Oliver Kaczmarek (SPD) gewinnt, Michael Sacher (Grüne) hofft

Wahlkreis 144 Unna I bleibt rot - hat aber vielleicht bald zwei Abgeordnete

Diese Mimik passt nicht zum Ergebnis im Kreis. Aber hier schauen Wahlkreissieger Oliver Kaczmarek (rechts), Grünen-Kreisfraktionschef Herbert Goldmann und CDU-Kandidat Hubert Hüppe (von links) auf die erste ARD-Hochrechnung. Jubel gab’s im Kreishaus aber auch später nicht.
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Diese Mimik passt nicht zum Ergebnis im Kreis. Aber hier schauen Wahlkreissieger Oliver Kaczmarek (rechts), Grünen-Kreisfraktionschef Herbert Goldmann und CDU-Kandidat Hubert Hüppe (von links) auf die erste ARD-Hochrechnung. Jubel gab’s im Kreishaus aber auch später nicht.

Der Wahlkreis 144 Unna I bleibt in SPD-Hand: Mit 40,8 Prozent Wählerzustimmung setzte sich Titelverteidiger Oliver Kaczmarek deutlich vom Hauptkonkurrenten der CDU, Hubert Hüppe (25,8) ab. Der Grüne Michael Sacher (13,9) darf mit Listenplatz 28 noch hoffen.

Kreis Unna – Oliver Kaczmarek (SPD) bleibt der Vertreter des Wahkreises 144 Unna I im Deutschen Bundestag. Mit 40,8 Prozent der Erststimmen hat der 51-jährige aus Kamen den Wettbewerb der zehn Direktkandidaten klar für sich entschieden. Gut möglich aber, dass Bergkamen und Bönen im Verein mit Kamen, Unna, Schwerte, Holzwickede und Fröndenberg eine zweite Stimme in Berlin haben. Michael Sacher (Grüne) durfte sich am Wahlabend Hoffnungen machen, noch über die NRW-Liste ins Parlament zu gelangen.

Hüppe rechnet sich keine Chancen aus

Ein klareres Bild wird sich für ihn frühestens heute ergeben, wenn die komplizierte Rechnung über Ausgleichs- und Überhangmandate Ergebnisse zeitigt. Der CDU-Kandidat Hubert Hüppe hat damit mehrfach persönliche Erfahrungen gemacht. Diesmal rechnete der 64-jährige sich aber keine großen Chancen mehr aus, nach dem Ausscheiden 2017 und insgesamt 23 Jahren im Parlament wieder in den Bundestag einziehen zu können.

Wahlstudio zur Bundestagswahl im Kreishaus Unna

Wahlstudio im Kreishaus Unna zur Bundestagswahl
Wahlstudio im Kreishaus Unna zur Bundestagswahl
Wahlstudio im Kreishaus Unna zur Bundestagswahl
Wahlstudio im Kreishaus Unna zur Bundestagswahl
Wahlstudio zur Bundestagswahl im Kreishaus Unna

Weniger Überhangmandate als gedacht

„Es gibt nicht so viele Überhangmandate, was ja eigentlich gut ist. Nur halt nicht für mich“, sagte Hüppe, als gegen 19.30 Uhr der Trend im Wahlkreis sicher schien. Auf Platz 21 der NRW-Liste steht der Werner in der Reserve. Frühere Prognosen sahen das als durchaus erfolgversprechend an. Aber auch das hat sich noch mal gedreht.

Persönlicher Wert vor der Partei

Dass es nichts wird mit dem Ticket nach Berlin, erklärt Hüppe mit einer Entwicklung, die ihm an sich behagt: „Die SPD hat in NRW ja nur ein Prozent dazugewonnen. Das heißt, es gibt viele Direktmandate für meine Partei. Nur zieht dann leider die Liste nicht. Aber immerhin liege ich mit meinen Erststimmen drei Prozent vor dem Parteiergebnis.“

Kaczmarek: Klarer Vertrauensbeweis

Mit klarem persönlichen Bonus sieht sich auch Titelverteidiger Kaczmarek bestätigt. „Vor einem halben Jahr haben wir solch ein Abschneiden der SPD nicht für möglich gehalten“, verwies er zunächst auf den Stimmungswechsel in den Umfragen. „Mit meinem Ergebnis habe ich einen deutlichen Vorsprung vor den Mitbewerbern. Ich verstehe das als Vertrauensbeweis und Bestätigung meiner Arbeit.“

Wunsch: Regierung ohne CDU

Die Bürger hätten wahrgenommen, dass er sich an der Basis engagiere und etwas in Bewegung setzen wolle. „In diesem Sinne möchte ich meine Arbeit gewissenhaft fortsetzen.“ Mit zwei Zielen und einem Wunsch sei er in den Wahlkampf gegangen: „Dass ich erstens diesen Wahlkreis wieder gewinne und zweitens so dazu beitrage, dass Olaf Scholz Kanzler wird. Und mein Wunsch ist eine Regierungsbildung ohne die CDU.“

Heute im SPD-Bundesvorstand

Als Mitglied des Bundesvorstands der SPD wird der hiesige Abgeordnete heute schon dabei sein, wenn dafür auf der Hauptstadtbühne all diese Szenarien entworfen werden. „Eine Regierung ohne CDU, so werden wir verhandeln“, blickte Kaczmarek voraus. Wenn es nach ihm geht, ist „eine Kernregierung von Rot und Grün“ gesetzt. Wer da für die nötige Mehrheit sorgen soll, müsse sich in den Sondierungen ergeben. Dabei könne es schneller zu einem Ergebnis kommen als bisher eingeschätzt: „Das vorher war Taktiererei, jetzt liegen die Zahlen auf dem Tisch.“ Da könne man zügig zur Sache kommen.

Grünen-Kandidat voller Zuversicht

„Mich treibt gerade eigentlich nur die Frage um, wann ich mir die Zugfahrkarte nach Berlin kaufen sollte“, kommentierte Michael Sacher seine persönliche Hängepartie mit einem Augenzwinkern. „Mein Platz 28 der Liste ist nach den aktuellen Berechnungen der letzte, der noch zieht.“ Der selbstständige Buchhändler sah dem nächsten Tag aber mit Zuversicht entgegen. „Sollte es jetzt nicht klappen, wäre es aber der Platz des ersten Nachrückers.“ Das Grünen-Ergebnis im Wahlkreis nannte Sacher „ganz ordentlich“, als Direktkandidat habe er gegenüber der ersten Kandidatur 2017 zugelegt.

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