Nach Straftaten in Bergkamen

Trickbetrug: Banken können mögliche Opfer zwar warnen, mehr aber auch nicht

Auch wenn Senioren Opfer von Trickbetrügern werden: Geldinstituten bleibt trotz möglicher Bedenken nichts anderes übrig, ihnen auf Wunsch auch höhere Bargeldbeträge auszuhändigen.
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Auch wenn Senioren Opfer von Trickbetrügern werden: Geldinstituten bleibt trotz möglicher Bedenken nichts anderes übrig, ihnen auf Wunsch auch höhere Bargeldbeträge auszuhändigen.

Ein Trickbetrug wie jüngst in Bergkamen ist auch von Banken nicht immer zu verhindern. Sie können ihre Kunden zwar warnen, wenn ihnen etwas suspekt vorkommt, diese haben beim Geldabheben aber immer das letzte Wort.

Bergkamen – Immer wieder werden Senioren mit dem Enkeltrick oder ähnlichen Täuschungen um ihr Erspartes gebracht. Jüngst erbeuteten Telefon-Betrüger einen mittleren fünfstelligen Geldbetrag von einer Seniorin in Overberge. Im September wurde eine 73-Jährige von einem Anrufer in die Irre geführt, der sich als ihr Sohn ausgab. Was verwundert: Beide Male wurden die Opfer beim Geldabheben an der Bank noch von einem Mitarbeiter davor gewarnt, dass sie womöglich Betrügern auf den Leim gehen – beide Male hat’s nicht geholfen.

Volksbank: Kunden sind für Nachfragen dankbar

Am Bankschalter bleibe den Angestellten kaum etwas übrig, als bei auffällig hohen Abhebungen noch einmal intensiver nachzufragen, bevor das Geld ausgezahlt wird, verdeutlicht Philipp Gärtner, Sprecher der Volksbank Kamen-Werne, die drei Servicestellen in Bergkamen hat. „Wir haben keine anderen Möglichkeiten, denn der Kunde ist Herr seines Kontos. Wir sind die Verwahrstelle des Geldes und verpflichtet, das Geld auszuzahlen, wenn der Kunde dies möchte“, fügt Gärtner hinzu.

Mitarbeiter-Schulungen im Bereich Geldwäsche und Betrug gibt es nach seiner Auskunft schon länger als den Enkeltrick. Seitdem die Betrugsmasche populärer geworden ist, seien die Schulungen sogar noch intensiviert worden. „Wir fragen unsere Kunden, die meist persönlich bekannt sind, immer diskret, wenn es außergewöhnliche Aktivitäten gibt, also beispielsweise ungewohnt große Beträge abgehoben werden“, erklärt Gärtner. Diese Art der Fürsorge komme bei ihnen gut an. „Die Kunden haben Verständnis dafür, wenn noch einmal nachgefragt wird, und sind dankbar dafür.“

Sparkasse: Wir fragen auch ein zweites oder drittes Mal nach

Auch in der Sparkasse Bergkamen-Bönen sind die Kollegen für die Thematik sensibilisiert und angehalten, im Zweifel genauer hinzusehen. „Es sind oft die älteren Kunden, die zum Schalter kommen, um Geld abzuheben. Wenn es da Auffälligkeiten gibt, wird dann auch vielleicht noch ein zweites oder drittes Mal nachgefragt, um den Kunden zu schützen“, erklärt Sparkassen-Sprecher Michael Krause.

Viele Kunden seien dem Personal teils seit Jahrzehnten gut bekannt. „Im Zweifel wird dann mit der Fürsorgepflicht, die wir für die Kunden haben, kritisch hinterfragt, damit nichts passiert. Wir sind quasi eine Art menschliches Warnschild. Ich gehe davon aus, dass wir durch dieses Verhalten gegenüber den Kunden einen positiven Einfluss haben.“

Gänzlich verhindern lässt sich Trickbetrug aber offenbar nicht, wie die beiden jüngsten Fälle zeigen. Die Polizei sagt, dass bei derlei Straftaten nicht nur Geldinstitute sensibel sein müssten, sondern zuvorderst auch die potenziellen betroffenen Opfer. Ihnen zu helfen, sei auch Aufgabe etwa von Angehörigen, Freunden und Nachbarn.

Diese Tipps gegen den Enkeltrick hat die Polizei:

  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer nicht selber mit Namen melden. Raten Sie nicht, wer anruft, sondern fordern Sie Anrufer dazu auf, ihren Namen selbst zu nennen.
  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich Anrufer als Verwandte oder Bekannte ausgeben, die Sie als solche nicht erkennen. Erfragen Sie Dinge, die nur der richtige Verwandte oder Bekannte wissen kann.
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären und finanziellen Verhältnissen preis.
  • Lassen Sie sich nicht drängen und unter Druck setzen. Rufen Sie die jeweilige Person im Zweifel unter der Ihnen lange bekannten Nummer zurück.
  • Wenn ein Anrufer Geld oder andere Wertsachen fordert: Besprechen Sie dies mit Familienangehörigen oder anderen nahe stehenden Personen.
  • Übergeben Sie niemals Geld oder Wertsachen an unbekannte Personen.
  • Kommt Ihnen ein Anruf verdächtig vor, rufen Sie die Polizei an, Telefon 1
  • Lassen Sie Ihren Vornamen im Telefonbuch abkürzen (aus Herta Schmidt wird beispielsweise H. Schmidt).
  • Bewahren Sie Ihre Wertsachen nicht zu Hause auf, sondern auf der Bank oder im Bankschließfach.

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