„Wegen der Ehre“ startet Aktionsprogramm und Film

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Das Netzwerk „Wegen der Ehre“ startet das Aktionsprogramm „HeroesGegen die Unterdrückung im Namen der Ehre“ und den Film „Töchter des Aufbruchs“. -

BERGKAMEN -  Mit gleich zwei neuen Programmen startet das Netzwerk „Wegen der Ehre“ in den Herbst: Zum einen gibt es kreisweit die Filmvorführung „Töchter des Aufbruchs“, zum anderen soll mit „Heroes – Gegen Unterdrückung im Namen der Ehre“ ein neues Aktionsprogramm auf den Weg gebracht werden.

„Töchter des Aufbruchs“ ist ein Dokumentarfilm von Uli Bez, der aus dem Leben von Migrantinnen unterschiedlicher Generationen erzählt. „Der ist spannend, lustig, anrührend und unheimlich unterhaltsam“, erzählt Sevgi Kahraman-Brust vom Kommunalen Integrationszentrum (KI), das Teil des Netzwerks ist. „Es war für mich überraschend zu sehen, wie viele Frauen alleine nach Deutschland kamen, um ihre Familien zu Hause von hier aus unterstützen zu können. Im Fokus stehen sonst immer die Gastarbeiter und deren Frauen“, erklärte Bergkamens Gleichstellungsbeauftragte Martina Bierkämper.

In allen Städten und Gemeinden des Kreises wird der Film im Rahmen von Veranstaltungen gezeigt, in denen anschließend diskutiert wird oder Gesprächsrunden mit Frauen stattfinden, die ihre eigene Geschichte erzählen. In Bergkamen sollen Schüler der Willy-Brandt-Gesamtschule den Film sehen – und hier auch explizit die Jungen. „Der Film spricht alle Generationen an“, betont Sevgi Kahraman-Brust. „Ich bin gespannt, wie die jungen Leute den Film aufnehmen. Vielleicht fühlen sich ja alle inzwischen deutsch und kennen die im Film geschilderten Probleme gar nicht mehr.“

Durchaus aktuell sind allerdings die Themen Zwangsheirat und Gewalt in der Familie. „Wir können nicht sagen, dass wir im Kreis Unna keine Fälle davon haben. Es gibt Mädchen, die Hilfe suchen“, erklärt Sevgi Kahraman-Brust. Daher möchte das Netzwerk alles dafür tun, dass die Mädchen auch Hilfe bekommen können. Am Mittwoch, 3. Dezember, gibt es von 13 bis 17.30 Uhr im KI an der Schulstraße 8 in Bergkamen daher den Startschuss zum Projekt „Heroes - Gegen die Unterdrückung im Namen der Ehre.“ Es wurde in Berlin entwickelt, danach in Duisburg und Köln adaptiert. Nun soll es auch den Kreis Unna erobern.

„Angesprochen sind alle Jugendamtsmitarbeiter, freie Träger der Jugendhilfe und Fachkräfte aus Jugendeinrichtungen, sich bei der Auftaktveranstaltung am 3. Dezember zu informieren. Bei Heroes sollen junge Menschen das Umdenken und Infragestellen lernen. Themen wie Gleichberechtigung, Ehre und Menschenrechte sollen für sie zu etwas Selbstverständlichem werden. Jungen und Männern soll die Chance gegeben werden, sich von Machtstrukturen wie der Ehrenunterdrückung von Mädchen und Frauen zu distanzieren. Sie sollen Grenzen, die ihnen die Ehrenkultur setzt, überwinden können. Entsprechend ausgebildet, sollen sie dann selbst als Multiplikatoren dienen und Workshops zum Thema leiten.

„Bis es soweit ist, dauert es noch. Wir sind erst ganz am Anfang“, sagt Sevgi Kahraman-Brust. Gestartet wird mit der Informationsveranstaltung am 3. Dezember, bei der Susanne Lohaus, Heroes-Projektleiterin in Duisburg, referieren wird. Die Teilnahmegebühr beträgt zehn Euro, Anmeldeschluss ist der 26. November. „Es wäre toll, wenn sich aus jeder Stadt zumindest ein Junge oder Mann finden würde“, hofft Sevgi Kahraman-Brust. Ob sich das Programm anschließend installieren lässt, muss der Veranstaltungsverlauf zeigen – und die Sponsorenfrage. „Wir suchen noch Kooperationspartner, die das Programm eventuell auch mitfinanzieren“, sagt die Fachfrau vom KI. Denn ihr und dem Netzwerk ist es wichtig, dass jegliche Form ausgeschöpft wird, die hilfesuchenden Mädchen und Frauen auch Hilfe bieten kann. - tat

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