Persönlichkeiten neu in die allgemeine Wahrnehmung. Die Verlegung der ersten Stolpersteine für NS-Verfolgte in Bergkamen im vergangenen Jahr rückte den letzten Bürgermeister Rünthes und Mitbegründer der Stadt Bergkamen ein erstes Mal wieder ins Bewusstsein.

Der Stolperstein für August Kühler in der Beverstraße.
Der Stolperstein für August Kühler in der Beverstraße. © Menke

Als damaliges Mitglied der KPD war der aus Niederschlesien eingewanderte Bergmann (Jahrgang 1901) und spätere Sozialdemokrat im März 1933 in die Fänge der Nazis geraten und 14 Monate in verschiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern interniert. Daran erinnert der Stolperstein am damaligen Wohnsitz in der heutigen Beverstraße (früher Waldstraße).

Overberger/Ecke Zeppelinstraße

Nun soll August Kühler († 1972) in der Nähe ein Platz gewidmet werden. Das etwas in die Jahre gekommene Rondell an der Overberger Straße, Ecke Zeppelinstraße wird August-Kühler-Platz getauft. Das hat der Rat vergangene Woche auf Initiative der SPD einstimmig beschlossen. Mit einer Tafel im neuen Design der Konzeption zur Erinnerungskultur werden Besucher erfahren, womit sich der Rünther aus dem früheren Kreis Waldenburg in der neuen Heimat verdient gemacht hat. Und nebenbei dürfte die Widmung dazu beitragen, dass dem verkrauteten Areal bei Grünpflege in Zukunft etwas mehr Aufmerksamkeit widerfährt als zuletzt.

Stolperstein ein erste Schritt

„Das Ganze ist ja mit den Stolpersteinen ins Rollen gekommen“, berichtete Monika Wernau, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Ortsvorsitzende der SPD in Rünthe. Sie hat über den Ortsvereinsvorstand den Anstoß gegeben, weiß aber um den maßgeblichen Urheber: Manuel Izdebski, Rünther „Junge“ mit Wohnsitz Dortmund und großer Leidenschaft für die Ortsgeschichte, hat mit seinen Nachforschungen zu den NS-Verfolgten den Anstoß gegeben.

Manuel Izdebski gab den Anstoß

„Es ist schade, dass der letzte Bürgermeister und Mitbegründer der Stadt nicht die gebührenden Wertschätzung erfahren hat“, teilt Wernau die Sicht Izdebski. Aus dieser Haltung heraus haben die dabei schon auf dem Friedhof den Gedenkstein für Anna Kalina initiiert. Die Rünther Arbeiter-Samariterin war während der Ruhrkämpfe von einem Freikorps erschossen worden, weil sie sich um verwundete Arbeiter gekümmert hat.

„Auch August Kühler hat einen Leidensweg beschritten, weil er zu seinen Überzeugungen gestanden hat“, betonte Wernau. „Vor solchen Leuten kann man nur den Hut ziehen.“

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