Der niedliche Räuber: Waschbären richten im Kreis große Schäden an

Waschbär
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Ein Waschbärjunges sitzt in einem Baum und beobachtet aufmerksam die Umgebung. Die Tiere sind ein schönes Fotomotiv, das in sozialen Medien mittlerweile oft die Runde macht, aber sie sind auch Räuber, die massive Schäden an Häusern und in der Natur hinterlassen.

Bergkamen – Er klettert auf Bäume, trägt eine schwarze Maske im Gesicht und hat eher Hände als Pfoten. Kein Wunder, dass der niedliche Waschbär ein beliebtes Fotomotiv ist, auch auf regionalen Social-Media-Kanälen, denn das kleine Raubtier ist im Kreis Unna heimisch geworden. Dort richtet er inzwischen großen Schaden an.

Reinhard Middendorf ist erster Vorsitzende der Kreisjägerschaft und auch für Bergkamen Ansprechpartner, bei Problemen mit Wildtieren. Die Entwicklung der Waschbärenpopulation beobachtet er mit Sorge, denn das aus Nordamerika stammende Raubtier ist eine sogenannte invasive Art. Es wurde im letzten Jahrhundert eingeschleppt, genauer gesagt sogar gezielt zur Pelzgewinnung ausgesetzt. Seitdem vermehrt sich der Waschbär rasant, denn Feinde hat er hierzulande nicht. 

28 Tiere in Bergkamen getötet

Aus diesem Grund wird er bejagt. Auf Bergkamener Gebiet wurden im letzten Jahr 28 Waschbären getötet, entweder im Straßenverkehr oder durch Abschuss. Im benachbarten Bönen, einem Waschbär-Hotspot sogar 150 Tiere. Kreisweit beträgt die Jagdstrecke 400 Waschbären. Die Zahlen werden steigen, ist sich Middendorf sicher.

Einfach zu bejagen ist der Waschbär aber nicht. Deshalb erfolgt die Jagd zumeist über Fallen und den anschließenden Abschuss. Das ist aber streng geregelt und erfordert eine Zusatzausbildung. Die erlegten Tiere holt die Fellwechsel GmbH ab. Mit der Verarbeitung soll auch der Handel mit Fellen aus fragwürdiger Herkunft aus China eingedämmt werden, wünschen sich die Jäger aus dem Kreis. 

Da Waschbären hierzulande perfekte Lebensbedingungen vorfinden, ist die Eindämmung trotz Bejagung schwierig. Die daraus folgenden Probleme bekommen Menschen und Tiere zu spüren.

Sie schieben auch Dachziegel beiseite, um ins Haus zu kommen

Reinhard Middendorf rät Hausbesitzern, sich vom Jagdverband und örtlichen Dachdeckern beraten zu lassen, denn Waschbären dringen über Dächer in Häuser ein, wenn sie an Dachrinnen hochklettern. „Die schieben notfalls die Dachziegel beiseite“, macht der Jäger deutlich. „Das gibt massivste Probleme“. Die Bewohner müssen mit Gestank und angefressener Isolierung rechnen.

Auch Überträger von Staupe und Parasiten kann der Waschbär sein, vor allem für Hunde. Für den NABU sorgt sich Bernd Margenburg um Amphibien und Vögel. „Alle Schutzmaßnahmen für die seltenen Geburtshelferkröten waren umsonst“, fasst Margenburg zusammen. Dank Wildkameras konnten die Naturfreunde nachvollziehen, dass der Waschbär die Kröten dort einsammelt, wo die Helfer sie über die Straßen tragen wollen. „Die angeln die Kröten aus den Eimern“.

Der clevere Waschbär holt die Vogeleier aus den Nistkästen 

Für ihn ist der Waschbär auch deshalb ein Problem, weil er so clever ist. Nistkästen können daher seltene Singvögel kaum schützen. Der Waschbär greift mit seinen Händen rein und holt Eier oder Jungvögel heraus. Die geringen Bestände der seltenen Tiere macht die Gefahr noch größer. 

„Wir haben keine zusammenhängenden Bestände, die sich im Schwarm gegenseitig helfen“, macht er das Dilemma deutlich. Bei nur ein bis zwei Brutpaaren ist das nicht möglich. Bernd Margenburg wünscht sich mehr Schutz für heimische Arten, die schon gefährdet sind und den Waschbären nicht mehr verkraften. „Der holt sich was er kriegt“, fasst der Naturschützer das Verhalten der Waschbären zusammen.

In seiner Heimat ist der Waschbär hingegen nicht konkurrenzlos. Große Bären können ihm gefährlich werden. Deshalb ist er in seinem Herkunftsland auch unproblematisch. Margenberg fasst zusammen: „Der Waschbär steht hier am Ende der Nahrungskette. Der hat keine Feinde“.

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