Ausbildung statt Studium

Ohne Vorwissen zum Landessieger: Azubi aus Bergkamen gewinnt Wettbewerb des Deutschen Handwerks

Manfred Goebert Tim Joel Bretschneider Motorradshop Bergkamen
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Manfred Goebert, Geschäftsführer des Motorradshop Bergkamen, ist froh, dass er sich entschieden hat, Tim Joel Bretschneider (rechts) als Auszubildenden einzustellen. Bretschneider zahlt das Vertrauen mit preisverdächtigen Leistungen zurück.

Lernwillig, motiviert, freundlich: Mit Tim Joel Bretschneider hat der Motorradshop Bergkamen einen Glücksgriff gemacht, findet Inhaber Manfred Goebert. Seine Ausbildung zum Zweiradmechatroniker Fachrichtung Motorradtechnik hat Bretschneider dieses Jahr mit 96 von 100 Punkten abgeschlossen, was den Landessieg im Leistungswettbewerb des Deutschen Handwerks bedeutet

Die Motivation von Tim Joel Bretschneider ist ungebrochen: Die Meisterschule hat der 23-Jährige schon begonnen. Dabei zeigten die Zeichen erst einmal in eine ganz andere Richtung, als der Bergkamener sich an der Willy-Brandt-Gesamtschule auf sein Abitur vorbereitete. „Eigentlich wollte ich etwas in Richtung Biologie oder Chemie machen“, erzählt er. Die Aussicht auf ein mehrjähriges Studium kam ihm dann aber doch nicht so verlockend vor.

„Ich wollte endlich anfangen zu arbeiten“, erzählt er. Also überlegte er, was ihm Spaß machen könnte, und hörte sich in der Umgebung nach freien Lehrstellen um. Da er sich schon immer für Motorräder interessiert hat, fragte er auch bei Goebert nach. „Selbst gefahren war ich bis dahin aber noch nie“, erzählt Bretschneider. Das hat sich inzwischen natürlich geändert: Der junge Mann hat längst seinen Führerschein Klasse A gemacht, hat sich eine gebrauchte Maschine fertig gemacht und begonnen, auch auf der Rennstrecke zu fahren.

Zwei Jahre Meisterschule

Goebert lud den jungen Mann zur Probearbeit ein, obschon er eigentlich gerade beschlossen hatte, seine Ausbildungstätigkeit zunächst auf Eis zu legen. Bretschneider hat in seiner Jugend nie geschraubt, kam also ohne großes Vorwissen – überzeugte Goebert aber dennoch. „Ich habe die Entscheidung zusammen mit dem Team getroffen“, erzählt der Geschäftsinhaber. Der Motorradshop sei ein familiärer Betrieb, die Mitarbeiter seien Freunde. „Da muss es auch menschlich passen.“

Es passt bis heute. „Ich bin nach wie vor überzeugt, dass Tim der Richtige für uns ist“, sagt der Chef. Bisher ist er der einzige Meister im Betrieb. Wenn alles gut geht, ändert sich das in zwei Jahren, wenn Bretschneider die Meisterschule beendet. Deren Besuch ist für ihn nur eine logische Konsequenz aus der Ausbildung, in der er nicht nur in der Werkstatt lernte, sondern aus Interesse auch in die anderen Bereiche des Unternehmens hinein schnupperte. „Es macht Sinn, den Meister direkt hinten dran zu hängen“, sagt er. „Man sollte sich immer weiter bilden und nicht stehen bleiben.“

Optimistischer Blick in die Zukunft

Die Einstellung kommt an. „Tim hat mir den Glauben daran zurückgegeben, dass es junge Menschen gibt, die wissbegierig und motiviert sind.“ Dass in absehbarer Zeit ein zweiter Meister in der Werkstatt beschäftigt sein wird, lässt Goebert optimistisch nach vorn schauen. „Wenn Tim seinen Meister hat, wird mich das stark entlasten, brauche ich mich nicht mehr so um die Werkstatt kümmern.“ Da Tim Joel Bretschneider in der Meisterschule auch seinen Ausbilderschein macht, ist der nächste Auszubildende im Betrieb für das Jahr 2022 angedacht. Er soll sein Handwerk dann direkt von dem frisch gebackenen Meister lernen.

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