Klaus Nowack sichtet Fischadler in Rünthe

Ornithologe macht am Beversee in Bergkamen besondere Entdeckung

Mit geschultem Blick, der nötigen Ausrüstung und Leidenschaft für seltene Vögel beobachtet Klaus Nowack seit Jahren deren Rückzugsorte in der Region.
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Mit geschultem Blick, der nötigen Ausrüstung und Leidenschaft für seltene Vögel beobachtet Klaus Nowack seit Jahren deren Rückzugsorte in der Region, hier am Beversee.

Klaus Nowack hat einen geschulten Blicks für alles, was Federn trägt. Doch bei dieser Entdeckung am Beversee traute er kurz den eigenen Augen nicht:

„Ich habe zuerst gedacht, das sei ein Bussard“, berichtet der Vogelkundler aus Werne über den Moment, der sein Herz beim Blick durch das spezielle Beobachtungsfernrohr (Spektiv) höherschlagen ließ. Doch dann fiel ihm die helle Brust des Vogels ins Auge, dazu der markante Augenstreif, an dem dieser Greif gut von anderen seiner Art zu unterscheiden ist - ein Fischadler. Mit der Handykamera hielt er fest, was er durchs Spektiv erspähte.

Den Fischadler hat Klaus Nowack mit der Handykamera durchs Spektiv fotografiert.

Diesjähriger Jungvogel auf dem Durchzug

„Zwei oder drei Minuten hat’s gedauert, aber dann war klar: Das war ein diesjähriger Jungvogel“, sagt Nowack weiter. Das bei Altvögeln recht gleichmäßig braune Rückengefieder habe hier noch weißen Saum an den Federn gehabt. Typisch für Nachkommen aus dem Gelege des aktuellen Sommers. Wo der Greifvögel geschlüpft ist, ließe sich nicht sagen. Nur so viel: In der hiesigen Region sei kein Standort bekannt.

Weiteres Exemplar in den Lippeauen

In der Fachliteratur heißt es, als Brutvogel sei der Fischadler in NRW schon im 19. Jahrhundert ausgestorben. „Hier sieht man die Tiere höchstens auf dem Zug“, hat auch Klaus Nowack festgestellt. Er machte seine Entdeckung Mitte September – und teilte dieses Glück mit anderen Ornithologie-Begeisterten in der Nachbarschaft. Über deren Netzwerk kam heraus, dass parallel auch in den Hammer Lippeauen und in Stockum junge Fischadler gesichtet wurden.

Vage Hoffnung auf Wiederkehr

Jetzt hofft der 60-Jährige, mögliche Hinweise auf die Wiederkehr der zwar nicht gefährdeten, hier aber nicht mehr heimischen Art entdeckt zu haben. „Denn ich habe den Fischadler nicht nur einmal dort gesehen. Er hat sich eine ganze Woche lang dort aufgehalten.“ So wie es Jungvögel auf dem Zug auch tun, um sich nach einem Standort und Brutplatz für die Wiederkehr im Frühjahr umzusehen.

„Erfolg der Renaturierungsmaßnahmen“

„Der Beversee ist als Revier und Nahrungsquelle sicher zu klein. Aber vielleicht bietet sich hier die Chance, dass der Fischadler sich in Verbindung mit der Lippe wieder ansiedelt“, so Nowack. Auf jeden Fall zeige sich so ein Erfolg der Renaturierungsmaßnahmen. Allmählich zöge es diese auf Wasser angewiesene Greifvögel auch wieder ins Binnenland.

Keine Frage, dass der leidenschaftliche Vogelkundler nach dem Winter wieder mit dem Spektiv losziehen wird, um der hoffnungsvollen Hypothese weiter nachzugehen. Aber er ist ohnehin regelmäßiger Gast und Fan des Gewässers mit allerlei gefiederten Bewohnern. Denn mit seinem Wissen hat Nowack sich vor Jahren schon ehrenamtlich in den Dienst der Naturschutzbehörde beim Kreis Unna und der Biologischen Station in Heil gestellt. Er zählt und kartiert die Vorkommen, speziell seltener oder bedrohter Arten, und liefert so wichtige Grundlagen für die Beurteilung der ökologischen Verhältnisse.

Am Beversee immer etwas zu entdecken

Auch Spaziergängern legt der begeisterte Ornithologe ans Herz, bei ihrer Runde durch das von Bergsenkungen geprägte Naturschutzgebiet in Rünthe nicht ohne Fernglas loszuziehen. Am Himmel und von der neuen Plattform aus gebe es immer etwas zu entdecken. Das Gewässer ist Rastplatz für viele Wasservögel.

„Der Fischadler ist übrigens gut daran zu erkennen, dass er der einzige ist, der über der Wasserfläche rüttelt“, erläutert der Kenner. Rütteln nennen die Vogelkundler den Flug auf der Stelle, um Beute zu schlagen. Am ehesten ist das hier beim Turmfalken zu beobachten, der aber viel kleiner ist und über Wiesen und Feldern zur Jagd ansetzt.

Guter Ausblick auf die Beute

Der Fischadler hat es dagegen auf die geschuppten Seebewohner abgesehen und nach Nowacks Beobachtung auf den Bäumen am entlegenen und ungestörten westlichen Zipfel des Gewässers einen so guten Blick darauf gehabt, dass er gar nicht rütteln musste. Bei glatter Oberfläche war die Beute gut auszumachen: „Ich habe gesehen, wie er sich einen Hecht aus dem Wasser gegriffen hat.“

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