Ab 25. Oktober neues VKU-Angebot: S 20/S 40

Land drückt bei neuen Schnellbussen aufs Tempo: Weniger Haltestellen auf dem Weg nach Hamm und Unna

Alltag auf der Linie S 20 im Herzen Rünthes: Bei Tempo 30 muss sich der Bus über die viel befahrene Straße mit Radweg auf der Fahrbahn schlängeln. Die Ein- und Ausstiege der Passagiere brauchen ihre Zeit. Damit es nach Vorschrift flotter geht, müssen künftig Haltestelle entfallen.
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Alltag auf der Linie S 20 im Herzen Rünthes: Bei Tempo 30 muss sich der Bus über die viel befahrene Straße mit Radweg auf der Fahrbahn schlängeln. Die Ein- und Ausstiege der Passagiere brauchen ihre Zeit. Damit es nach Vorschrift flotter geht, müssen künftig Haltestelle entfallen.

Die VKU bringt für Bergkamen im Herbst zwei neue Schnellbusse auf die Straße, muss aber Haltestellen auslassen, damit‘s flott genug läuft

Bergkamen - Ein Schnellbus muss auch halten, was der Name verspricht. Dafür hat das Land als Fördergeber über die Richtlinien aufs Tempo gedrückt: 32,5 Kilometer pro Stunde muss eine „S“-Linie auf der Straße im Durchschnitt schaffen, sonst gibt’s kein Geld dafür. Das ist bloß leichter gesagt als getan in den hiesigen Verkehrsverhältnissen, wie Christiane Doll, neue Verkehrsmangerin der VKU, der Bergkamener Politik gerade erklärt hat.

Vorgabe 32,5 km/h kaum zu schaffen

Da braucht es schon noch etwas Fortune, damit die neue Linie S 40 und eine zur S 60 mutierte Schnellbuslinie 20 ab 25. Oktober Bergkamen fixer mit Hamm, Lünen und Unna verbinden, wie es der Kreistag als Auftraggeber der Kreisverkehrsgesellschaft Unna (VKU) schon beschlossen hat. „Wenn wir im Durchschnitt 30 Stundenkilometer erreichen, sind wir normal gut“, führte Doll im Ausschuss für Umwelt und Verkehr aus, dass die neue Vorgabe „im Ballungsrand kaum zu schaffen“ sei.

Mit weniger Stopps in die Toleranzzone

So ruhen die Hoffnungen unter anderem darauf, die Fahrzeit der neuen Linien (S 20/60: Lünen-Bergkamen-Hamm; S 40: Lünen-Kamen-Unna) zumindest in den Toleranzbereich der Überschreitung zu bringen, damit das Land ein Auge zudrückt. Da die Straßenverkehrsordnung und alle anderen Teilnehmer auf der Straße das Tempo schon regulieren, bedeutet das schlicht weniger Haltestellen auf der Strecke. Im Unterschied zum Regionalbus mit dem „R“ voran, muss der „S“ eine Reihe von Ein- und Ausstiegen auslassen. Zumal der Schnelle dem Konzept nach zwingend Bahnhöfe bedienen muss, die diese Stadt bekanntlich nicht hat, oder zentrale Knoten wie Bergkamens Busbahnhof.

Schneller zu den Knoten - das kostet Haltestellen

In 43 Minuten vom Busbahnhof am Rathaus ohne Umstieg zum Hauptbahnhof Hamm, von Rünthe aus ab der Ketteler-Schule in 29 Minuten. Das ist die Zielmarke, wenn die S 20 demnächst wieder über Herringen hinausfährt, statt umzukehren. Zumindest montags bis freitags soll das stündlich ab 5.45 Uhr bis zur letzten Runde ab 19.45 Uhr so passieren – um 2 bis 19 Minuten schneller als bisher. Sonntags ist allerdings am Herringer Markt wieder Schluss. Um die Kriterien zu erfüllen, wird der neue „S“-Bus nicht mehr alle Haltestellen des alten ansteuern. Im Kattros, Am Stadtmarkt und Zur Seige entfallen. Für Rünthe heißt das: Halt an der Marina, Kanalstraße, Ketteler-Schule und Industriestraße Nord (ohne jeden Schutz, Foto). Letzteres gilt, bis die Haltestelle Bummannsburg auf dem Ostenhellweg in Höhe der Kaufland-Filiale beidseitig realisiert ist. Für die Investition über 200 000 Euro wartet die Stadt noch auf die Förderzusage des Landes. Die S40 schafft die erste Direktverbindung Lünen-Kamen-Bergkamen-Unna. 8 bis 14 Minuten soll der Unnaer Bahnhof ab Stadtmitte schneller erreicht sein. Mit 33 Minuten Fahrzeit im Stundentakt von Montag bis Freitag zwischen 5 und 20 Uhr, samstags von 8 bis 19.30 Uhr. Die Festlegung der Haltestellen in Abstimmung mit Straßen.NRW für die L654/L664 (Lünener Straße/Goekenheide) wirft noch Fragen auf. Oberaden soll am Oberdorf angebunden werden, in Weddinghofen wird an Berliner Straße und Häupenweg gesucht. Das Wellenbad ist gesetzt, der Abstand der anderen Halte muss noch passen.

Möglich wird das, weil der Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe als oberste Instanz wie auch der Zweckverband-Ruhr-Lippe NRW-Gelder aus den Jahren 2020 und ‘21 in die Finanzierung dieser Angebote stecken, den Kauf der dafür erforderlichen Busse inklusive. Der NWL zweigt aus seinem NRW-Topf von 55 Millionen Euro 300 000 Euro pro Anno für den Kreis ab, vom ZRL gibt’s noch einmal 200 000 Euro. Der Zuschuss könne die Kosten decken, führte Sabine Leiße als Verantwortliche im Kreishaus dazu aus.

Auf die Schnelle nur konventionelle Busse

Bei der künftigen S 60 hat die Stadt Hamm den Hut auf, dort wird der Fahrzeugbedarf noch ermittelt. Für die S 40 in Regie der VKU werden zwei Fahrzeuge benötigt und aus dem laufenden Beschaffungskontingent genommen. Anders sei bis zum Herbst an einen Kauf gar nicht zu denken, so Doll. Und schon gar nicht an alternative Antriebe, etwa Stromer. „Wir setzen den klassischen Euro 6-Diesel ein. Anders geht es nicht.“

Abstimmung mit Hamm läuft noch

Mit der Linie wird wieder hergestellt, was die 2009 in Herringen Richtung Hauptbahnhof gekappte S 20 schon mal geboten hat. Die Fahrt geht wieder ins Zentrum und zur Schiene. Das mache einen erheblichen Teil des Fahrgastpotenzials von 2224 täglichen Pendlern aus.

An dem Vertrag mit den Nachbarn wird noch gearbeitet, die Förderung ist aber eingeleitet und die Hoffnung groß, über die Gewährung des vorzeitigen Maßnahmenbeginns die Linien tatsächlich mit Ende der Herbstferien auf die Straße zu bringen, auch wenn das Verfahren den Express-Anforderungen erfahrungsgemäß in keiner Weise genügt.

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