Coronatests für Mitarbeiter

Nicht überall gibt es Testkonzepte: Unternehmen gehen unterschiedlich mit Mitarbeitertests um

Bayer Schild vor Gebäude
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Bayer als größter Arbeitsgeber vor Ort arbeitet gerade an einem Testergebnis

Bergkamen – Für die Bergkamener Bürger sind mittlerweile Testzentren eingerichtet worden, wo jeder einmal wöchentlich kostenlos einen Schnelltests machen kann. Wie sieht es aber in den in Bergkamen ansässigen Unternehmen aus?

Einige Firmen bieten ihren Mitarbeitern inzwischen einmal wöchentlich Selbsttests an, um zusätzliche Sicherheit zu haben und Infektionsketten vorzubeugen – zumal aktuell die Inzidenzzahlen im Kreis Unna wieder massiv steigen. Andere Unternehmen sind noch in der Vorbereitung.

Bayer AG

So wie die Bayer AG, an ihrem Standort Bergkamen mit rund 1800 Mitarbeitern der größte Arbeitgeber. „Wir sind gerade in einer Übergangsphase“, sagt Unternehmenssprecher Martin Pape. Bisher biete das Pharmaunternehmen seinen Mitarbeitern Schnelltests an, wenn sie sich unwohl fühlen und Symptome zeigen, die eine mögliche Covid-Infektion vermuten lässt.

„Wir haben extra Räume für die Tests hergerichtet, haben auch geschultes Personal und das Equipment. Natürlich arbeiten wir bereits als Unternehmen an einer größeren Lösung, die wir flächendeckend allen Mitarbeitern anbieten wollen.“

Wann das genau sein wird, darüber hat Pape noch keine genauen Informationen. Denn bei 1800 Mitarbeitern müsse schon ein Konzept erstellt werden, wer wann wo regelmäßig getestet werden kann, ohne dass alles durcheinander gerät. Es müsse ausreichend geschultes Personal zur Verfügung stehen und natürlich ausreichend Testmaterial.

Martin Pape geht davon aus, dass nahezu alle Mitarbeiter das Angebot nutzen werden. „Wir sind im weitesten Sinn im Gesundheitsbereich tätig, produzieren pharmazeutische Wirkstoffe, da wissen die Menschen, wie wichtig es ist, gesund zu bleiben und Hygieneregeln genau einzuhalten.“

So sei auch die stabile Entwicklung am Standort Bergkamen zu erklären. „Wir haben seit Jahresbeginn bestätigte Fälle im einstelligen Bereich. Wir wissen, dass die Infektionen nicht am Arbeitsplatz, sondern oft im häuslichen Bereich, etwa durch Kinder, erfolgt sind.“ Das zeige, dass die Konzepte, die Ärzte und Mitarbeiter regelmäßig überarbeiten, von den Kollegen auch gewissenhaft umgesetzt würden. um Infektionsketten zu vermeiden.

Hildebrandt stellt den Mitarbeitern auf Anfrage Testmaterial zur Verfügung.

Hildebrandt AG

Die Paul Hildebrandt AG, mit Hauptsitz in Henstedt-Ulzburg nördlich von Hamburg, stellt Industrieverpackungen her und ist seit dem Umzug von Bönen 2018 auch in Bergkamen vertreten. Für die rund 25 Mitarbeiter in der Rünther Filiale seien Tests bestellt, die ihnen in Kürze zur Verfügung gestellt werden sollen, so eine Sprecherin des Unternehmens.

Der Möbeldiscounter Poco stellt seinen Mitarbeitern ab 6. April einmal wöchentlich Selbsttests zur Verfügung.

Poco

„Das Möbelunternehmen Poco stellt seinen Mitarbeitern ab 6. April einen kostenlosen Selbsttest pro Woche zur Verfügung – sowohl im Lager als auch im Markt“, so eine Sprecherin des Unternehmens.

Bei Click & Meet waren zuletzt noch 80 Prozent der Belegschaft vor Ort. „In Bergkamen sind normalerweise rund hundert Mitarbeiter beschäftigt. Seit Mittwoch ist die Zahl für Test & Meet und Click & Collect zunächst reduziert auf 25 Mitarbeiter“, so die Poco-Sprecherin. „Wir werden sehen, wie hoch die Nachfrage ist.“

Interessant sei, so die Poco-Sprecherin, dass die Regeln für die Mitarbeitertestung unterschiedlich sind. „In einigen Bundesländern, etwa in Berlin, ist es Vorschrift, dass die Unternehmen ihren Mitarbeitern zwei Test pro Woche zur Verfügung stellen, in NRW ist das dagegen eine freiwillige Leistung der Unternehmen.“

Landbäckerei Braune

Stefan Braune von der Landbäckerei Braune findet die Mitarbeitertests grundsätzlich gut. „Sie sollten gemacht werden, und wir haben auch welche da, wenn sich Mitarbeiter testen wollen, aber ich finde es nicht richtig, dass Politik sagt, wir Unternehmen sollen die Tests machen, und wenn nicht werden wir dazu verpflichtet. So ein Test kostet zwischen vier und sechs Euro, das ist bei rund 200 Mitarbeitern eine monatliche Belastung für uns in Höhe von etwa 5000 Euro, das ist schon mal eine Hausnummer, gerade jetzt in dieser Zeit, wo wir mit Umsätzen und Kurzarbeit zu kämpfen haben. „Wir haben die Kurzarbeit auf alle Köpfe gleichmäßig verteilt, sodass für jeden einzelnen der Schaden möglichst gering bleibt.“

In den 22 Filialen der Landbäckerei Braune können Mitarbeiter Selbsttests anfragen.

Stefan Braune könnte sich vorstellen, das Testen in der Firma zu organisieren, um die Testzentren zu entlasten, wenn er die Kosten für das Testmaterial nicht übernehmen muss.

In der Produktion wären regelmäßige Mitarbeitertests noch gut zu lösen, findet Braune, in den 22 Filialen müsste das Testmaterial hingeschickt werden. „Wir können dann nicht überblicken, wer die Tests tatsächlich durchführt. Wir haben Tests vorrätig, um Mitarbeiter in Verdachtsfällen testen zu können und wenn jemand danach verlangt, aber eine Teststrategie haben wir nicht.“

Ein weiteres Problem sei die Beschaffung der Selbsttests. „Ich habe gerade 300 Tests bestellt, da bekomme ich aber nur 100, mehr ist im Moment nicht lieferbar. Wir können ja keine Tests verwenden, die nur medizinisches Fachpersonal anwenden darf.“

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