Zwei Neubaugebiete geplant

Viel Platz für Häuslebauer in Bergkamen – aber wenig Raum für Sozialwohnungen

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Zur Entwicklung des Baugebiets beidseits der Berliner Straße in Weddinghofen lässt die Fakt AG als Flächeneigentümerin derzeit die ehemalige Heideschule abreißen. Das Gebäude stand jahrelang leer.

Im Westen Bergkamens werden zwei größere Baugebiete mit insgesamt rund 180 Wohneinheiten entwickelt. Der öffentlich geförderte Wohnungsbau nimmt dabei einen geringeren Stellenwert ein als von der Politik erwartet. Das gab in der Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung Anlass für Kritik.

Bergkamen – Die Baugebiete liegen innerorts an der Berliner Straße in Weddinghofen sowie, zentral in Oberaden, zwischen Jahn- und Hermann-Stehr-Straße. Für das erste liegt bereits seit Längerem ein gültiger Bebauungsplan samt städtebaulichem Vertrag vor, für das zweite erstellt der Projektentwickler, die beta Baulandentwicklungsgesellschaft mbh, derzeit einen Rahmenplan. Die Planungen im Einzelnen.

Das Neubaugebiet Berliner Straße:

Hier sind beidseits der Straße 65 Wohneinheiten auf vorgesehen, vorwiegend in Doppelhaushälften und in Reihenhäusern. Dazu hat die Fakt AG, die die Fläche samt altem Heide-Schulgebäude schon vor etlichen Jahren von der Stadt erworben hat, einen neuen Partner ins Boot geholt: die Bonava Deutschland GmbH mit Sitz in Fürstenwalde, Büro unter anderem in Düsseldorf, rund 1 000 Mitarbeitern und Wurzeln in Schweden.

Die ehemalige Heideschule wird seit wenigen Tagen abgerissen. Gegenüber, westlich der Berliner Straße, entsteht derzeit durch die UKBS für rund 2,5 Millionen Euro ein Kita-Neubau für die „Vorstadtstrolche“ der Arbeiterwohlfahrt. Die Fläche dafür hatte die Fakt AG wieder an die Stadt abgetreten.

Bonava will Eigenheime in verschiedenen Preisklassen anbieten, wie Vertreter des Unternehmens erläuterten. Beim günstigsten Reihenmittelhaus (ohne Keller und auf 240 Quadratmetern großem Grundstück) versuche man, unter 300.000 Euro Verkaufspreis zu bleiben. Ansonsten gehe es etwa bei den sechs geplanten Einfamilienhäusern hoch bis über 400.000 Euro.

Vor dem eigentlichen Abriss wird die Ex-Heideschule entkernt.

Öffentlich geförderte Wohnungen sind laut Bonava zunächst nicht vorgesehen. Das verwunderte die Politik, denn genau dies sieht der städtebauliche Vertrag mit der Fakt AG vor, deren Rechte und Pflichten auf Bonava übergehen. Zwar hatte auch Bergkamens Erster Beigeordneter Dr.-Ing. Hans-Joachim Peters zunächst mitgeteilt, dass die Bonava-Pläne sowohl B-Plan als und dem Vertrag entsprächen. Als Knut Bommer (SPD) dann aber überraschend Paragraf 5 aus dem Papier vorlas, der insgesamt zwölf Sozialwohnungen festschreibt, musste er diese Einschätzung revidieren.

Zuvor hatte Peters bereits auf die Entscheidung des Bauträgers Bezug genommen, mangels erwarteter Nachfrage auf die im B-Plan berücksichtigten Mehrfamilienhäuser zu verzichten. Hiermit schlucke die Stadt zwar eine Kröte, räumte der Erste Beigeordnete ein. Auf der anderen Seite könne man froh sein, dass die Planungen für das Baugebiet weitergingen. Kritik an den Bonava-Plänen gab’s auch angesichts der Grundstücksgrößen. Die sollten sich nach Meinung der örtlichen Politik mindestens 300 Quadratmeter betragen, um allzu dichte Wohngebiete zu verhindern.

