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Neue Pläne fürs Häupenbad: Termin für Rohbau-Start steht fest

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Von: Jürgen Menke

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Nahezu die gesamte Dachfläche des geplanten Häupenbads soll zur Stromproduktion aus Sonne genutzt werden.
Nahezu die gesamte Dachfläche des geplanten Häupenbads soll zur Stromproduktion aus Sonne genutzt werden. © Krieger Architekten

Beim Bau des Häupenbads in Bergkamen gehen die GSW energetisch in die Vollen. Nahezu die komplette Dachfläche ist nunmehr für Fotovoltaik vorgesehen. Das berichtete Geschäftsführer Jochen Baudrexl bei der Übergabe der Baugenehmigung durch Bürgermeister Bernd Schäfer.

Bergkamen – 874 statt 156 Module auf etwa 1600 Quadratmetern Fläche: Die Anlage zur Stromgewinnung aus Sonne wird fast sechsmal größer als bislang geplant. Ihre Leistungsfähigkeit: knapp 330 Kilowattpeak. Die jährliche Produktion soll etwa 262.000 Kilowattstunden betragen.

50 Prozent des Strombedarfs

„Wir decken damit in Kombination mit unserem Blockheizkraftwerk 50 Prozent des Strombedarfs des neuen Bades ab“, erläuterte Baudrexl. Die Kohlendioxid-Einsparung bezifferte er mit rund 88 Tonnen pro Jahr.

Zur Installation der Anlage haben die Gemeinschaftsstadtwerke Kamen, Bönen, Bergkamen als Bauherrin die Statik des Gebäudes anpassen lassen. Die rund 700.000 Euro Anschaffungskosten für die klimaschonende Technik würden sich nach zehn Jahren amortisieren, sagte Baudrexl.

Der Abriss des Wellen-Freibads in Weddinghofen, auf dessen Areal das Häupenbad entstehen soll, ist nahezu abgeschlossen.
Der Abriss des Wellen-Freibads in Weddinghofen, auf dessen Areal das Häupenbad entstehen soll, ist nahezu abgeschlossen. © Jürgen Menke

Schäfer berichtete, dass der Aufsichtsrat des kommunalen Versorgers das Vorhaben begrüße, um die Dekarbonisierung weiter voranzubringen. Die öffentliche Hand wolle an dieser Stelle „mit gutem Beispiel vorangehen“, was angesichts der Kosten-Nutzen-Rechnung aber auch nicht schwerfalle. Auch beim aktuellen Bau des Sesekebads in Kamen legen die GSW in Sachen Fotovoltaik nach. „Hier gibt es allerdings nicht so viele geeignete Dachflächen“, sagte Baudrexl.

Die Baugenehmigung füllt einen ganzen Ordner. Dass sie nach Einreichung des Antrags im Frühsommer bereits vorliegt, sorgt für große Zufriedenheit bei den Beteiligten. Konstruktive Abstimmungsgespräche im Vorfeld seien ausschlaggebend für die vergleichsweise kurze Bearbeitungszeit gewesen, erläuterte Schäfer.

Zeitplan mit Risiko

Das Bauprojekt selbst sei aktuell im Zeitplan, meinte Baudrexl. Der Rückbau des Wellenfreibads, auf dessen Gelände am Häupenweg die neue Schwimmstätte entstehen soll, sei nahezu abgeschlossen, böse Überraschungen in Form von Altlasten habe es „bis auf ein asbesthaltiges Zementrohr im Boden“ nicht gegeben.

Den Plänen nach sollen die Rohbauarbeiten nach Ostern beginnen. Baudrexl hofft, dass das künftige Gebäude noch vor dem Winter zu großen Teilen geschlossen werden kann, sodass sich der Innenausbau gleich anschließen kann. Ab Sommer 2025 sollen die Bergkamener und ihre Gäste von außerhalb die neue Sport- und Freizeiteinrichtung nutzen können.

