Teich am Wieckenbusch als Puffer vernachlässigt?

Blumensiedlung: Hochwasser-Geschädigter macht Stadt Bergkamen Vorwürfe

Einfach nur ein Teich oder der Historie nach ein Regenwasserspeicher? Jens Moellmann meint, dass die Stadt das Gewässer am Wieckenbusch vernachlässigt und eine Chance gegen die Fluten vertan habe. Er steht hier am Mönchsbauwerk zur Regulierung. Das Gewässer lief über.
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Einfach nur ein Teich oder der Historie nach ein Regenwasserspeicher? Jens Moellmann meint, dass die Stadt das Gewässer am Wieckenbusch vernachlässigt und eine Chance gegen die Fluten vertan habe. Er steht hier am Mönchsbauwerk zur Regulierung. Das Gewässer lief über.

Als Oberaden unterging in den Fluten des 14. Juli, hätte es in der Blumensiedlung nicht ganz so arg kommen müssen. So sieht es Anlieger Jens Moellmann und hält der Stadt Versäumnisse vor.

Bergkamen – Blumensiedlung, das klingt nach paradiesischer Wohnlage und sieht auch so aus: Großzügige Gärten hinter den Siedlungshäusern. Der Wieckenbusch, ein kleiner Park mit Spielplatz und Tümpel, liegt gleich dahinter recht idyllisch. Keine Spur mehr von dem verheerenden Bild, dass sich hier am 14. Juli bot: Land unter, wie vielerorts in Oberaden. „Nur, dass es hier ein hausgemachtes Problem ist, weil man den Regenwasserspeicher nicht nutzbar hält“, so schimpft Jens Moellmann.

Karpfen auf der Straße Tulpenhof

„Man“ ist in diesem Fall die Stadt Bergkamen, und auf die ist der Anlieger im Lilienhof nicht gut zu sprechen. Dass bei dem Unwetter, als die Kanäle nichts mehr schlucken konnten, auch noch das Gewässer im Wieckenbusch derart überlief, so Moellmann, „dass im Tulpenhof die Karpfen schwammen und von den Anliegern zurückgebracht wurden“, liege an der Nachlässigkeit der Stadt.

Zitat des Ex-Bürgermeisters ein Beweis?

Der Anlieger mit kapitalem Wasserschaden im Keller spricht – anders als die Verwaltung – stets vom „Regenrückhaltebecken“ Wieckenbusch. Das sei vor Jahrzehnten von der RAG wegen der Bergsenkungen gebaut worden, um das Umland trocken zu halten. Bestätigt sieht er sich darin, dass der vormalige Bürgermeister Roland Schäfer exakt diese Funktion beschrieb, als er in einem Interview vom „Niederschlagsauffangbecken“ sprach, „das dazu dient, die Blumensiedlung zu schützen.“

Es gab schon Stunk ums Fischsterben

Das war im August 2012, als das Becken Schlagzeilen machte, weil darin massenhaft Fische verendeten und es im Paradies höllisch stank. Da machte die inzwischen aufgelöste Siedlergemeinschaft Rabbatz, weil sich keiner um die Kadaver kümmerte. Aber: Mit dem Verweis auf einen „Teich ohne natürlichen Zufluss“ erklärte Schäfer auch, warum „man“ nicht mehr tun könne.

Anlieger sieht ungenutzten Puffer

Immerhin: Die Kadaver wurden abgesammelt. Der Fischereibeauftragte des Kreises fischte den Bestand ab und setze ihn woanders aus, mehrfach mittlerweile. Das Umfeld wurde ermahnt, mit dem Füttern aufzuhören, weil große Mengen altes Brot zudem die Wasserqualität verdorben hatten. „Nur hat man sich um die Pflege nicht mehr gekümmert. Mittlerweile stehen die Enten im Sommer auf dem Trocknen“, klagt Moellmann. „Kein Wunder, dass der Teich schnell überlief. Hätte man ihn mal einen Meter ausgebaggert, wäre da Platz für zigtausend Kubikmeter Regenwasser mehr gewesen.“

Regulierungsbauwerk mit Kanalanscluss

Zumal der Wasserstand durch ein Mönchsbauwerk reguliert wird. Das ist eine Art Miniwehr, hier mit Überlauf in die Kanalisation. Mit Steckbrettern wird der Pegel festgelegt. „Da Unwetter angekündigt waren, hätte man auch vorher schon Wasser ablaufen lassen können, um Reserven zu schaffen“, ist Moellmanns nächstes Argument gegen die Stadt. Als das Wasser aus den Gullys in die Straßen quoll, lief auch am Wieckenbusch nichts ab.

Es soll nicht wieder passieren

„Natürlich wäre hier immer noch Wasser in die Keller gelaufen, aber nicht so viel. 40 Zentimeter oder 1,50 Meter. Das ist der Unterschied zwischen Wasserschaden und Totalschaden“, schimpft der Oberadener. „Ich habe 30 000 Euro Schaden, aber meine Versicherung sagt: einmal kommen wir dafür auf. Andere hat’s schlimmer erwischt. Mir geht es jetzt darum, dass es nicht noch einmal passiert.“

Entwässerungsbetrieb widerspricht

Aber die Verantwortlichen im Rathaus teilen seine Ansichten nicht. Das hat der 42-Jährige schriftlich bekommen, nur zwei Tage, nachdem er seinerseits schriftlich nach den Verhältnissen gefragt hatte: Wer ist Baulastträger? Wer steht bei Schäden in der Haftung? Welches Volumen wird vorgehalten? Und dergleichen mehr. In der Antwort stellt SEB-Leiter Marc Alexander Ulrich sogleich heraus, dass es sich hier nicht um ein Regenrückhaltebecken handle, sondern um einen Teich mit Oberflächenwasserzulauf aus der Siedlung und diffusem Eintrag. Das mache ihn noch nicht zur Entwässerungsanlage, erkärte SEB-Techniker Matthias Kollmann auf Anfrage der Redaktion.

Durch Bergbau in Schieflage geraten

SEB-Leiter Ulrich bestätigt, dass die RAG das Gewässer als Ersatz für die infolge der Bergsenkung nicht mehr funktionierenden Entwässerung über Gräben geschaffen habe. Später sei der Teich so in Schieflage geraten, dass der Abfluss in die Vorflut trocken fiel und der Überlauf ins Kanalnetz nötig wurde.

SEB: Kein Regebnrüchaltebecken

„Es bleibt aber eine Teichanlage, die von uns nicht betrieben und nicht bewirtschaftet wird“, betonte Kollmann. Ein Regenrückhaltebecken müsse baulich ganz andere Standards erfüllen. Ein Umbau sei aufwändig und „ginge zu Lasten der Optik“ – kurzum: das war’s dann mit der Idylle im Park.

Gespräche über Verbesserungen laufen

Gleichwohl wird sich an der Anlage wohl noch etwas tun. „Wir stehen in Gesprächen mit der RAG und dem Lippeverband, um hier noch Dinge zu optimieren“, berichtete Kollmann. Der Bergbau steuere zu den Kosten auch noch etwas bei. Weitergehenden Maßnahmen müsse im Zweifel die Politik entscheiden.

Und die wird sich bald der Frage stellen müssen, wo denn in Erwartungen häufigerer Unwetter Platz geschaffen werden kann für das viele Wasser, das von den versiegelten Flächen zusammenläuft. Nicht nur in der Blumensiedlung, sondern überall in der Stadt.

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