Thomas Heinzel (CDU) zeigte sich im Ausschuss „irritiert“ von den Ausführungen zum Baugebiet. „Wir rennen sehenden Auges ins Unglück“, meinte er und fügte die Frage hinzu: „Wozu machen wir eigentlich die Rahmenbedingungen?“ Zuvor hatte bereits Rüdiger Weiß (SPD) leicht resigniert festgestellt, dass die Stadt häufig Grundstücke unter Auflagen veräußere, diese aber später mit dem Argument zurückgewiesen würden: „Das gibt der Markt nicht her.“

Bonava zog zumindest die Möglichkeit in Erwägung, aus den Reihenmittelhäusern öffentlich geförderte Miet-Reihenhäuser zu machen. Dazu müsse man sich aber einen Partner suchen, weil man kein Bestandshalter sei.

Das Neubaugebiet an der Jahnstraße:

Für die fünf Hektar große Fläche in Oberaden, im Volksmund „Erdbeerfeld“ genannt, wurde der städtebauliche Rahmenplan überarbeitet. Grund war laut Projektentwickler „beta Bauland“ eine fehlende Einigung mit einem der Grundstückseigner. Mittlerweile habe man aber mit dem Betroffenen verständigt und Zugriff auf alle Flächen, hieß es im Ausschuss.

Die Zahl der geplanten Wohneinheiten hat sich von einst 137 auf nunmehr 118 reduziert. Das liegt vor allem am Verzicht von Mehrfamilienhäusern. Fünf waren im südlichen Bereich direkt an der Jahnstraße geplant, jetzt sind es auf dem Papier nur noch drei, wobei auch „beta Bauland“ erklärte, dass man für Sozialwohnungen im Geschosswohnungsbau derzeit kaum Nachfrage sehe. Als Alternative schweben dem Unternehmen 18 geförderte Miet-Reihenhäuser vor. Damit würde die politische Zielmarke von mehr als 40 Wohnungen zu ermäßigten Quadratmeterpreisen verfehlt.

Als „Erdbeerfeld“ ist die derzeit größtenteils landwirtschaftlich genutzte Fläche zwischen Jahn- und Hermann-Stehr-Straße in Oberaden bekannt. 

Die Grundstücke im „Erdbeerfeld“ will „beta Bauland“ an Bauträger vermarkten, viele aber auch bauträgerfrei anbieten. Vorwiegend sind Doppelhaushälften geplant, aber auch knapp 30 freistehende Einfamilienhäuser. Erschlossen werden soll das Baugebiet von Westen her über die Jahnstraße sowie von Süden über die Hermann-Stehr-Straße.

Die zentrale Grünfläche mit Kinderspielplatz wird im Zuge der Überarbeitung des Rahmenplans rund 150 Quadratmeter kleiner. Dies wurde im Ausschuss kritisiert. Die Mitglieder machen sich auch Sorgen um die Bäume nordwestlich im Baugebiet. Peters regte an, die gesetzlich vorgesehenen Ausgleichsflächen womöglich im Plangebiet selber zu schaffen.

„beta Bauland“ will mit der Vermarktung der Flächen so schnell wie möglich starten. Für die notwendige Aufstellung eines Bebauungsplans sprach sich am Montag der Ausschuss für Umwelt, Bauen und Verkehr aus. Gegenstimmen kamen nur von den Grünen und von BergAUF. Der B-Plan diene vorrangig Vermarktungsinteressen, dem Naturschutz werde im vorgesehenen beschleunigten Verfahren zu wenig Bedeutung beigemessen, argumentierte etwa Thomas Grziwotz, stellvertretender Fraktionsvorsitzender der Grünen. Zudem war ihm der Anteil an Mietwohnungsbau zu gering. 

Über die Aufstellung eines B-Plans beraten am Donnerstag noch der Hauptausschuss sowie abschließend der Stadtrat. Weil es auf Basis des ursprünglichen Rahmenplans bereits eine Bürgerversammlung gab, ist eine weitere Bürgerbeteiligung nur auf digitalem Weg und per Aushang im Rathaus geplant.

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