Neuer Pastor in Bergkamen

Den Kontakt nie verloren: Ralph Vartmann ist wieder zurück in Bergkamen

Als Pastor und Seelsorger möchte Ralph Vartmann den Menschen helfen, sie aber nicht belehren.
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Als Pastor und Seelsorger möchte Ralph Vartmann den Menschen helfen, sie aber nicht belehren.

Manchmal ist die Welt ziemlich klein. Und so führt das Jahr 2021 zwei alte Studienkollegen erneut zusammen – als Geistliche in der katholischen Pfarrei Heilig Geist in Bergkamen. In den 80er und 90er Jahren des alten Jahrhunderts waren Thorsten Neudenberger und Ralph Vartmann zusammen an der Theologischen Fakultät Paderborn eingeschrieben. Neudenberger ist nun schon seit einigen Jahren in Bergkamen tätig und leitet die Pfarrei mittlerweile, Vartmann verstärkt seit Jahresbeginn sein Team als Pastor.

Für Vartmann ist es auch eine Rückkehr, denn schon zweimal war er in Bergkamen im Einsatz. Von 1999 bis 2003 war er als Vikar in der Gemeinde St. Elisabeth, damals noch unter Pfarrer Ulf Doppelfeld tätig, zudem vertrat er 2013/14 für einige Monate einen Kollegen. An den Chor von Herz Jesu in Rünthe erinnert er sich gerne zurück.

„Ich kenne viele Leute in der Gemeinde noch ganz gut. Der Draht war nie durchgeschnitten“, freut er sich über seine Rückkehr, nachdem er in der Zwischenzeit einige Stationen hinter sich gebracht hat. Wenn die Zeit es zuließ, besuchte er in St. Elisabeth auch einige Veranstaltungen. „Man kriegt nicht überall diese Verbindung“, weiß Vartmann, der seinen Wohnsitz ganz in der Nähe der Kirche St. Elisabeth Am Wiehagen aufgeschlagen hat, aus Erfahrung.

Jurastudium war nicht das Richtige

Der Weg zum Pastor war Vartmann, der in Osnabrück geboren wurde und in Bielefeld aufwuchs, keineswegs vorbestimmt. Das Elternhaus war zwar nicht „unreligiös“, Vater und Mutter engagierten sich auch in kirchlichen Organisationen, doch nach dem Abitur 1982 und dem Bundeswehrdienst schrieb er sich an der Uni Bielefeld für Jura ein. Die Paragrafen entpuppten sich allerdings nicht als das Richtige. Nach Gesprächen mit befreundeten Priestern in der Stadt wagte er 1986 den Sprung ins kalte Wasser und wechselte zum Fach Theologie und nach Paderborn.

„Ich war nie ganz fern davon“, sagt er zu seinem Verhältnis zur Religion: „Und als Priester kann ich mit Menschen arbeiten und ihnen helfen. Das war für mich eine Perspektive.“ Ein Kommilitone in Paderborn war übrigens sein künftiger Pastoren-Partner in Bergkamen, Thorsten Neudenberger. Vartmanns Entscheidung war am Ende richtig: 1992 baute er sein Diplom, zwei Jahre später legte er die Prüfungen zum Diakon ab und wurde 1995 zum Priester geweiht.

Neue Gemeinde, neue Menschen, neue Aufgaben

Der weitere Weg führte Vartmann nach Bad Pyrmont, Herne, Wickede/Ruhr, Bergkamen und zuletzt ab 2016 in den Pastoralen Raum Hagen-Mitte-West. „Keine Gemeinde ist gleich“, hat der 58-Jährige auf seinem Berufsweg gemerkt: „Es sind immer wieder andere Menschen und andere Aufgaben, die im Vordergrund stehen.“ Deshalb müsse sich ein Pastor bei jeder Versetzung einarbeiten. „Hier ist das etwas anders“, hat die Rückkehr nach Bergkamen für ihn einen Vorteil.

Vartmann wird künftig eine Doppelrolle einnehmen, denn neben seiner Pastorentätigkeit in Bergkamen ist er vom Erzbistum Paderborn auch zum Seelsorger für die Pfarrei St. Barbara Bönen/Heeren abgestellt worden. Damit verbindet er die Gemeinden, die gemeinsam mit denen in Kamen nun erst ab 2028 einen Pastoralen Raum bilden sollen, schon jetzt. Wie genau seine Aufgaben aussehen werden, wird er noch mit Neudenberger und Benno Heimbrodt, dem Pfarrer in St. Barbara, genau besprechen. „Wir fangen ja erst an“, sagt Vartmann. Anfangen ist ein gutes Stichwort: So wird „Der Neue“ am kommenden Sonntag seine erste Messe in Bergkamen lesen.

Erste Messe am Sonntag

Zusehen und Zuhören können die Gläubigen ihm allerdings nur digital. Wegen der Corona-Schutzvorkehrungen wird der Gottesdienst um 11.30 Uhr live auf dem Youtube-Kanal „Katholische Kirche Bergkamen“ übertragen. Für Vartmann besonders schade: „Wir leiden darunter, dass der Kontakt zu den Leuten nicht da sein kann.“

Neudenberger wird den Neuzugang am Sonntag vorstellen, gute Worte für ihn hat er jetzt schon: „Er hat sein Herz am rechten Fleck, ist authentisch und den Menschen sehr zugewandt.“ Vartmanns Stelle wurde geschaffen, weil gleich zwei seiner künftigen Kollegen zum Teil freigestellt werden. Zum einen Pastor Günter Kischkewitz zu 50 Prozent für ein Trauerpastoral mit Seminaren und Einzelberatung. Zum anderen Pastor Sebastian Zimmert, der 20 Prozent seiner Arbeitszeit für die Gemeindeberatung in der Region aufwenden wird.

Den Menschen auf Augenhöhe begegnen

Vartmann möchte den Gläubigen „auf Augenhöhe“ begegnen, sie begleiten und auch den kameradschaftlichen Aspekt betonen: „Wenn ich kann, helfe ich gerne.“ Dabei möchte er seine Qualifikation als Theologe, als Kenner des Wortes Gottes und der Bibel den Hilfesuchenden zur Verfügung stellen, nicht das Amt. „Ich muss die Leute nicht belehren“, sagt er. Als Priester solle man Autorität haben, müsse sie aber nicht durchsetzen. „Dass man auf einen zählen kann, merken die Leute schon.“

Nicht mehr zählen kann Vartmann dagegen seine umfangreiche CD-Sammlung. Der große Musikfan nennt „ein paar 1000 CDs“ sein Eigen, darunter bei Weitem nicht nur Geistliches, obwohl auch viel Klassik dabei ist. „Ich habe eine Schwäche für die Alten Meister“, sagt der Pastor.

Sein Geschmack ist allerdings breit gefächert. Gerne legt er auch ein Rock-Album auf, ebenfalls eher die Klassiker als die neuesten Stilrichtungen. Bezug zur Musik war schon früh da: „Als ich eingeschult wurde, haben sich die Beatles aufgelöst“, erinnert er sich.

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