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Photovoltaik-Anlagen sind begehrt – doch die Wartezeiten in Bergkamen sind lang

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Von: Raphael Balke, Kira Presch

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Dachdecker installieren eine Photovoltaikanlage
Ein Energiedach der GSW können Kunden pachten. Dadurch müssen sie die Installationskosten nicht übernehmen, sondern zahlen lediglich eine Miete. © Presch Kira

Nicht nur die Gaspreise, sondern auch die Temperaturen schießen aktuell in die Höhe. Von beidem profitieren Photovoltaik-Anlagen. Klimafreundlich Energie sparen und damit auch langfristig dem Geldbeutel helfen. So die Vorstellung. Doch wer in Bergkamen sein Haus mit Photovoltaik aufrüsten will, muss vor allem eines haben: Geduld.

Bergkamen – „Die Nachfrage ist sehr hoch“, sagt Christoph Barthel, Inhaber von Elektro-Barthel aus Bergkamen. Einen Beratungstermin vor Ort könne der 34-Jährige in etwa zwei Wochen anbieten, doch bis zur Installation dauere es länger. „Da müssen die Kunden schon bis in den Winter warten“, erklärt er. Ähnlich ist die Lage auch bei Solarstrom Schulte aus Kamen-Süd, die auch in Bergkamen arbeiten. „PV-Anlagen wollen sie alle gerade haben“, sagt Carmen Schmidt von Solarstrom Schulte. „Wir bekommen täglich Angebote rein und sind, was Beratung vor Ort angeht, noch bis Anfang November ausgebucht“, erklärt Schmidt.

Die Gründe für den PV-Boom und die damit einhergehenden Wartezeiten sind vielfältig. Krieg in der Ukraine. Immer heißere und trockenere Sommer wegen zu viel Schadstoffausstoß. Inflation und steigende Preise. Dazu fehlt Personal, das die Anlagen installieren kann. Im Detail:

Energiekrise

„Die Anfragen sind seit Anfang Februar enorm angestiegen. Da hat alles angefangen. Da waren die Preise noch deutlich günstiger“, sagt Barthel. Der Angriffskrieg Russlands in der Ukraine hat die deutsche Abhängigkeit von russischem Gas deutlich gemacht. Seitdem steht das Telefon bei Elektro-Barthel und Solarstrom Schulte selten still – Tendenz steigend. „Die Menschen sind verunsichert. Steigt der Gaspreis, gibt es demnächst überhaupt noch etwas?“, so Barthel. Viele Kunden hätten sich vorher nicht damit befasst. „Es kommt auch häufig die Frage nach Speicheranlagen, um möglichst autark zu sein“, so Barthel.

Photovoltaik zur Miete

Das Energiedach-Modell, das die Gemeinschaftsstadtwerke Kamen, Bönen, Bergkamen in ihrem Gebiet anbieten, muss der Kunde nicht selbst finanzieren. Er pachtet die PV-Anlage über eine Laufzeit von 18 Jahren gegen einen monatlichen Mietbeitrag. Der ist abhängig von der Dachbeschaffenheit und -ausrichtung, der Größe der Anlage und dem Stromverbrauch. Die GSW planen, finanzieren, bauen und betreiben die Anlage. Ein Partnerfachbetrieb installiert und wartet die Anlage. Nach Ablauf des Pachtvertrages kann die Anlage vom Kunden übernommen werden. Weitere Infos finden Interessenten im Internet unter www.gsw-kamen.de/service/energiedienstleistungen/energiedach.

Klimawandel

Für Carmen Schmidt ist auch die Klimapolitik der Bundesregierung ein Auslöser für die hohe Nachfrage. „Es müssen eben Klimaziele erreicht werden, und die hohen Stromkosten kommen auch beim Kunden an“, erklärt sie. Auch Barthel sagt: „Es gibt auch Kunden, die etwas für das Klima tun möchten.“ Und weil die Regierung PV-Anlagen mittelfristig bezuschussen möchte, ist zu bezweifeln, dass der Hype um Photovoltaik zeitnah aufhört. „Dann laufen die Telefone richtig heiß“, so Barthel.

Preissteigerungen

„Die Rohstoffpreise steigen enorm. Besonders Aluminum. Daraus besteht die Unterkonstruktion hauptsächlich. Aber auch Lieferkosten nehmen zu“, sagt Schmidt. Dem pflichtet Barthel bei. „Es ist aktuell beispielsweise schwierig, an Wechselrichter zu kommen.“ Wechselrichter, das „Herzstück der Anlage“, wandeln den Gleichstrom, den eine PV-Anlage produziert, in Wechselstrom um, mit dem das öffentliche Stromnetz betrieben wird. Doch: PV-Anlage ist nicht gleich PV-Anlage. „Man sagt ja auch nicht, was kostet ein Auto. Es gibt Unterschiede im Preis, weil es auch Unterschiede in der Qualität gibt“, erklärt Schmidt.

Fachkräftemangel

Für die Welle an Aufträgen, die den beiden Firmen entgegen schwappt, gibt es keine menschlichen Rettungsringe. Denn: Es mangelt an Fachpersonal. „Gutes Personal kriegt man auch nicht unbedingt morgen“, so Schmidt. „Wir schieben aktuell Doppelschichten“, sagt Barthel.

Prüfung mit Solardachkataster

Grundsätzlich funktioniert eine PV-Anlage auf vielen Dächern. Als ideal gilt ein Dach mit einer Neigung von 30 Grad und einer Ausrichtung nach Süden für die Solarstrom-Gewinnung. Ein anderer Neigungswinkel, eine abweichende Ausrichtung sowie Verschattung verringern die Effektivität und somit den Ertrag der PV-Anlage. Wer prüfen möchte, ob sein Dach für eine PV-Anlage geeignet ist, kann das im Solardachkataster auf der Seite der Solarmetropole Ruhr auf der Internetseite www.solarmetropole.ruhr/solardachkataster tun.

Auch die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) Kamen, Bönen, Bergkamen spüren den Personalmangel bei ihrem Projekt Energiedach. Kunden pachten eine Anlage und zahlen monatliche Mietgebühren. Die Installationskosten übernehmen die GSW. Mehr als zwei neue Energiedächer pro Woche sind aktuell nicht drin. „Das Nadelöhr liegt bei den ausführenden Installationsbetrieben“, sagt GSW-Geschäftsführer Jochen Baudrexl.

Aktuell befindet sich die Energiedach-Webseite im Umbau. Ab Mitte bis Ende August ist diese wieder für Interessierte verfügbar. Dann rechnet Baudrexl durchaus mit 40 oder 50 Anfragen – pro Tag.

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