Ein "Einhorn" für die Rettung von Lebensmitteln

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Die Lebensmittel-Retter Sascha Kallenbach, Sabrina Kühnle-Kallenbach und Jennifer Paruzel (von links) stehen an Bergkamens neuestem „Fair-Teiler“, dem „Einhorn“ am Ostenhellweg in Rünthe.

Lebensmittel retten statt sie schlecht werden zu lassen. Diesem Motto hat sich ein Ehepaar aus Bergkamen verschrieben. Sabrina Kühnle-Kallenbach und Sascha Kallenbach gehen noch einen Schritt weiter und haben nun am Ostenhellweg einen "Fair-Teiler" aufgestellt, wo jeder sich Essbares herausnehmen kann.  

Rünthe – Eine eingerissene Packung Nudeln, Bananen mit braunen Stellen, Paprikas mit Dellen oder eine abgelaufene Schokolade: Produkte mit solchen Makeln verkaufen Supermärkte nicht mehr. Deshalb landen die Lebensmittel im Müll, obwohl sie noch genießbar und meist alles andere als schlecht sind.

Die „Foodsaver“ Sabrina Kühnle-Kallenbach und Mann Sascha Kallenbach wollen verhindern, dass Lebensmittel verschwendet werden und sind seit einigen Wochen Betreuer eines „Fair-Teilers“ am Ostenhellweg. Insgesamt gibt es nun drei solcher Lebensmittel-Stationen in Bergkamen.

Matrose, Kumpel und jetzt ein Einhorn

„Foodsharing“ nennt sich das, was Sabrina Kühnle-Kallenbach und Sascha Kallenbach machen. Sie retten Lebensmittel und packen diese in den „Fair-Teiler“, den sie zusammen mit Nachbarin Julia Ernst betreuen. Seit knapp vier Wochen gibt es in der Stadt neben dem „Matrosen“ und dem „Kumpel“ – so nennen sich die Lebensmittel-Ablageorte – den „Fair-Teiler“ mit dem Namen „Einhorn“.

Dieser steht am Ostenhellweg 8 und wird, wann immer es Nachschub gibt, mit den unterschiedlichsten Lebensmitteln befüllt. „Wir retten das Essen von verschiedenen Betrieben in der Umgebung. Die kennen uns schon“, erzählt Jennifer Paruzel, „Foodsharing“-Botschafterin für Kamen, Bergkamen und Unna, die dem Paar beim Einsortieren der Lebensmittel unter die Arme greift.

Jeder darf sich bedienen

Sie ist stolz darauf, wie gut das „Einhorn“ nach ihren Angaben bisher angekommen ist. Jeder darf sich an dem Lebensmittel-Schrank bedienen. „Wir sind nicht nur für Bedürftige da, sondern für alle Menschen. Es geht darum, dass die Sachen gegessen werden“, betont Paruzel.

Einige der Lebensmittel, die die Foodsaver retten, behalten sie selbst oder verteilen diese an Familie, Freunde und Nachbarn. „Wir sind zwar sechs Personen im Haushalt, aber trotzdem bleibt noch zu viel über“, erzählt Sabrina Kühnle-Kallenbach, die seit Januar Teil der Foodsharing-Community ist. Vor einiger Zeit dann beschlossen sie und ihr Mann, einen eigenen Verteiler zu betreuen.

Ein Quiz auf dem Weg zum "Foodsaver"

 Ganz so einfach ist das aber nicht. „Erst einmal informiert man sich über Foodsharing und macht dann ein Quiz“, erzählt Sabrina Kühnle-Kallenbach. Das Quiz wird auf der Internetseite foodsharing.de, auf der Kühnle-Kallenbach und ihr Mann angemeldet sind, absolviert. Hat man dieses bestanden, darf man sich „Foodsaver“, also „Lebensmittel-Retter“, nennen. „Dann bekommt man eine Einführung von einem Botschafter oder einem Betriebsbeauftragten. Die nehmen dich mit und du schaust dir das drei Mal an. Ab der vierten Abholung kannst du ganz alleine losgehen“, sagt Kühnle-Kallenbach.

Merkt man jedoch, so wie die Lebensmittel-Retterin und ihr Mann, dass am Ende noch zu viel übrig bleibt, kann man sich an einen Botschafter wenden. „Dann macht man nochmal ein Quiz. Wenn man das bestanden hat, ist man Betriebsbeauftragter und bekommt seinen eigenen Schrank“, erklärt Botschafterin Jennifer Paruzel. Weil die Food-Saver unentgeltlich arbeiten, versuchen sie die Anschaffung der Schränke, aber auch das Drucken und Laminieren der Informationsblätter im Inneren der „Fair-Teiler“ über Spenden zu finanzieren.

In dem „Fair-Teiler“ am Ostenhellweg befinden sich unter anderem Obst, Gemüse oder Brot

24 Stunden geöffnet

Sabrina Kühnle-Kallenbach und Sascha Kallenbach sind stolz auf ihren eigenen „Fair-Teiler“. Diesen befüllen sie, wann immer etwas übrig bleibt. Regelmäßige Befüll-Zeiten oder Öffnungszeiten gibt es nicht. Der Schrank am Ostenhellweg ist momentan 24 Stunden am Tag zugänglich, doch nicht alle „Fair-Teiler“ sind zu jeder Zeit geöffnet, wie Jennifer Paruzel erzählt. „Manche liegen in einer Wohnsiedlung. Da kann man dann bis 22 Uhr kommen und dann sollte die Nachtruhe eingehalten werden.“

Aufgefallen sei Sabrina Kühnle-Kallenbach, dass viele Menschen den Schrank mit den Lebensmitteln aufsuchen, wenn es dunkel ist. „Die Leute schämen sich noch ein bisschen, weil sie denken, die Lebensmittel sind nur für Bedürftige.“

Paruzel fügt hinzu: „Wir brauchen keine Erklärung, warum sich jemand das Essen nimmt. Wir sind froh, wenn es verbraucht wird.“ Wichtig ist es den „Food-Savern“ zu betonen, dass sie nicht mit der Tafel in Konkurrenz stehen, sondern mit ihr zusammenarbeiten. „Wir sagen jedem Betrieb: Wenn die Möglichkeit besteht, dass die Tafel dort was abholen kann, dann kommen wir gerne danach. Denn trotzdem wird teilweise noch viel weggeschmissen“, erklärt Jennifer Paruzel.

Jeder kann den "Fair-Teiler" befüllen

Nicht nur „Foodsaver“ wie Jennifer Paruzel können etwas dazu beitragen, dass Lebensmittel verschwendet werden. Jeder, der noch gute Lebensmittel übrig hat und nicht verbrauchen kann, darf diese in die „Fair-Teiler“ packen. „Wenn man zum Beispiel in den Urlaub fährt, hat man ja meistens was übrig“, sagt Paruzel.

Lediglich Kühlware darf nicht in den Lebensmittel-Verteilern untergebracht werden. „Das machen wir in den meisten Fällen privat. In anderen Bezirken gibt es auch schon öffentliche Kühlschränke.“ Weder für das Herausnehmen noch für das Hinzufügen von Essen muss man irgendwo angemeldet sein.

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