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Pläne für Bayer-Standort: Unternehmen will Teile des Werks an Externe übertragen

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Von: Jürgen Menke

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Auf das Bayer-Werk in Bergkamen kommen offenbar umfassendere Veränderungen zu. Das könnte der Stadt in die Karten spielen.
Auf das Bayer-Werk in Bergkamen kommen offenbar umfassendere Veränderungen zu. Das könnte der Stadt in die Karten spielen. © Robert Szkudlarek

Das Chemieunternehmen Bayer plant, „Teile der Infrastruktur sowie der Dienstleistungsbereiche“ am Standort Bergkamen an externe Partner zu übertragen. Das teilt Dirk Frenzel, Leiter der Standortkommunikation, auf WA-Anfrage mit.

Bergkamen – Um welche Anlagen und Aufgaben es sich handelt, lässt Frenzel offen. „Wir führen derzeit Gespräche mit interessierten Unternehmen, die der Vertraulichkeit unterliegen“, so seine Auskunft. Konkrete Angaben zu den betreffenden Bereichen werde man „zu gegebener Zeit machen“, heißt es weiter. Näheres zum Zeitplan lässt er sich nicht entlocken.

Kontrastmittel und Hormone

Im Bergkamener Werk mit seinen rund 1800 Beschäftigten werden aktuell etwa 50 pharmazeutische Wirkstoffe hergestellt. Schwerpunkte sind Kontrastmittel, die ein jährliches Produktionsvolumen im niedrigen vierstelligen Tonnen-Bereich umfassen, sowie Hormone für Produkte der Empfängnisverhütung und Frauengesundheit mit einer Produktionsmenge im niedrigen dreistelligen Tonnen-Bereich pro Jahr.

Größere Transformation

Die Pläne für den Standort Bergkamen sind eingebettet in eine größere Transformation des Bayer-Bereichs „Division Pharmaceuticals“. Mit dieser wolle man die „nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit unterstützen“, heißt es. Geplant sind demnach auch Investitionen in neue Technologien, Automatisierung und Digitalisierung. Übertragungen von Teilen der Infrastruktur sowie der Dienstleistungsbereiche sind auch für die deutschen Standorte in Wuppertal und Berlin vorgesehen.

„Center of Excellence“

Deutschland werde für Bayer „ein bedeutender strategischer Produktionsstandort“ bleiben, heißt es beim Unternehmen. Das sogenannte Supply Center (Versorgungszentrum) in Bergkamen werde zum „Center of Excellence“ für Kontrastmittel und Hormonprodukte mit erweiterten Kapazitäten für Therapeutika weiterentwickelt.

Hohe Investitionen

Auch für die anderen deutschen Standorte der Pharmasparte gibt’s umfassende Pläne. So werde Berlin in ein „Center of Excellence“ für Parenteralia umgewandelt, Leverkusen in ein „Center of Excellence“ für hormonfreie Tabletten, teilt Bayer mit. In Wuppertal gehe es in erster Linie um die Erweiterung von Kapazitäten zur Markteinführung neuer Produkte sowie neue Produktionstechnologien. An den vier genannten Standorten will Bayer in den nächsten drei Jahren rund eine Milliarde Euro investieren.

Freifläche im Fokus

Im Bergkamener Rathaus dürften die Verantwortlichen mit Interesse beobachten, was mit dem Standort geschieht. So erhofft sich die Stadt, dass zumindest Teile der riesigen Bayer-Erweiterungsfläche nördlich des Werks für neue Gewerbeansiedlungen frei werden. Dafür müsste der Chemieriese aber erst einmal klären, wie viel Quadratmeter er noch selbst benötigt beziehungsweise an andere Unternehmen abgeben möchte. Womöglich wird genau diese Frage im Zuge der geplanten Maßnahmen geklärt.

Bayer als Projektpartner?

Die Stadt Bergkamen möchte die Erweiterungsfläche bekanntermaßen auf Basis des Fünf-Standorte-Programms entwickeln. Es stellt Kommunen in NRW, die vom Kohleausstieg betroffen sind (darunter der Kreis Unna), hohe Geldbeträge für Projekte in Aussicht, die die wirtschaftlichen Folgen dieses Ausstiegs abmildern. Bayer könnte über diesen Weg auch ein Projektpartner der Stadt werden.

In Anlagen und Produkte am Standort Bergkamen steckte Bayer alleine im vergangenen Jahr 55 Millionen Euro – ein „Investitionsbudget auf Rekordniveau“, hatte Sprecher Frenzel Anfang März erklärt.

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