Nach sieben Monaten Corona-Pause

Sport bald möglich? Fitnessstudios in Bergkamen stehen in den Startlöchern

Im „Limitless“ im Schacht-III-Gebäude in Bergkamen Rünthe hat der Hausputz begonnen: Studioleiter Ferhat Artar (33) steht hier Modell für Marketingleiterin Desiree Zubek (25), die die Mitglieder über die Social-Media-Kanäle der Fitness-Center-Kette über die zu erwartende Öffnung informieren möchte.
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Im „Limitless“ im Schacht-III-Gebäude in Bergkamen Rünthe hat der Hausputz begonnen: Studioleiter Ferhat Artar (33) steht hier Modell für Marketingleiterin Desiree Zubek (25), die die Mitglieder über die Social-Media-Kanäle der Fitness-Center-Kette über die zu erwartende Öffnung informieren möchte.

Es wird Zeit, den Corona-Speck wieder loszuwerden und sich fit zu machen für das Leben nach der Pandemie. In den Fitness-Centern in Bergkamen laufen bereits die ersten Vorbereitungen für die erhoffte baldige Öffnung. „Wir freuen uns riesig darauf, wieder aktiv zu werden“, sagt etwa Ferhat Artar (33), Studioleiter im „Limitless“ im Schacht-III-Gebäude in Rünthe.

Bergkamen – Die Fitnessstudios können bei einer dauerhaften Inzidenz von unter 50 unter Auflagen wieder Gäste empfangen. Zum ersten Juni-Wochenende könnte es so weit sein. So arbeitet das „Limitless“ auf den 5. oder 7. Juni als Eröffnungstermin hin. Zwar rutschte der Kreis Unna am Freitag wieder leicht über die 50er-Inzidenz-Marke. Desiree Zubek, Marketingleiterin der Kette, ist aber optimistisch, dass es bald wieder weitergehen kann.

Die Fitnessstudios in NRW sind arg gebeutelt. Vier Wochen sollte der Anfang November verkündete Lockdown dauern. Daraus sind mittlerweile sieben Monate geworden. Rechnet man den ersten Lockdown im Frühjahr mit ein, fehlen den Betrieben Einnahmen aus rund einem Dreivierteljahr.

Zur „Limitless“-Kette zählen zwölf Studios in vier Bundesländern. „In Niedersachsen, Sachsen und Thüringen konnten wir schon bei einer Inzidenz von unter 100 öffnen“, berichtet Zubek. Teils seien Corona-Tests für die Mitglieder vorgeschrieben, teils nicht. In NRW gebe es die strengsten Auflagen.

Auch im „Fitplus“ an der Rathenaustraße (Bild) und im „California“ in der Marina Rünthe bereiten sich Betreiber und Team langsam auf eine Wiedereröffnung vor.

Für Thomas Kiefer, Betreiber des „Fitplus“ an der Rathenaustraße, sind sie ein Dorn im Auge. „Ich verstehe nicht, warum wir dem Freizeitbereich zugeordnet werden“, sagt der 61-Jährige. „Die Fitnessstudios leisten einen erheblichen Beitrag zur Gesundheitsförderung und können funktionierende Hygienekonzepte vorweisen.“

Er selbst arbeite mit Krankenkassen und Arztpraxen zusammen, biete Reha- und Betriebssport, sagt Kiefer. „Ich bekomme viele Zuschriften, in denen Mitglieder schildern, dass ihnen mittlerweile alles wehtut, dass sich etwa ihr Diabetes verschlimmert hat oder dass sie acht Kilo zugelegt haben.“

„Online-Angebote nutzen sich schnell ab“

Im ersten Lockdown haben die Studios teils versucht, die Schließungszeit mit Online-Kursen und Videos als Anleitung für zu Hause zu überbrücken. Derlei Aktivitäten sind zuletzt deutlich zurückgegangen. „Solche Angebote nutzen sich auch schnell ab“, weiß Kiefer aus Erfahrung. Sie dürften auch nicht als Ersatz für echtes Gesundheitstraining angesehen werden, sondern als Ergänzung.

Das meint auch Zubek. Das „Limitless“ versuche, die Mitglieder unter anderem mit einzelnen größeren Online-Events und regelmäßigen Infos in seinen Social-Media-Kanälen bei der Stange zu halten, sagt sie. „Das gelingt auch ganz gut.“ Die Mitgliederzahl habe sich bis dato nur unwesentlich verändert.

Allerdings: Fitnessstudios haben eine nicht unerhebliche Fluktuationsrate. Wenn auf der einen Seite Verträge auslaufen, müssen auf der anderen neue geschlossen werden. Das gelingt im Lockdown eher weniger.

„Wir müssen sehen, wie es wieder anläuft“

Auch der „Fitnesstreff California“ in der Marina Rünthe verzeichnet im Lockdown vergleichsweise wenige Abgänge. „Wir müssen sehen, wie es nun wieder anläuft“, sagt Geschäftsführer Thomas Jobling, „und dass wir die Kunden, deren Verträge ausgelaufen sind, wieder zurückgewinnen können“.

