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Nicht nur Gucci, Dior und Prada: Bergkamener handelte sogar mit gefälschtem Viagra

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Von: Sylvia Mönnig

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Kiersper Apotheker weisen auf Risiken bei Viagra-Einnahme und Beratungen hin
Der Bergkamener handelte mit gefälschten Potenzmitteln © Uli Deck/dpa

Der Verlust seines Jobs und Zukunftsängste brachten einen Bergkamener dazu, ein bewährtes Geschäftsmodell aufzugreifen: Der 40-Jährige handelte mit gefälschten Markenprodukten und Potenzmitteln.

Bergkamen/Unna - Plötzlich arbeitslos – das versetzte den Mann aus Bergkamen in Panik und brachte ihn auf die Idee, sein Geld künftig wieder auf die Weise zu verdienen, die ihm in der Vergangenheit schon mehrfach Ärger mit der Justiz eingebracht hatte. Unter falschem Namen mietete er Räume, lagerte dort Plagiate sowie Potenzmittel und verkaufte sie auch.

Über 1600 gefälschte Artikel

Die Auswahl dessen, was er zu bieten hatte, war beachtlich: Bekleidung, Kappen, Schuhe, Parfüm oder Sonnenbrillen. Bei seiner Ware bediente er sich klangvoller Namen – unter anderem Dior, Gucci, Calvin Klein oder auch Prada. Darüber hinaus gab es die verheißungsvoll anmutenden Potenzmittel mit Namen wie „Cobra Vega“.

Bei der Durchsuchung seiner „Geschäftsräume“ Mitte Mai vergangenen Jahres stießen Ermittler auf 1648 gefälschte Markenartikel, knapp 1000 Viagra-Pillen und andere vergleichbare Mittel. Kurz darauf sahen sie sich auch die Wohnung und den Pkw des 40-Jährigen etwas genauer an, stießen auf weitere 300 blaue Pillen und ein T-Shirt, das fälschlicherweise das Label Adidas trug.

Angeklagter räumt alle Vorwürfe ein

Kennzeichenverletzung und Verstoß gegen das Arzneimittelgesetz wurden dem Bergkamener nun vor dem Unnaer Schöffengericht zur Last gelegt. Er räumte alle Vorwürfe unumwunden ein und begründete seine Taten mit dem Jobverlust und seinen Ängsten. Wie viel er mit den Verkäufen an Umsatz und Gewinn erzielt habe, könne er nicht genau sagen. Er habe mit dem Geld alte Schulden beglichen, neue Ware angeschafft und seinen Lebensunterhalt finanziert. Nun aber sei er wieder in seinem alten Beruf tätig und habe es endgültig begriffen. Diesmal werde es keine Wiederholung geben.

Nun hat er Gelegenheit, das unter Beweis zu stellen: Wegen gewerbsmäßiger Kennzeichenverletzung und Verstoßes gegen das Arzneimittelgesetz wurde er letztlich zu einem Jahr und neun Monaten Haft auf Bewährung verurteilt und soll darüber hinaus 3000 Euro Geldbuße an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen.

„Sie haben es uns hier sehr einfach gemacht. Sie haben überhaupt nicht drum herumgeredet“, betonte Richter Jörg Hüchtmann in der Urteilsbegründung. Sie hätten ihm geglaubt, dass er es jetzt verstanden habe, dass eine Bewährungsstrafe als Warnschuss reiche und dass er künftig nicht mehr straffällig werde. Der Verurteilte erkannte die Gunst der Stunde und akzeptierte die Entscheidung umgehend.

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