Künstleraktion

Neue Graffiti zieren Naturfreibad Heil - Öffnung in diesem Sommer ungewiss

Graffiti-Künstler Ted Bartnik (rechts) mit seinem Team von „Surf-Ink-Tattoo“ in Kamen: Drei Stunden dauerte es, ehe das Werk vollbracht war. Mit den bunten Farben sollen vor allem auch Kinder angesprochen und für das Naturfreibad begeistert werden.
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Graffiti-Künstler Ted Bartnik (rechts) mit seinem Team von „Surf-Ink-Tattoo“ in Kamen: Drei Stunden dauerte es, ehe das Werk vollbracht war. Mit den bunten Farben sollen vor allem auch Kinder angesprochen und für das Naturfreibad begeistert werden.

Den Eingangsbereich des Naturfreibads in Bergkamen-Heil zieren jetzt bunte Graffiti aus Schriftzug, surfender Kuh und possierlicher Badeente. Geschaffen hat das Werk der Künstler Ted Bartnik mit Kollegen seiner Firma „Surf-Ink-Tattoo“ in Kamen.

Bergkamen – Der 40-jährige Bartnik unterstützt den Bad-Träger in seinem Bestreben, die idyllisch gelegene Schwimmstätte an der Lippe optisch wieder auf Vordermann zu bringen. Im vergangenen Jahr hatten die Ehrenamtler des Schwimmvereins die größte Sanierungsaktion seit zwei Jahrzehnten gestartet. Geöffnet werde das Natur-Bad in diesem Sommer allenfalls dann, wenn noch mit einer längeren Sonnenperiode zu rechnen sei, sagt Vorsitzender Achim Rudolph (55).

„Danke für den Einsatz“: Schwimmvereins-Vorsitzender Achim Rudolph (rechts) und Sohn Robin Hellweg (links), aktives Mitglied, sind begeistert vom Kunstwerk.

Die Graffiti am Nebengebäude fallen sofort ins Auge. „Sie sollen vor allem Kinder ansprechen“, sagt Rudolph. Denen wolle man ein Erlebnis im Grünen bieten, sie für die Natur begeistern. „Viele sind bass erstaunt, wenn sie die Störche beobachten, die hier rumfliegen, oder auch ganz normale Kühe sehen, die hier grasen.“

Die Vierbeiner auf Nachbars Wiese regten denn auch Bartnik in seiner Kreativität an. „Schon mit seinen ersten Entwürfen waren wir hochzufrieden“, erzählt Rudolph. Dem Surf-Ink-Tattoo bescheinigt er, eine „super Arbeit“ hingelegt zu haben, und das sogar unentgeltlich. „Wir sind nur für die Farben und andere Materialien aufgekommen.“ Man sei zu großem Dank verpflichtet, betont Rudolph, finanziere sich der Verein doch nur aus Spenden, Mitgliedsbeiträgen und Eintrittsgeldern.

Sie heißen Horst und Emma

Kuh und Ente könnten zu Maskottchen des Schwimmvereins werden. Sie haben auch schon Namen bekommen: Horst und Emma. Demnach dürfte es sich beim gehörnten Tier mit Glocke um den Hals und breitem Lächeln im Gesicht eigentlich um einen Bullen handeln.

Horst mit Surfbrett, Emma mit Rettungsring – beide Figuren stehen vor einem weißen Hintergrund und inmitten von blauen Wellen. Kleines, aber feines Gimmick: Wenn die Tür zur Damentoilette in der Bilderwand weit offen steht – und das tut sie während des Schwimmbetriebs in der Regel –, wird sie dank aufgesprühter Welle auf ihrer Innenseite Teil des Kunstwerks.

Die Idee zu einem bunten Hingucker entwickelte Rudolph zusammen mit seinem Sohn Robin Hellweg. Der 27-Jährige stellte auch den Kontakt zu Bartnik her. „Ich male, seit ich Kind bin“, sagt dieser. Erst auf Papier, dann auch auf Leinwand. In der Erstellung von Graffiti – wie etwa auch am Busbahnhof in Bergkamen – sehe er eine weitere künstlerische Ausdrucksform, sagt Bartnik. Wenn im Winter weniger an der frischen Luft zu tun sei, widme er sich in seinem Atelier in Kamen verstärkt dem Stechen von Tattoos.

„Wir haben alles einmal umgekrempelt“

Rudolph hat vor rund zwei Jahren den Vereinsvorsitz übernommen – mit der Idee, das Kleinod Naturfreibad zu neuer Größe zu verhelfen. Und das im Team mit anderen: „Wir haben rund 70 Mitglieder, jüngst sind neue Helfer dazugestoßen. Ich hoffe, sie bleiben dabei.“

Die umfassende Sanierung 2020 ging der Verein auch an, weil das Bad wegen Corona ohnehin geschlossen bleiben musste. Rudolph wäre mit den Arbeiten gerne schon weiter, obwohl bereits viel geschafft ist. So befreiten die Helfer etwa den Lippe-Altarm von Schlamm und statteten ihn mit einem neuen Untergrund aus Holz, Vlies und Kies aus. Vorher wurde das Wasser komplett abgelassen.

Unterm Strich seien die Herausforderungen größer gewesen als gedacht, schildert Rudolph. „Wir haben alles einmal umgekrempelt. Dennoch bleibt viel zu tun. Es sind noch Wände zu streichen, wir müssen im Heizungsraum aktiv werden und, und, und.“ Er selbst würde am liebsten erst wieder öffnen, wenn alles fertig ist und in neuem Gewand präsentiert werden kann – also im Frühjahr mit einem großen Fest zusammen mit der DLRG, die immer die Badaufsicht übernimmt. Einige Mitglieder sehnten allerdings eine Öffnung noch in diesem Monat herbei. „Wir werden sehen, was passiert.“

Starkregen unbeschadet überstanden

Einen Betriebsstart erst 2022 hätte für Rudolph auch den Charme, dass sich Flora und Fauna auf dem Gelände nach dem großen Eingriff in Ruhe erholen und optimal entwickeln könnten. Entscheidend für die Frage des Schwimmbetriebs bleibe aber das Wetter: „Die Leute kommen nur, wenn es mehrere Tage am Stück warm und sonnig ist“, lehre die Erfahrung.

Für den Kiosk im Naturfreibad gibt’s besondere Pläne. „Wir überlegen, mit örtlichen Metzgern zusammenarbeiten, und wollen das Angebot ausbauen“, erläutert Rudolph. Um für Familien mit Kindern interessant zu bleiben, könnte ein Lehrpfad entstehen. „Wir setzen auf unsere Stärke, und das ist die Nähe zur Natur.“ Nach geplanter Schließung des Wellenbads in Weddinghofen zugunsten eines überdachten Neubaus wäre die Heiler Schwimmstätte stadtweit auch die einzige unter freiem Himmel, die öffentlich zugänglich ist.

Den jüngsten Starkregen hat das Naturfreibad im Übrigen unbeschadet überstanden. Aber er hat für ein volleres Becken gesorgt. „Der Wasserstand ist rund 30 Zentimeter höher als sonst.“

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