Dezernentin Busch: „Ein großer Verlust“

Stadt Bergkamen sieht keine Chance, traditionelle Osterfeuer im April schon wieder zu erlauben

Am Feuer vereint - so ist es an Oster Brauch, hier vormals auf der Wiese vor dem Gut Keinemann. Die Pandemie wird dieses Beisammensein auch 2021 verhindern.
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Am Feuer vereint - so ist es an Oster Brauch, hier vormals auf der Wiese vor dem Gut Keinemann. Die Pandemie wird dieses Beisammensein auch 2021 verhindern.

Das Osterfest führt vor Augen, wie lange Corona schon das Leben lähmt. Die traditionellen Feuer waren schon im Vorjahr nicht mehr möglich - und 2021 sieht‘s nicht besser aus:

Bergkamen – Im vergangenen Frühjahr durchkreuzte das Virus schon das Hände und Herzen wärmende Brauchtum zum höchsten Fest des Christenturms. Und auch zur Ostern 2021 spricht alles dafür, dass die Idee vom geselligen Mitarbeiter vor lodernden Flammen im rein sprichwörtlichen Rauch aufgehen wird.

„Ich sehe gegenwärtig keine Möglichkeit, dass die Osterfeuer in diesem Jahr wieder stattfinden können“, nahm Dezernentin Christine Busch eine Einschätzung der andauernden Kontaktbeschränkungen zum Schutz vor Covid-Infektionen vor.

Zusammenkünfte wichtiger „sozialer Kitt“

„Das ist schon ein großer Verlust“, bewertete die Chefin der Bergkamener Ordnungsbehörde sogleich die sozialen Aspekte der abermals verhinderten Begegnungen. „Ich erlebe die Osterfeuer bei den Feuerwehren als wichtige Pflege der Kameradschaft. Und auch in den Siedlungen haben sie Bedeutung. Man sieht sich nicht mehr sooft und hier kommen nach dem Winter die Leute wieder zusammen, man hört, wie es Kindern und Enkeln geht.“

Normalerweise um die 70 bis 80 Feuer

Um die 70 bis 80 solcher Gelegenheiten haben Vereine, Nachbarschaften und Feuerwehreinheiten in den vergangenen Jahren zuletzt geschaffen. In dieser Größenordnung bewegt sich die Anzahl der Genehmigungen, die Heike Sohn beim Ordnungsamt gegen 50 Euro Gebühr erteilt hat, wenn die vorgeschriebene Anmeldung eines Veranstalters auf den Tisch kam. Etwa für die zugkräftigen Rünther Feuer vor dem Hof Keinemann, die Einladung der Schützen an den Schacht III oder das Treffen an der Sunray-Ranch.

Denn nach Herzenslust Feuer zu entfachen, ist hierzulande längst verboten. Das soll die illegale und umweltschädliche Müllentsorgung mit dem Streichholz unterbinden. Nur mit dem engen Bezug zum Brauchtum lässt der Gesetzgeber noch Ausnahmen zu. Außer, es geht gerade die Gefahr um, dass ein Brauchtumsjünger den nächsten ansteckt. Dann ist es auch nichts mit dem Anstecken der üblicherweise in den kommenden Tagen gemeinschaftlich zusammengetragenen Brandhaufen.

Teils liegen die Haufen aus dem Vorjahr noch

Davon sind nach Einschätzung des Amtes noch einige aus dem Vorjahr liegen geblieben. Die Idee der Bürgermeisterkonferenz beim Landrat, das Abfackeln ohne Publikum zu erlauben, um die Ehrenamtler von der Last und möglichen Entsorgungskosten zu befreien, hatte die NRW-Regierung zu Ostern 2020 kurzfristig durchkreuzt: Das sei illegale Entsorgung, Ausnahme nicht möglich.

Grundsätzlich ist auch Dezernentin Busch der Meinung, dass im Kreis Unna ausreichend Entsorgungsmöglichkeiten bestehen, „was je nach Transport und Menge natürlich Kosten bedeutet.“ Gleichwohl hatte Heike Sohn mit einigen Veranstaltern in den Blick genommen, die Brauchtumsregel für ein Johannis- oder Martinsfeuer anzuwenden, um die Osterhaufen von Wiesen und Äckern zu bekommen.

Aber auch daran war in der Pandemie nicht zu denken. „Außerdem sind diese Feuer nur direkt am jeweiligen Tag möglich. An Ostern hat man zwei bis drei Tage Spielraum, an den anderen Terminen nicht“, “, erläuterte die Fachfrau mit Blick auf den Johannistag (24. Juni) und Martinstag (11. November).

Ordnungsamt will unbürokratisch helfen

Wenn nun Anfragen auf den Tisch kommen, wird das Ordnungsamt den Antragstellern gleich mitteilen, dass keine Aussicht auf Genehmigung besteht. Im Vorjahr hatte Heike Sohn Genehmigungen sogar zurücknehmen und Gebühren erstatten müssen.

Soweit soll es nun nicht kommen – aber später im Jahr vielleicht doch noch etwas werden mit neu entflammter Gemeinschaft. „Wir kennen ja die meisten Standorte und Veranstalter. Und wenn wir etwas Neues wissen, etwa für die Johannisfeuer, dann werden wir unbürokratisch informieren“, versicherte Heike Sohn. So ein Feuer verbindet eben.

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