Vom Staat fühlt sich Jobling mehr oder weniger im Stich gelassen. Die zäh fließenden Überbrückungsgelder, die er als „Almosen“ und „Lachnummer“ bezeichnet, reichten bei Weitem nicht aus, um die finanzielle Lücke durch den Lockdown zu schließen. „Wir hatten keine Einnahmen, aber die Kosten laufen ja weiter.“ 35 Jahre betreibe er sein Studio schon, nun hätten er und sein Bruder als Mitbetreiber „richtig böse Geld latzen“ müssen.

Die meisten Befragten sagen, sie seien in der Corona-Zeit träger und inaktiver geworden.

Desiree Zubek, Marketingleiterin bei „Limitless“, hat im Zuge ihres Studiums zur Fitness-Ökonomin eine Umfrage unter mehr als 200 Personen durchgeführt

Jobling will das Studio in der kommenden Woche zusammen mit seinem Team wieder auf Vordermann bringen, komplett durchputzen, Geräte checken und alle Akkus aufladen. Seinen Angaben nach hat er mit Beginn des Lockdowns auf das Einziehen der Mitgliederbeiträge verzichtet.

So ist auch Kiefer von „Fitplus“ verfahren. „Die Mitglieder können ja genauso wenig etwas für die Situation wie wir und haben vielleicht auch Einbußen durch die Pandemie“, sagt er. Zwar spüre er deren Solidarität, diese habe er aber nicht überstrapazieren wollen. „Das würde mich irgendwann auch einholen.“ Die Mitglieder seien ihm erst einmal wichtiger als der Kontostand.

In den sieben Monaten Schließungszeit ist das „Fitplus“-Studio dreimal auf Vordermann gebracht worden. Kommende Woche steht die nächste Grundreinigung an. „Das alles geht mächtig ins Geld“, sagt Kiefer mit Blick auf die Fixkosten. Für das vor drei Jahren für 3,5 Millionen Euro errichtete Studio lägen diese bei monatlich mehreren Zehntausend Euro. Finanziell sei „das Ende der Fahnenstange langsam erreicht“, sagt Kiefer – trotz Staatshilfen, Rücklagen und niedrigen Bankzinsen.

Mitarbeiter wieder mit an Bord

Die ersten Tage und Wochen nach Wiedereröffnung sieht Kiefer als eine Art „Probezeit“ an. „Da muss sich alles erst wieder einspielen.“ Froh ist er und sind die anderen Bergkamener Studiobetreiber, dass ihre festen, in Kurzarbeit geschickten Mitarbeiter alle wieder an Bord sind. Das gilt auch für den Großteil der auf Honorarbasis arbeitenden Kurstrainer.

Die Kunden des „Limitless“ konnten wählen, ob sie ihre Mitgliedschaft im Lockdown ruhen lassen oder Wertgutscheine für die Monate der Schließung annehmen. „Kein Beitrag geht verloren“, sagt Marketingleiterin Zubek. In Härtefällen würden Mitglieder auf Wunsch auch aus ihren Verträgen entlassen. „Das ist ja eine schwere Zeit für uns alle.“ Man könne froh sein, einigermaßen gut da durchgekommen zu sein.

Zwar wird manches Mitglied im Lockdown Spaß an Sport unter freiem Himmel entwickelt haben. Zubek geht aber davon aus, dass schnell wieder Leben in die Studios einkehrt. Im Zuge ihres Studiums zur Fitness-Ökonomin hat sie für ihre Bachelor-Arbeit mehr als 200 Menschen befragt, wie sie durch die Pandemie kommen. „Die meisten sagen, sie seien träger und inaktiver geworden.“ Der Wunsch, die körperliche Fitness wiederzuerlangen, sei stark ausgeprägt – „ob draußen oder drinnen“.

„Outdoor-Area“ vor dem Schacht-III-Gebäude

Das „Limitless“ kommt dem neuen Bewegungsdrang auch entgegen, indem es voraussichtlich schon Ende Juni eine „Outdoor-Area“ einrichten will mit einem neuen, wetterfesten Geräte-Tower. „Da sind wir gerade in der Abstimmung mit der Stadt“, berichtet Zubek.

Die maximale Besucherzahl in den Studios wird je nach Fläche begrenzt. Die Sportler müssen Mindestabstand halten und Maske tragen, sofern sie nicht gerade an einem Gerät oder im Kursraum aktiv sind. Die 3G-Regel (Getestet, Geimpft, Genesen) würde laut der neuen Schutzverordnung erst ab einer Inzidenz von dauerhaft unter 35 wegfallen. Die Erfahrung aus den letzten Tagen zeigt aber: Schon die 50er-Marke ist ein ehrgeiziges Ziel.

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