Vietnamesischer Clan

Nagelstudio-Prozess: Angeklagter aus Bergkamen aus der Haft entlassen

Vor dem Landgericht Münster begann am Freitag, 26. Juni 2020, der Prozess gegen den „Nagelstudio-Clan“. Die sechs Angeklagten werden von zwölf Anwälten verteidigt.
+
Vor dem Landgericht Münster begann am Freitag, 26. Juni 2020, der Prozess gegen den „Nagelstudio-Clan“.

Werne/Bergkamen/Münster – Da waren´s nur noch vier: Im Nagelstudio-Prozess am Landgericht Münster ist am Freitag der Zweite von ursprünglich sechs Angeklagten auf freien Fuß gekommen.

Gegen den jüngsten aus der vietnamesischen Bande, einen 29-jährigen Mann aus Bergkamen, trennte die 12. Große Strafkammer das Verfahren ab und verhandelte gestern nur gegen ihn. Am Ende des Tages wurde der Mann mit einer Geldauflage von 3500 Euro aus dem Gefängnis entlassen.

Bereits Anfang September hatte das Gericht das Verfahren gegen eine 33-jährige Frau aus Rottweil eingestellt. Sie kam ebenfalls mit einer Geldauflage davon, weil sie nach Auffassung der Kammer nur Beihilfe zu den millionenschweren Betrügereien geleistet hatte.

Bergkamener gehörte nicht zum inneren Zirkel

Damit konzentriert sich der Prozess nun auf den eigentlichen Kern des vietnamesischen Clans, der laut Anklage Sozialversicherungsbeiträge und Steuern in Millionenhöhe hinterzogen haben soll. Die Staatsanwaltschaft geht dabei auch von Geldwäsche und Menschenhandel aus, um die Nagelstudios in ganz NRW profitabel, aber illegal betreiben zu können. Unter anderem auch in Werne.

Der Bergkamener gehörte nicht zum inneren Zirkel der Bande. Er stieß quasi als Seiteneinsteiger dazu und sollte zunächst genau wie seine vietnamesischen Landsleute in einem der Studios abhängig arbeiten. Weil er sich sowohl handwerklich als auch geschäftlich als sehr talentiert erwies, stieg er in der Hierarchie rasch auf, wurde erst Geschäftsführer, dann offizieller Inhaber eines Nagelstudios. Im Verfahren kam ihm nun zugute, dass er schon früh ein umfassendes Geständnis abgelegt hatte. Der 29-Jährige reagierte gestern sichtlich erleichtert auf sein Prozessende. Er verzichtete auf Entschädigung für seine fast einjährige Untersuchungshaft und auch auf das Bargeld, dass die Polizei im Zuge der Razzien im November 2019 bei ihm gefunden hatte.

Der Prozess gegen die beiden Clanchefs, zwei Brüder im Alter von 48 und 55 Jahren, sowie deren 38-jährige Nichte und einen 41-jährigen Vietnamesen aus Paderborn, wird in der nächsten Woche fortgesetzt. Sie sitzen alle noch in U-Haft

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare