Der „liebe Olaf" bei den Kleingärtnern

Olaf Scholz in Bergkamen: Warum die SPD den Vize-Kanzler Scholz zum Krähenwinkel lud

Olaf Scholz Kleingartenverein Krähenwinkel Bergkamen
+
Na dann, gute Fahrt: In der einen Hand die Rose von der Begrüßung, in der anderen die Bratwurst. So verabschiedete sich Olaf Scholz unter den Augen von Landrat Michael Makiolla (links) und Gärtner-Chef Michael Ludwig. Oben stößt Mario Löhr dazu, unten die Gärtner in der Laube.

So hohen Besuch hatten die Kleingärtner im Krähenwinkel in Bergkamen wahrscheinlich noch nie. Am Freitag war Vize-Kanzler Olaf Scholz zu Gast.

Bergkamen – Die „Bazooka“ ist was für den Auftritt in der Hauptstadt. Nach Bergkamen kommt der Mann mit dem „Wumms“ zwar mit Panzerlimousine, aber auf leisen Solen. Äußerlich scheint er mit seinen geschätzten 1,73 Metern und der, erst recht zwischen den Personenschützern, schmalen Statur gar nicht der Typ für kraftmeiernde Auftritte, wie neulich mit den markigen Worten zur Coronakrise. Eher verhalten bewegt sich Olaf Scholz durch das Tor zur Kleingartenanlage Krähenwinkel.

Der Bundesminister der Finanzen und SPD-Anwärter darauf, nächstes Jahr das „Vize“ aus dem Kanzlertitel zu streichen, lächelt still, hört freundlich zu. Es reden schon genug am Tor: In der Wallung, unter Seinesgleichen mit dem kumpeligen Gruß „Freundschaft“ den „lieben Olaf“, aber eben auch einen sehr prominenten Gast auf der Scholle in Weddinghofen begrüßen zu dürfen.

Olaf Scholz in Bergkamen: Die meisten Pächter müssen Abstand halten

Zuerst darf der hiesige Bundestagsabgeordnete und Unterbezirksvorsitzende Oliver Kaczmarek mit dem Mann von der Regierungsbank allein etwas besprechen. Danach ist der Vorsitzende der Kleingärtner, Genosse Michael (Ludwig), mit seinem Gruß an der Reihe. Genosse Roland (Schäfer), dirigiert mit der Routine des scheidenden Bürgermeisters die Pressefotografen: Erstes Gruppenbild mit Abstand und Kohlenlore samt „Glück Auf“ darauf – wie passend.

„Ich wüsste nicht, was er für einen Grund hat, ausgerechnet in den Kleingarten zu kommen“, sagt Norbert Schülsky beim Plausch über den Zaun. Er reckt auf seiner Parzelle den Hals, denn für die Pächter der 50 Gärten heißt es erst recht: Abstand halten. Der Vorstand ist zum Treffen mit dem Gast und den SPD-Kandidaten in der Stichwahl ums Bergkamener Bürgermeisteramt und den Landratstitel in Unna, Bernd Schäfer und Mario Löhr, zugelassen. Dazu von jedem der sechs anderen Kleingartenvereine der Stadt je drei Vertreter. Zu Wort kommen werden sie heute nicht.

Olaf Scholz in Bergkamen: Die Werte der Kleingärtner

Aber Stolz ist Schülsky trotzdem. „Na klar ist das etwas besonderes, wenn der Bundesfinanzminister zu uns kommt“, sagt er und grinst. „Das ist wie mit hohem Besuch in der Firma. Da wird alles in Schuss gebracht und neu gestrichen. So haben wir alle etwas davon.“

Warum die Parteifreunde Scholz nicht zu Bergkamens Prunkstücke namens „Marina Rünthe“ oder „Wasserstadt Aden“ geladen haben, erläutert Kreis--Chef Kaczmarek: „Hier geht es um Werte, die du selbst angesprochen hast, wenn es um unsere Gesellschaft geht und wie wir mit der Coronakrise umgehen: Ein Kleingarten funktioniert nur mit gegenseitigem Respekt vor dem Lebensweg und den Anstrengungen des Einzelnen. Zusammenhalt und Solidarität sind wichtig, wenn wir uns den Herausforderungen dieser Zeit stellen.“

Das nahm der Gast dankbar auf und gab den Dank für die Milliardenhilfe an die Kommunen zurück, dass den Wahlkämpfern warm uns Herz wurde: „Was nutzt das alles, wenn vor Ort keiner eine Idee dazu hat? Wenn sich Menschen wie ihr sich nicht an die Arbeit machen, passiert gar nichts.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare