Giftige Stoffe

PCB-Belastung: Bürgermeister wehrt sich gegen Vorwürfe

„M&R Recycling Solutions“, Industriegebiet Bergkamen
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Die Remondis-Tochter „M&R Recycling Solutions“ gilt bis dato als mögliche Quelle einer PCB-Belastung, erwiesen ist dies aber zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.

Gegen schwere Vorwürfe musste sich der Bergkamener Bürgermeister Roland Schäfer nun in der Sitzung des Stadtrates erwehren. Seiner Verwaltung wird vorgeworfen, Informationen zur PCB-Belastung in zwei Siedlungsbereichen zurückzuhalten.

Bergkamen – Bürgermeister Roland Schäfer will Vertreter der Bezirksregierung Arnsberg in den Umweltausschuss einladen, um aus erster Hand über die mögliche PCB-Belastung im Umfeld des Industriegebiets nördlich der Erich-Ollenhauer-Straße unterrichtet zu werden. Das kündigte er am Dienstag in der Ratssitzung an. Zugleich wies er Vorwürfe zurück, wonach die Stadtverwaltung wichtige Informationen zur Sache bewusst zurückhalte.

Derlei Anschuldigungen kursierten in sozialen Netzwerken, entbehrten aber jeder Grundlage, so Schäfer. Er verdeutlichte, dass die Stadt im Zusammenhang mit dem PCB-Verdachtsfall allenfalls nachgelagerte Behörde sei, weder mit der Genehmigung noch mit der Überwachung der Unternehmen in dem Bereich etwas zu tun habe.

PCB-Belastung in Bergkamen: Stadt wurde am 11. August informiert

Detailliert legte das Stadtoberhaupt dar, welchen Wissensstand die Verwaltung zu welchem Zeitpunkt hatte. Demnach ist man auf Dezernenten-Ebene am 11. August telefonisch von der Bezirksregierung über die Lage informiert worden, allerdings nicht so detailliert, dass man damit hätte an die Öffentlichkeit gehen können. Dafür habe er gleich am Tag drauf die Fraktionsvorsitzenden informiert, so Schäfer. Am 13. August habe dann der Entwurf der Pressemitteilung der Bezirksregierung im Rathaus vorgelegen, die am 17. August verbreitet wurde.

Schäfer betonte, dass derzeit weder das Ausmaß einer vermuteten PCB-Belastung abgeschätzt werden könne noch die mögliche Quelle bekannt sei. Zudem sei die Empfehlung an die Bewohner zweier Siedlungen, vorerst auf den Verzehr von Blattgemüse aus dem eigenen Garten zu verzichten, erst einmal vorsorglich getroffen worden. Gleichwohl bringe er „volles Verständnis“ für Menschen auf, die sich verunsichert fühlten oder gar Angst vor gesundheitlichen Schäden hätten.

PCB-Belastung in Bergkamen: Bezirksregierung hätte früher informieren können

Auch ihm sei daran gelegen, schnell Klarheit in die Angelegenheit zu bringen, betonte Schäfer. Allerdings könne die Bezirksregierung aktuell unter Umständen nicht mehr zur möglichen PCB-Belastung sagen als schon bekannt sei, weil weitergehende Untersuchungen abgewartet werden müssten.

Irritiert zeigte sich Schäfer indes von der Aussage der Bezirksregierung, dass schon Ende 2019 erste Hinweise auf PCB-Einträge im Industriegebiet gefunden worden seien. Schon zu diesem Zeitpunkt wäre es „gut gewesen“, auch die vorsorgliche Verzehrempfehlung auszusprechen, meinte Schäfer. Ins gleiche Horn blies Claudia Schewior, Vorsitzende der Fraktion von BergAuf. Eine Information Ende 2019 war aus ihrer Sicht sogar „notwendig“.

PCB-Belastung in Bergkamen: Umweltausschuss könnte früher tagen

Bekanntlich verspricht sich die Bezirksregierung durch Untersuchung von Grünkohlpflanzen neue Erkenntnisse zur PCB-Belastung. Diese Pflanzen müssen aber erst noch wachsen, geerntet und dann untersucht werden. Mit Ergebnissen, die eine abschließende Bewertung ermöglichten, sei voraussichtlich im Frühjahr 2021 zu rechnen, hatte das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz NRW jüngst mitgeteilt.

Die Quelle der PCB-Belastung liegt aus Sicht der Behörde unter Umständen bei der Remondis-Tochter „M&R Recycling Solutions“. Polychlorierte Biphenyle (PCB) sind giftige und krebsauslösende organische Chlorverbindungen.

Die nächste Sitzung des Umweltausschusses ist für Montag, 21. September, ab 16 Uhr im Ratstrakt terminiert. Schäfer brachte eine Sondersitzung ins Spiel, die früher stattfinden könnte.

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