Oberadener Volksbühne 20 feierte 90. Geburtstag

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Bürgermeister Roland Schäfer (li.), ehrte langjährige Mitglieder der Volksbühne. Mit dabei: Landtagsabgeordneter Rüdiger Weiß (re.) und SPD-Stadtverbandsvorsitzender Bernd Schäfer (5.v.re.). ▪

BERGKAMEN ▪ Eigentlich sind sie 18 Jahre alt. Wenn Julia Abraham und Ann-Katrin Laschober jedoch auf der Bühne stehen, können aus den jungen Frauen ganz schnell „liebe Omis“ werden. Mit gebeugter Haltung, zittrigen Händen und greisenhafter Stimme gratulierten sie der Oberadener Volksbühne 20 am Samstag zum 90. Geburtstag – und sorgten für manches Augenreiben im Publikum.

Wer hätte gedacht, dass diese rüstigen Seniorinnen mit Krückstock, Rüschenbluse und altmodischer Kopfbedeckung tatsächlich Teenager sind, die gerade ihr Fachabitur in der Tasche haben? Der Einkauf im Second-Hand-Laden hat sich für die beiden Verwandlungskünstlerinnen aus Weddinghofen rentiert. Die Lacher ihrer Zuschauer sind für sie die schönste Belohnung. In Rollen schlüpfen, das tun sie immer wieder gern. Auch wenn sie mit ihrer Ausbildung beginnen – den Rücken wollen die Zwei der Volksbühne 20 nicht zukehren. Texte einstudieren, proben, anders sein. Das möchten sie auch in Zukunft nicht missen.

1973 wurde die Jugendgruppe der Volksbühne gegründet, seit einigen Jahren gehören sie zu den zehn Aktiven dazu. Und sie haben Pläne: Gemeinsam mit ihren Schauspielerkollegen wollen sie in Grundschulen und Kindergärten das Märchen „Das Zauberkissen“ vor jungem Publikum aufführen. „Das wird bestimmt toll“, freuen sich beide auf eine neue Herausforderung.

Gruppe nannte sich zu Beginn „Fledermaus“

Die gibt es bei der Volksbühne reichlich. Und das seit nunmehr neun Jahrzehnten. Das enorme Verwandlungspotenzial der Akteure steckt bereits im Namen des Vereins, der heute 105 Mitglieder zählt. So nannte sich die muntere Truppe anfangs noch „Fledermaus“. Hat sich auch die Bezeichnung geändert, der Publikumszuspruch ist seit jeher ungebrochen. Wenn das Licht ausgeht und sich der Vorhang hebt, ist der Saal in der Regel voll.

Waren es in der Vergangenheit Operetten und ernste Stücke, so sind es heute Komödien, mit denen die Volksbühne weit über die Stadtgrenzen hinaus begeistert. „Die Welt ist schon traurig genug“, spricht sich Dieter Kress ganz klar für Lustspiele aus. Mit seinen 67 Jahren ist er der älteste Akteur. Durch den Feuerwehrkameraden Otto Schlüchtermann stieß er vor 35 Jahren zum Theaterverein. „Ich bin da so hineingeschlittert“, denkt er schmunzelnd an die Anfänge zurück. Bei seinem ersten Auftritt saß er ganz allein auf der Bühne, im Publikum bekannte Gesichter. „Da hätte ich mich am liebsten verkrochen.“ Dass er es nicht getan hat, hat Kress keine Sekunde lang bereut. Ob als Pfarrer, Gespenst oder Homosexueller – der Laiendarsteller geht in seinen Rollen auf.

Wenn die Volksbühne am 17. Oktober zur Premiere ihres neuen Stückes „Die Nacht der Nächte“ oder „Leih dir einen Mann“ ins Gemeindehaus der Martin-Luther-Kirche bittet, ist er wieder dabei. Ebenso wie andere gute Bekannte. So halten nicht nur Edeltraut und Dieter Kress dem Verein 35-jährige Treue. Zu den Alteingesessenen gehören auch Angelika und Arno Möllmann, Ingrid und Heinz Rade sowie Susanne Jürgens und Karin Runte. Auf eine 20-jährige Mitgliedschaft blicken das Ehepaar Rita und Manfred Müller sowie Brunhilde Melmuka zurück.

Für 20 Jahre Vorstandsarbeit wurde jetzt Arno Möllmann ausgezeichnet, für zehn Jahre Claudia Achsnich. Fünf Jahre engagieren sich Karin Runte sowie Klaus Lemmler. ▪ rw

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