Sie füllt einen ganzen Ordner: Bürgermeister Bernd Schäfer (l.) und GSW-Geschäftsführer Jochen Baudrexl bei der Übergabe der Baugenehmigung.
Sie füllt einen ganzen Ordner: Bürgermeister Bernd Schäfer (l.) und GSW-Geschäftsführer Jochen Baudrexl bei der Übergabe der Baugenehmigung. © Jürgen Menke

Ob der Zeitplan gehalten werden kann, ist letztlich ungewiss. „Normale Risiken gibt es bei derlei Großprojekten immer“, sagte Baudrexl. Aktuell etwa könne es zu einer Verzögerung kommen, weil der Kampfmittelräumdienst das Gelände wegen zu nassen Untergrunds noch nicht untersuchen könne. „Da geht es aber hoffentlich nur um ein, zwei Wochen.“

Info-Termine und Live-Bilder

Die Gemeinschaftsstadtwerke (GSW) Kamen, Bönen, Bergkamen wollen die künftigen Nutzer des Häupenbads sowie die dortigen Anwohner auf dem Weg bis zur Fertigstellung mitnehmen. So sind laut Geschäftsführer Jochen Baudrexl – analog zum Sesekebad in Kamen – regelmäßige Info-Termine vor Ort geplant. Darüber hinaus werden mithilfe einer Webcam Live-Bilder von der Baustelle online gestellt, sodass der Baufortschritt rund um die Uhr sichtbar wird. Im Internet unter www.gsw-freizeit.de findet sich zudem ein Baustellen-Tagebuch.

Die aktuellen Rahmenbedingungen im Bausektor stimmen den GSW-Geschäftsführer durchaus positiv. Beispiel Auftragsvergabe: Zwar hätten viele Handwerksfirmen noch gut zu tun, so Baudrexls Eindruck. Wegen der gestiegenen Zinsen aber hielten sich viele Häuslebauer und Wohnungsunternehmen in Sachen Investitionen zurück – und in der Folge gelinge es der GSW dann doch, im Zuge ihrer Ausschreibungen ausreichend Angebote einzuholen. „Die Preise bewegen sich zwar in den Hauptgewerken noch auf einem erhöhten Niveau, bleiben aber zumindest stabil.“

„35 Millionen reichen“

Auch im Hinblick auf die Einhaltung des Kostenrahmens zeigte sich Baudrexl optimistisch. Der war – angesichts der zuletzt angespannten Situation mit Materialknappheit, Lieferengpässen und Handwerkermangel – schon vor knapp einem Jahr von ursprünglich 29 Millionen auf knapp 35 Millionen Euro erweitert worden. „Das reicht nach derzeitigem Stand“, meinte Baudrexl.

Bereits fünf Millionen Euro an GSW ausgezahlt

Zur Erfüllung der vielfältigen Aufgaben im Anlagenbau – darunter zum Beispiel die Verlegung von Fernwärmeleitungen und die Errichtung von Bädern – hat die Stadt Bergkamen den GSW einen allgemeinen Investitionskostenzuschuss in Höhe von bis zu 27 Millionen Euro gewährt. Das war im Sommer 2020. Laut Bürgermeister Bernd Schäfer ist im vergangenen Jahr eine erste Tranche von fünf Millionen Euro von dieser Summe abgerufen worden. Ein zweiter Teilbetrag in etwa der gleichen Höhe soll in Kürze fließen. Die Stadt leiht sich das Geld teils vom Kapitalmarkt zu den bei Auszahlung geltenden Zinssätzen. Mittlerweile stehe auch bei Zinssätzen für Kommunalkredite eine drei vor dem Komma, so Schäfer.

Mit dem Bau des Häupenbads scheinen die GSW bis dato mehr Glück zu haben als mit dem kleineren Sesekebad. So gestaltete sich der dafür nötige Rückbau des alten Kamener Freibads komplizierter als erwartet. „Asbest, PBC, Teer – das war ein richtiger Gemischtwarenladen im Erdreich“, schilderte Baudrexl. Unterm Strich habe man ein Vierteljahr verloren.

2,50 Meter dicke Bodenplatte

Das lag aber auch an einer zweiten unerwarteten Tatsache: Die zu entfernende Beton-Bodenplatte des Außenbeckens war nicht, wie angenommen, 40 Zentimeter dick, sondern mit 2,50 Meter mehr oder weniger für die Ewigkeit gebaut. „Das Abrissunternehmen hatte große Probleme mit seinen Maschinen. Wir hatten schon über eine Sprengung nachgedacht“, sagte Baudrexl.

Das Sesekebad soll im Herbst 2024 fertig werden, also noch vor dem Häupenbad. Man darf gespannt sein ...

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