Seit Montag in Betrieb

Neue Awo-Einrichtung: „Schatzinsel“ will Kneipp-Kita werden

Bei der Schlüsselübergabe: (v.l.) Arno Lohmann (Awo-Bezirksverband), Franz Herdring (Ortsvorsteher Bergkamen-Mitte), Wolfram Kuschke (Awo-Unterbezirk), Bürgermeister Bernd Schäfer, Einrichtungsleiter Riccardo Conte und Karin Schäfer (Awo-Kreisverband und -Ortsverein).
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Bei der Schlüsselübergabe: (v.l.) Arno Lohmann (Awo-Bezirksverband), Franz Herdring (Ortsvorsteher Bergkamen-Mitte), Wolfram Kuschke (Awo-Unterbezirk), Bürgermeister Bernd Schäfer, Einrichtungsleiter Riccardo Conte und Karin Schäfer (Awo-Kreisverband und -Ortsverein).

Kneipp’sches Wassertreten und Kinder. Beides würde man auf die Schnelle kaum miteinander verbinden. Beides passt aber sehr gut zusammen, meint Riccardo Conte. Der Erzieher und Fachwirt für Sozialwesen ist Leiter der neuen Kindertagesstätte „Schatzinsel“ an der Marie-Juchacz-Straße in Bergkamen-Mitte. Die Einrichtung der Arbeiterwohlfahrt (Awo) hat am Montag ihren Betrieb aufgenommen, zunächst mit 45 Kindern und fünf Erzieherinnen und Erziehern.

Bergkamen – „Je früher man lernt, gesund zu leben, desto länger bleibt man fit“, sagt Conte. Zum gesunden Leben in der Kita solle das Wassertreten beitragen, das den Kreislauf anrege. Darüber hinaus wolle man sich auch in Sachen Ernährung an der Lehre des früheren Pfarrers Sebastian Kneipp (1821–1897) orientieren. So sollten künftig etwa selbst angepflanzte Kräuter zu Tees oder Lotionen weiterverarbeitet werden. „Auch die Bewegung spielt in unserem Konzept eine wichtige Rolle“, betont Conte.

Die „Schatzinsel“ will die erste anerkannte Kneipp-Kita in der Stadt Bergkamen werden. Dazu entsteht im Außenbereich ein Wassertretbecken, dazu sollen weitere Angebote mit dem Ziel der Gesundheitsförderung realisiert werden – unter anderem in Verbindung mit dem Nachbarn, dem Hermann-Görlitz-Seniorenzentrum der Awo. Das Haus, das seit 52 Jahren existiert und ein 2000 Quadratmeter großes Grundstück zum Bau der Kita abgetreten hat, ist im Zertifizierungsprozess zur Kneipp-Einrichtung allerdings schon bedeutend weiter.

Eröffnung der neuen Awo-Kita „Schatzinsel“ in Bergkamen

Kita „Schatzinsel“ Bergkamen
Kita „Schatzinsel“ Bergkamen
Kita „Schatzinsel“ Bergkamen
Kita „Schatzinsel“ Bergkamen
Eröffnung der neuen Awo-Kita „Schatzinsel“ in Bergkamen

Zum ersten Betriebstag in der „Schatzinsel“ schauten am Montag Vertreter des Trägers vorbei sowie Gäste, darunter Bürgermeister Bernd Schäfer. Er lobte die Awo für ihre „hoch qualifizierte und professionelle Arbeit“, ihre Bereitschaft, Jung und Alt zusammenzuführen, und begrüßte mit Blick auf den Mangel an Kita-Plätzen in Bergkamen das Engagement des Trägers grundsätzlich. „Die angespannte Situation hat sich jetzt etwas normalisiert“, meinte er. Die Bemühungen, für ausreichende Kinderbetreuung im Stadtgebiet zu sorgen, dürften allerdings nicht nachlassen.

