Gutachter sagt aus

Nach Vergewaltigung einer Schülerin in Bergkamen: Täter droht Sicherungsverwahrung

Vergewaltigung Angeklagter Anwalt Landgericht
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Der Angeklagte aus Bergkamen hat gestanden, eine 15-jährige Schülerin, vergewaltigt zu haben. 

Selten ist ein Fall am Dortmunder Landgericht so knifflig wie dieser: Klar ist, dass den geständigen Vergewaltiger einer 15-jährigen Schülerin in Oberaden eine lange Zeit hinter Gittern erwartet. Doch auch nach der abschließenden Vernehmung des psychiatrischen Sachverständigen ist offen, welche zusätzliche Maßregel für ihn zielführend und erforderlich ist.

Psychiater Gerold Asshoff hat es sich wahrlich nicht leichtgemacht. In drei ausführlichen Sitzungen hat er den Angeklagten im Gefängnis untersucht. Und auch die Erstattung seines Gutachtens vor der 36. Strafkammer des Landgerichts geriet zu einer Mammut-Veranstaltung, die sich über zwei Sitzungstage hinzog.

Doch das Ergebnis des erfahrenen Sachverständigen fällt keineswegs klar und eindeutig aus. Nach Ansicht von Gerold Asshoff sei der 36-jährige Angeklagte zwar alkoholkrank und der Alkohol sei wiederum der Schlüssel zu der brutalen Sexualstraftat im Sommer 2019. Doch eine reine Entziehungstherapie würde laut Gutachter wohl nicht zu dem erwünschten Gesamtergebnis führen.

Sicherungsverwahrung unter Vorbehalt

„Den Angeklagten trocken zu bekommen, ist keine allzu schwere Aufgabe“, sagte Asshoff am Donnerstag. „Er hat aber außerdem so viel Wut, so viel Frustration in sich, dass eine Rückfallgefahr auch ohne Alkohol gegeben sein würde.“ Ein klassischer Fall für die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung ist der 36-Jährige für den Psychiater allerdings auch nicht. Asshoff findet, dass typische antisoziale Hangtäter „ganz andere Kaliber“ sind. „Mit denen arbeitest du drei, vier Jahre, bis sie überhaupt mal an dem Punkt sind, an dem sie einsehen, dass sie sich falsch verhalten haben.“

Der Angeklagte im Oberaden-Fall sei da deutlich weiter und zugänglicher, so der Psychiater. Gerold Asshoff musste allerdings auch einräumen: Der Gedanke an die Sicherungsverwahrung ist alles andere als fernliegend. Möglicherweise werden die Richter deshalb im Urteil zumindest unter Vorbehalt die Anordnung der Sicherungsverwahrung beschließen. Dann würde der 36-Jährige in einigen Jahren erneut untersucht. Psychiater Asshoff hält das für sinnvoll. In der kommenden Woche sollen jetzt die Plädoyers gehalten werden. Das Urteil ist für Anfang Dezember vorgesehen.

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