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Streit um den zweiten Rettungsweg fürs Rünther Hafenfest: Bezirksregierung hebt den Zeigefinger

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Von: Bernd Kröger

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Um diese Brücke geht‘s - zu schmal und zu schwach für Rettungsfahrzeuge. Hier soll ein Rohr in den Bach, damit eine Überfahrt angeschüttet werden kann.
Um diese Brücke geht‘s - zu schmal und zu schwach für Rettungsfahrzeuge. Hier soll ein Rohr in den Bach, damit eine Überfahrt angeschüttet werden kann. © Kröger

Es bleibt dabei: Ein Weg durchs Schutzgebiet Beversee wird als Rettungsweg fürs Hafenfest ertüchtigt - trotz Widerspruch der Naturschützer. Aber sie verbuchen zumindest einen Teilerfolg.

Rünthe – Gleich zwei Glanzstücke im bescheidenen Schmuck der Stadt Bergkamen liegen in Rünthe – und eigentlich friedlich nebeneinander: Die Marina mit ihrem maritimen Mikrokosmos und dem Hafenfest als stärkstem Imageträger Bergkamens sowie das Naturschutzgebiet Beversee als Rückzugsort seltener Fauna und Flora. In der Abwägung dieser Werte ist die Natur in einer Streitfrage zu kurz gekommen.

Öko-Bilanz muss überarbeitet werden

Denn vom Tisch wischen, wie im Juni im Kreisausschuss geschehen, lassen sich die Einwände des Naturschutzbeirates gegen den Eingriff für den unerlässlichen zweiten Rettungsweg fürs Hafenfest durch das Biotop nicht. So hat es die Bezirksregierung festgestellt und den Kreisbehörden wie der Stadt als Verursacher aufgetragen, bei der Öko-Bilanz für die Baumaßnahmen genauer nachzurechnen. Die Obere Naturschutzbehörde möchte auch konkreter benannt sehen, wofür genau die geplante Ausgleichszahlung in dem vom RVR betreuten Feuchtgebiet verwendet wird.

Ohne 2. Weg kein Fest mehr

Ohne die Verbesserung für den Notfall, der nie eintreten möge, ist an eine Wiederaufnahme des zuletzt von Corona ausgebremsten Hafenfestes mit großer Strahlkraft nicht zu denken. Über Werner Straße und Hafenweg strömen die Massen in eine Sackgasse. Der zuvor ausgewiesene Notfallweg am Kanalufer entlang und über privates Terrain genügt den Anforderungen nicht mehr. Nur haben die pandemiebedingten Absagen kaschiert, dass es gar keine Feste gegeben hätte, weil diese Frage über drei Jahre nicht final geklärt war.

Bezirksbehörde prüft Dissenz

Mit der umstrittenen Entscheidung, entgegen der Stellungnahme des zu beteiligenden Beirats den bestehenden Weg durchs Naturschutzgebiet zu ertüchtigen, ist die Absicherung der überregional bedeutenden Veranstaltung aber eingeleitet. Daran ändert auch die Kritik der Bezirksregierung nichts. Sie ist von Amts wegen damit befasst, wenn mit dem Beirat kein Einvernehmen erzielt werden kann.

Beirat: IGA beschert doch Lösung

Der Vorsitzende Christian Kruthoff hat hier – und an anderen Stellen – zudem Beschwerde eingelegt. „Da wissen Sie mehr als ich“, lautete seine erste Reaktion. Von offizieller Stelle habe er noch keine Antworten. Die Genugtuung hält sich aber in Grenzen: „Uns wäre trotzdem, auch in Verbindung mit den IGA-Plänen, eine Lösung am Kanalufer entlang lieber.“ Dann wären die Retter bis zur Jahnstraße im Begegnungsverkehr dort unterwegs, wo der asphaltierte breite Radweg bis ‘27 kommen soll.

Genehmigung erfolgt in Kürze

Wie geht’s nun weiter? „Wir arbeiten noch an bestimmten Details der Genehmigung“, berichtete Marten Brodersen von der Unteren Wasserbehörde des Kreises Unna. „Sie wird in nächster Zeit aber erteilt.“ Unter anderem müsse die Stadt noch konkretisieren, wie eine Holzbrücke über einen Beverzulauf im Detail durch eine Überfahrt ersetzt wird, damit Rettungsfahrzeuge sie passieren können. Dazu werde eine Stahlröhre aus Wellenprofil in den Bach gesetzt. „Mit 2,20 Metern Durchmesser, damit Platz ist für Sohlsubstrat.“ Das sorgt dafür, dass auch Tiere das Rohr durchqueren können. Außerdem muss ein zu schmales Teilstück des Weges ausgebaut werden.

Viele Wege sind eh befahrbar

„Wesentliche Teile der Wege sind ohnehin befahrbar. Der RVR muss ja für Kontrollen und Pflegearbeiten in das Gebiet“, so der Fachmann. Außerdem müssten Rettungskräfte ohnehin hineinkommen für den Fall, dass einer der vielen Spaziergänger in Not gerät.

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