Normal Verrückte in der Volksbühne

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Die Volksbühne, von links Ulrike Mücke, Paul Schulz, Silke Uhlenbrock, Rainer und Claudia Achsnich, bei der Probe einer Szene.

Bergkamen - „Ich spiele im Dreiakter für die Herbstaufführungen ,Neurosige Zeiten' die Dr. Dr. Ilse Schanz, eine Psychiaterin die die Behandlung in einer offenen Wohngruppe bevorzugt”, erzählt Gundi Dahn zunächst ganz sachlich.“ „Innerhalb der Familie hat man im ganz normalen Leben ja manchmal unfreiwillig beste Möglichkeiten der Arbeit im psychologischen, manchmal eventuell sogar psychiatrischen Bereich”, fügt die Vollblutschauspielerin der Volksbühne 20 Oberaden dann herzhaft lachend hinzu.

Im Oktober starten die Theaterprofis aus Oberaden erneut einen Angriff auf die Lachmuskeln ihres treuen Publikums. In diesem Jahr im wahrsten Sinne des Wortes mit der “irren” Komödie Neurosige Zeiten der Autorin Winnie Abel. In dem Dreiakter klären die Darsteller die Frage, wie man Besuch in einer Psychiatrie empfängt, ohne dass der Besuch merkt, dass er in einer Klapsmühle ist? Vor dieser Herausforderung steht die sexsüchtige Agnes Adolon (Silke Uhlenbrock), Erbin einer reichen Hoteldynastie. Denn ihre Mutter Cécile Adolon (Ulrike Mücke) meldet spontan Besuch an. Sie geht aber davon aus, Agnes residiere in einer Villa und nicht in der Psychiatrie. Kurzerhand sollen die Mitbewohner aus Agnes skurriler Wohngruppe nun versuchen, wie „ganz normale” Menschen zu wirken. Das sprichwörtlich wahnwitzige Verwechslungsspiel nimmt seinen Lauf. 

Eine Paraderolle

Für mich ist das eine Paraderolle. Ich bin zunächst wirklich ahnungslos, gehe fest davon aus die einzig Irre in dem Haus ist die Psychiaterin”, erzählt Cécile-Darstellerin Ulrike Mücke. „Das geht sogar so weit, dass mich die Doppeldoktorin in eine Zelle sperren lässt, natürlich nicht ganz legal”, meint Mücke.  „Ganz nebenbei zeigen sich übrigens im Verlauf der Geschichte Parallelen zwischen meinem und dem sexsüchtigen Leben meiner Tochter”. Grund dafür ist der Schlagersänger Hardy Hammer (Wolfgang Scholz), der mit dem liebeswahnsinnigen Fan Marianne (Claudia Achsnich) ebenfalls in der „Klapse” residiert. „Rein zufällig hatte ich vor Jahren mal ein – sagen wir mal recht stürmisches– Verhältnis mit diesem Hardy", gibt Cécile – Verzeihung Ulrike Mücke – mit verträumtem Gesichtsausdruck preis. Wie man schon an diesen Zeilen erkennen kann, es geht im wahrsten Sinne des Wortes verrückt zu in diesem Stück. 

Vergnügliche Stunden sind garantiert

Vergnügliche Stunden mit „total normal Verrückten” sind den Zuschauern garantiert. Wie immer spielen die Darsteller unter der Regie von Rainer Achsnich. Auch drei Darsteller der Jugendgruppe “Spotlight” sind mit von der Partie. „Natürlich ist es mit zunehmendem Alter nicht mehr ganz so leicht, sich die großen Textmengen anzulernen, da muss man heute schon kräftig pauken”, gesteht Achsnich, „aber als alte Hasen können wir natürlich im Notfall improvisieren. Manchmal mache ich das sogar als Darsteller ganz bewusst, wenn ich merke, an irgendeiner Stelle reagiert das Publikum so dass ich mal mit einem schnellen Joke etwas vom Drehbuch abweichen kann". Natürlich weist Achsnich abschließend darauf hin, dass die Volksbühne noch neue männliche Darsteller sucht. Das Bühnenteam hat für die Aufführungen das Bühnenbild eines Aufenthaltsraumes im „offenen Vollzug” einer Psychiatrischen Einrichtung geschaffen.

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