Anklage droht

Brutale Vergewaltigung in Bergkamen: Das sagt die Polizei zu den gefälschten Fahndungsfotos

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Der vermutliche Tatort der Vergewaltigung: Auf dem Weg nach Hause wurde die Schülerin von einem bislang unbekannten Täter überfallen.

Bergkamen - Zwei Tage nachdem ein 15-jähriges Mädchen in Bergkamen sexuell missbraucht worden ist, taucht ein gefälschtes Fahndungsfoto in den sozialen Netzwerken auf und sorgt für Wirbel. Das sagt die Polizei zu dem Fall: 

Ein Unbekannter hat ein Foto von einem angeblichen Sexualstraftäter veröffentlicht. Jens Greinke sprach mit Polizeihauptkommissar Thomas Röwekamp (53) von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde Unna über den Fall. 

Kennen Sie bereits irgendwelche Hintergründe zu diesem Vorfall? 

Wir sind am Montag von Bürgern informiert worden, dass in den sozialen Netzwerken ein Foto veröffentlicht worden ist, das den angeblichen Verdächtigen zeigen soll. Wir ermitteln nun auch in diesem Fall. Aber natürlich geht es uns vorrangig erst einmal darum, den eigentlichen Fall zu lösen. Aber im Nachgang wird man schauen müssen, wer für diese Veröffentlichung verantwortlich ist. Schließlich können hier strafrechtliche Dinge tangiert worden sein. Durch die Veröffentlichung des Bildes wird nicht nur Panik geschürt, sondern es werden auch die Ermittlungen der Polizei erschwert. 

Polizeihauptkommissar Thomas Röwekamp (53) von der Pressestelle der Kreispolizeibehörde Unna.

Wissen Sie, um welche Person es sich auf dem angeblichen Fahndungsfoto handelt? 

Nein, das wissen wir noch nicht. 

Wie konnten Sie die Person, die auf dem Foto zu sehen ist, als Täter ausschließen? 

Weil wir die Person nicht kennen. Deshalb gehen wir derzeit davon aus, dass diese Person nicht mit dem Sexualdelikt in Verbindung steht. 

Es könnte jedoch auch sein, dass derjenige, der das Foto veröffentlicht hat, weiß, dass es sich um den Täter handelt... 

Selbst dann kann es eine Straftat darstellen. Denn die Veröffentlichung eines solchen Fotos ist nicht zulässig. 

Haben Sie bei Anbietern wie Facebook veranlassen können, dass das Foto gelöscht wird? 

Im Moment ermitteln wir noch, wo das Foto überall aufgetaucht ist. Aber es ist extrem schwierig, eine solche Veröffentlichung in diesen Kanälen rückgängig zu machen. Wenn das einmal im Netz herumgeistert, wird es immer wieder geteilt. Außerdem liegen die Daten oft auf ausländischen Servern, weshalb man nur schwer Zugriff darauf bekommt.

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Ist es in der Polizeibehörde Unna ihre erste Erfahrung dieser Art? 

Für mich persönlich ja. Es ist schon einmal passiert, dass ausgedruckte Fotos nach einer Straftat in Schwerte ausgehängt wurden. Sind Sie in irgendeiner Art und Weise geschult, um mit diesen Vorgängen umzugehen? Die Kollegen von der Kriminalpolizei sind in diesem Bereich natürlich ausgebildet. Um herauszufinden, welche Person dieses Foto verbreitet hat, haben wir Spezialisten, die fit sind, das heraus zu bekommen. 

Welche Strafen drohen demjenigen, der das Foto verbreitet hat? 

Das kommt darauf an, welche Straftaten erfüllt sind. Es kann eine Straftat gegen das Kunsturheber-Gesetz vorliegen. Dann könnten aber auch Straftaten nach dem Strafgesetzbuch vorliegen: Verleumdung, üble Nachrede und Beleidigung beispielsweise. Wir werden am Ende schauen, welcher Verdacht einer Straftat vorliegt. Danach muss durch Staatsanwaltschaft und Gerichte entschieden werden, welche Strafe droht. 

Machen sich diejenigen, die das Foto teilen, ebenfalls strafbar? 

Ja, da kann man sich durchaus in die Nesseln setzen. Es droht eine Anklage wegen übler Nachrede oder wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte. Fahndungsfotos dürfen nur durch Behörden auf Anordnung eines Gerichtes veröffentlicht werden. 

Was könnte passieren, falls die gezeigt Person von irgendwelchen Menschen identifiziert wird? 

Das ist das, was wir vermeiden wollen. Wenn diese Person erkannt werden sollte und ihr durch andere Personen etwas angetan werden sollte, dann muss auch in diese Richtung ermittelt werden. Staatsanwaltschaft und Gericht müssten dann entscheiden, ob dann auch eine Anstiftung zu einer Straftat vorliegen könnte.

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