Bahnargumente hinfällig

Neuer politischer Druck: Bahn-Anschluss für Bergkamen und Pelkum möglich 

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Bergkamen – Das jahrzehntelange Bemühen der Stadt, wieder an den Schienenverkehr angeschlossen zu werden und einen eigenen Bahnhof zu bekommen, könnte endlich auf die Erfolgsspur gelenkt werden.

SPD und CDU im Unnaer Kreistag springen gemeinsam auf das Thema an und stellen jetzt den Antrag an Landrat Michael Makiolla, die politischen Weichen für den Personenverkehr auf der Hamm-Osterfelder Bahnstrecke zu stellen. 

Den Zeitpunkt, das Vorhaben anzustoßen, halten SPD und CDU für „ideal“: Aktuell werden der ÖPNV-Bedarfsplan des Landes NRW sowie der Nahverkehrsplan Westfalen-Lippe des Zweckverbands Nahverkehr Westfalen-Lippe (NWL) erarbeitet. 

„Es ist also angezeigt, frühzeitig auf die zuständigen Stellen zuzugehen und auf diese im Sinne der Realisierung eines SPNV-Anschlusses für die Stadt Bergkamen einzuwirken“, so die Antragsteller.

Es gab zwei Bahnhöfe im Stadtgebiet

SPNV steht für Schienenpersonennahverkehr, und den hatte man einst auf eben jener Strecke: Noch heute zeugen die Bahnhofstraße in Oberaden, die Bushaltestelle „Oberaden Bahnhof“ und der Gebäuderest, der die Buchhandlung Best-Harder beherbergt, von dieser Zeit. 

Den alten Bahnhof Bergkamen im Bereich von Reifen Arnold an der Werner Straße kennen allerdings nur besonders Ortskundige. Die Strecke für den Personenverkehr zu reaktivieren, schien allerdings lange aussichtslos, denn die Bahn erklärte stets, dass sie durch den Güterverkehr ausgelastet sei und hinsichtlich der Ausstattung auch nicht in Frage komme. 

Argumente der Bahn sind augenscheinlich hinfällig

Stattdessen träumte man bei der Stadtverwaltung von einer Stadtbahn, für die aber stets das Geld fehlte. Die wochenlange Sperrung der Bahnstrecke Dortmund-Hamm im Sommer zeigte dann aber, dass die lange vorgebrachten Argumente der Bahn bezüglich der Hamm-Osterfelder-Bahn augenscheinlich hinfällig sind.

 Da wurde die Güterstrecke nämlich zur Umleitung der Personenzüge zwischen Dortmund und Hamm genutzt: Zwei Regionalexpress-Linien und eine ICE-Linie nutzen die Hamm-Osterfelder-Bahntrasse. Was fehlte, war lediglich ein Haltepunkt, sonst hätten Bergkamener direkt vor Ort in die Züge steigen und auf der zweigleisigen Strecke nach Hamm beziehungsweise Dortmund fahren können, wo Anschlussmöglichkeiten an den Fernverkehr bestehen.

Bergkamen hat 50.000 Einwohner, aber keinen SPNV-Anschluss

„Die Stadt Bergkamen ist eine der wenigen Städte mit 50.000 Einwohnern, die über keinen SPNV-Anschluss verfügt“, stellt Brigitte Cziehso, Vorsitzende der SPD-Kreistagsfraktion, fest. Unter Mobilitäts- und Klimaschutzgesichtspunkten wäre dies ein Zustand, der nicht hinzunehmen sei. Wilhelm Jasperneite, Vorsitzender der CDU-Fraktion im Kreistag Unna, sieht die Umleitung im Sommer als einen von mehreren Belegen an, „dass die Strecke nicht (mehr) vollständig mit Güterzügen ausgelastet“ sei.

Die verwendete Argumentation kommt politisch interessierten Bergkamenern bekannt vor: In diversen Fachausschüssen des Rates waren diese bereits zur Sprache gekommen. Beim Neujahrsempfang der CDU hatte Stadtverbandsvorsitzender Marco Morten Pufke sie nochmals zur Sprache gebracht und Uwe Reichelt (SPD) hatte in einer Ausschusssitzung mit einem Zeitungsartikel gewedelt, der von der Freigabe eines Teilstücks der Hamm-Osterfelder-Bahn zwischen Herten und Recklinghausen für die Personenbeförderung berichtete.

Strecke vorhanden, technische Ausstattung reicht aus

Der Antrag von CDU und SPD soll im Ausschuss für Kreisentwicklung und Mobilität, im Kreisausschuss sowie im Kreistag beraten werden. Aufgrund der Mehrheitsverhältnisse ist die Abstimmung darüber eine reine Formsache. Einen ersten Bericht des Landrates über seine Bemühungen wünschen sich SPD und CDU dann am 11. März in der Sitzung des Ausschusses für Kreisentwicklung und Mobilität. 

Aus Sicht von Marco Morten Pufke (CDU) spricht viel für einen Erfolg der Maßnahme: Die Strecke ist vorhanden und die technische Ausstattung ausreichend. „Das muss aber alles auch möglichst günstig bleiben“, sagt Pufke, weshalb auch der notwendige Bau eines neuen Bahnhofsgebäudes eine Rolle spiele. 

Früher gab es bekanntlich zwei im Stadtgebiet, „wir werden wenn aber wohl nur einen bekommen.“ Und man sich dann wegen der dichteren Besiedelung für Oberaden oder wegen der vorhandenen Parkmöglichkeiten am Beversee-Wanderparkplatz für Overberge entscheide, müsse die Zeit zeigen.

Option für einen Bahnhof in Pelkum

Eine Freigabe der Hamm-Osterfelder-Bahn für den Personennahverkehr würde über die Stadtgrenzen hinaus Wirkung haben: Neben einem Halt in Bergkamen könnte auch der Hammer Ortsteil Pelkum dann wieder in den Genuss eines eigenen Bahnanschlusses kommen. 

„Dann gäbe es wieder eine Strecke „Hamm-Pelkum-Dortmund über Bergkamen“, hofft Marco Morten Pufke, auch in Hamm Rückendeckung für das Projekt erhalten zu können.

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