In ihre „Schatzinsel“ hat die Awo knapp 2,6 Millionen Euro investiert. Binnen 15 Monaten ist ein zweigeschossiger Bau mit Platz für 75 Kinder in vier Gruppen entstanden; 22 Plätze sind für Mädchen und Jungen unter drei Jahren vorgesehen. Ab April soll die volle Gruppenstärke in der neuen Kita erreicht werden; dann arbeiten hier 14 pädagogische Kräfte, dazu noch Hauswirtschafts- und Reinigungskräfte sowie Auszubildende.

Die Kinder wecken Erinnerungen an die eigene Kindheit oder auch an die Zeit, in der der eigene Nachwuchs noch klein war.

Ludger Moor, Leiter Hermann-Görlitz-Seniorenzentrum

Die Corona-Pandemie stelle die „Schatzinsel“ vor besondere Herausforderungen, meinte Conte. Es gelinge aber, gebührend Abstand zu halten, indem zum Beispiel unterschiedliche Bringe- und Abholzeiten für die Gruppen gelten. Zudem könne aufgrund des großen Platzangebotes jede Gruppe auch autonom betrieben werden. Die 45 Kinder, die sich seit Montag eingewöhnen, besuchten zuvor teils Überhanggruppen in anderen Einrichtungen, wurden von Tageseltern betreut oder waren bei Opa und Oma versorgt.

Ludger Moor, Leiter des Görlitz-Zentrums, berichtete, dass sich die Bewohnerinnen und Bewohner seines Hauses schon sehr auf die Eröffnung der Kita gefreut hätten. „Die Kinder wecken Erinnerungen an die eigene Kindheit oder auch an die Zeit, in der der eigene Nachwuchs noch klein war.“ Zwischen beiden Einrichtungen seien die Wege kurz, gerne könnten die Kita-Kinder nach Absprache auch den Barfußgang des Altenheims nutzen. Laut Moor lassen auch einige seiner Beschäftigten ihr Kind in der „Schatzinsel“ betreuen. Möglich machten dies erweiterte Öffnungszeiten. Die „Schatzinsel“ sei die vierte Kita, mit der man kooperiere und mit der man, falls wieder möglich, Veranstaltungen plane.

Vorbehalte von Anwohnern lösen Befremden aus

Aus Sicht des Vorsitzenden des Awo-Unterbezirks Ruhr-Lippe-Ems, Wolfram Kuschke, geht von der Eröffnung der „Schatzinsel“ ein optimistisches Signal für die Zukunft aus. In Zeiten wie diesen benötige der Mensch auch etwas Schönes, Strahlendes, über das er sich freuen könne. Die Nachfrage nach Betreuung sei in den knapp 60 Awo-Kitas in der Region trotz Corona stets hoch gewesen. „Wir hatten teils eine Auslastung von 60 bis 70 Prozent.“ Für Kuschke ein Zeichen, dass nicht nur das Bedürfnis nach Betreuung, sondern auch die Not in den Familien groß gewesen ist.

Auch für Karin Schäfer, Vorsitzende des Awo-Kreisverbandes Unna und des Ortsvereins Bergkamen-Mitte/Rünthe, ist die Eröffnung der „Schatzinsel“ ein „Highlight“ in Corona-Tagen. Wie zuvor schon Bürgermeister Schäfer, drückte aber auch sie ihr Befremden darüber aus, dass es bei Anwohnern Vorbehalte gegen die Ansiedlung der Kita gegeben hatte. Mitarbeiter der Stadt hätten großen Anteil daran, dass diese Vorbehalte weitgehend hätten ausgeräumt werden können.

Die „Schatzinsel“ ist die neunte Awo-Kita in Bergkamen. Eine zehnte an der Berliner Straße in Weddinghofen soll zum August folgen. Riccardo Conte, seit 2012 bei der Awo, leitete bislang die Kitas „Flohzirkus“ und „Wackelzahn“ in Bergkamen. Neue Leiterin in der Einrichtung „Wackelzahn“ wird dem Vernehmen nach Adriana Gumprich.

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