Großer Aufwand für neue Leitungen

Von Hamm-Lerche nach Bergkamen-Mitte soll bald Gas strömen

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Die Rohre für die neue Ferngasleitung stapeln sich bereits mannshoch auf dem provisorischen Lagerplatz auf der Straße Am Romberger Wald im Grenzbereich zwischen Overberge und Rünthe. Mit ihnen kann eine Strecke von 5,5 Kilometern überbrückt werden.

Overberge/Rünthe – Fast acht Jahre Planungs- und Vorbereitungszeit waren notwendig, um eine neue Erdgasleitung im Zickzack-Kurs von Hamm-Lerche bis zum Bayer-Werk in Bergkamen-Mitte verlegen zu können. Damit soll die Versorgung der Stadt mit H-Gas (siehe Infokasten) auf lange Sicht sichergestellt werden.

Um dieses Vorhaben umzusetzen, galt und gilt es viele „bürokratische Hürden“ zu überwinden, so Bauleiter Adam Ketzer von der Firma Mackscheidt. Die in Essen ansässige Open Grid Europe GmbH (früher Ruhrgas) hat das Unternehmen aus Mülheim mit der Umsetzung des Projektes von Hamm-Lerche bis zum Bayer-Gelände beauftragt. Die auf Rohrleitungsbau spezialisierte Firma steht bereits seit ein paar Wochen „Gewehr bei Fuß“, muss sich vor Ort aber noch mit Vorarbeiten begnügen.

„Wir können erst richtig loslegen, wenn wir grünes Licht von den Archäologen und den Kampfmittel-Experten haben“, berichtet Adam Ketzer in seinem Bürocontainer auf dem Außengelände des Gartencenters Röttger an der Königstraße. An deren Ende hat die Firma parallel zum Fuß- und Radweg auf der ehemaligen Zechenbahntrasse bereits eine Schotterpiste angelegt, um die Rohre demnächst bis zu ihrem Einsatzort zu transportieren.

„Insgesamt müssen wir zwei bis drei Kilometer Bauwege mit Schotter anlegen, weil an manchen Stellen keine direkten Zufahrten zum Baufeld möglich sind“, erläutert der Projektleiter. Auf kürzeren Strecken würde es ausreichen, den Untergrund mit Stahlplatten zu sichern.

Das Baumaterial wird auf dem vor vier Wochen provisorisch angelegten Lagerplatz des Bauunternehmens an der Straße „Am Romberger Wald“ aufbewahrt. Auf der rund 3000 Quadratmeter großen bisherigen Ackerfläche stapeln sich inzwischen mannshoch die Rohre, durch die zukünftig das Gas über eine Gesamtstrecke von rund 5,5 Kilometern geleitet werden soll.

Verlegung unter der Autobahn

Dieses Gelände hat die OGE bis Mitte 2021 angepachtet. „Eigentlich soll die Inbetriebnahme der Leitung Ende dieses Jahres erfolgen. Wir haben aber einen Zeitpuffer eingebaut, falls es zu wetterbedingten Verzögerungen kommt“, erläutert OGE-Sprecher Helmut Roloff. Die Rohre sollen schließlich weitgehend in offener Bauweise in einen Meter Tiefe im Erdreich versenkt werden.

Der erste Bauabschnitt auf Hammer Stadtgebiet ist bereits gut zu erkennen. Dort hat Mackscheidt schon den Mutterboden für die archäologischen Voruntersuchungen abgeschoben. Die Leitungstrasse verläuft vom Übergabepunkt an der Kerstheider Straße über Ackerflächen parallel zur Bahnlinie quer durch die Lercher Bauerschaft Neustadt bis zum Autobahndamm der A1.

Parallel zur Zechenbahntrasse wird im Bereich der Königstraße ein Schotterweg für die Arbeiten zur Verlegung der Ferngasleitung angelegt.

Ab dort wird es kniffeliger: Die Rohre müssen unter der Hansalinie hindurch durchs Erdreich in Richtung Bergkamen gepresst werden. „Wir kommen da in der Nähe des Windrades an der Hansastraße wieder heraus“, erläutert Adam Ketzer. Ab dort verläuft die Leitungstrasse im Zickzack-Kurs durch den nördlichen Bereich von Overberge, weil die OGE Rücksicht auf die Güterverkehrsstrecke der Bundesbahn, einige Straßenverläufe und die Bebauung an der Erlentiefenstraße nehmen muss.

Ersatzpflanzungen geplant

Bis die Rohre auf dem Bayer-Gelände an eine bestehende H-Gas-Leitung angeschlossen werden können, sind allerdings noch sechs weitere Pressungen durchs Erdreich notwendig, und zwar zunächst an den Gleisen der Güterzug-Strecke (Hamm-Oberhausen) und an der Industriestraße. Von dort soll die Leitung parallel zur Rünther Stadtgrenze am provisorischen Lagerplatz vorbei weiter in Richtung Westen führen. Das Bohrpressverfahren durch den Untergrund muss dann noch jeweils bei den weiteren Querungen an der Overberger Straße, erneut an der Bundesbahntrasse und schließlich der Werner Straße angewendet werden.

Auf der Hammer Seite der Autobahn wird bereits das Gehölz beseitigt, um dort die neue Ferngasleitung unterirdisch durchzupressen.

„Die Trasse der bestehenden Ferngasleitungen zu nutzen, ist nicht möglich. Schließlich müssen die Menschen im Kreis Unna ja während der Bauzeit weiterhin mit Fernwärme versorgt werden“, erläutert Adam Ketzer. Die zackelige Linienführung. liege auch an den schwierigen Grundbesitzverhältnissen. Nicht überall seien die Eigentümer zum Verkauf bereit gewesen.

Der Holzeinschlag, der für den Bau der neuen Ferngasleitung erforderlich war, ist allerdings weitgehend abgeschlossen. „Dafür werden wir Ersatzpflanzungen im Bereich der bisherigen Leitungstrasse vornehmen. Und die Schotterwege und Lagerplatzfläche am Romberger Wald werden wir auch wieder in Ackerland verwandeln“, betont der Bauleiter.

H-Gas statt L-Gas

Die OGE (Open Grid Europe - früher Ruhrgas) baut die neue Ferngasleitung, um die Versorgung auch im Bereich von Bergkamen von L- auf H-Gas umzustellen. Das sei notwendig, so die Information des Gasversorgers, weil die L-Gas-Vorkommen in den Niederlanden und in Norddeutschland bis 2030 um etwa 90 Prozent sinken werden. Die neue Leitung wird an der Kerstheider Straße in Hamm-Pelkum an die H-Gas führende Hauptleitung angeschlossen, die von Werne bis Herbstein/Vogelsberg im südlichen Hessen führt. H-Gas soll in der Verbrennung auch sauberer und umweltfreundlicher sein.

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